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»Es gibt traurige und fröhliche Tage«

Brigitte Thelen gründete vor zehn Jahren die Trauer-Oase

Reifferscheid. Weil es in der Verbandsgemeinde Adenau keine dauerhaften Angebote für trauernde Menschen gab, gründete Brigitte Thelen die Trauer-Oase Adenau. Das geschah vor zehn Jahren. Als Anlaufpunkt für Menschen, die eine geliebte Person verloren haben, hat sich die Trauer-Oase mehr als etabliert.

»Ich war damals in der Hospizarbeit tätig. Das bedeutet, dass man zwangsläufig mit Personen in Kontakt kommt, die den Verlust eines geliebten Menschen beklagen«, erzählt Brigitte Thelen. Um den Betroffenen besser helfen zu können und um sie besser zu verstehen, ließ sich die ausgebildete Krankenschwester über eine Online-Fortbildung zur Trauerbegleiterin zertifizieren. »Anschließend habe ich über eine Zeitungsannonce trauernde Menschen gesucht, die Lust hatten, sich einmal monatlich bei einem gemeinsamen Frühstück mit Gleichgesinnten auszutauschen. »Eine Dame war vorher immer zum Trauertreff nach Bad Neuenahr gefahren, aber weil ihr die Anreise zuviel wurde, war sie froh, das Angebot in Adenau wahrnehmen zu können«, berichtet die Gründerin. Schon beim ersten Treffen nahmen sechs Menschen das Angebot wahr. Seit dem liegt die Besucherzahl zwischen acht und zehn Personen. »Im Grunde genommen sind wir ein fester Kreis, aber es kommen hin und wieder neue dazu. Und das ist auch erwünscht, schließlich steht die Oase allen Betroffenen offen. Meistens kommen Menschen zu uns, die ihre Partner, Eltern, oder erwachsene Kinder verloren haben«, so Thelen. Auch wenn die Gruppe aktuell nur aus Frauen besteht, sind auch Männer willkommen. »Männer nehmen das Angebot aber eher selten in Anspruch – Sie trauern anders. Frauen haben ein stärkeres Bedürfnis sich mit anderen auszutauschen«, verrät die Trauerbegleiterin.

Themenvielfalt

Thematisch sind die Oasengespäche sehr unterschiedlich. »Die Bandbreite reicht von A wie Apfelkuchen bis Z wie Zitronenrolle. Alles kann, nichts muss. Das heißt es gibt Tage, an denen wird gelacht und gelästert und es gibt traurige Tage, beispielsweise, wenn jemand gerade einen geliebten Menschen verloren hat, oder sich dessen Todestag jährt. Ein wichtiger Punkt, den wir uns in der Oasen-Gesprächen immer vor Augen führen, ist, dass die Trauer nicht nach vier bis sechs Wochen vorbei ist, sondern dass man auch noch nach sechs oder mehr Jahren traurig sein darf. Und wenn jemand nicht in der Gruppe über ein bestimmtes Thema sprechen möchte, biete ich auch Einzelgespräche an«, so Thelen.

Die Oasentreffen organisiert die 62-Jährige im Alleingang und natürlich ehrenamtlich. »Ich besorge immer alles für das Frühstück. Das hat auch einen bestimmten Hintergrund. Wenn jeder etwas mitbringen würde, könnte das zu peinlichen Situationen für neu Hinzugekommene führen, weil die nicht wussten, dass sie etwas mitbringen sollen. Das wäre kein guter Einstieg in die Gespräche«, sagt Brigitte Thelen. Nach dem Frühstück wird allerdings gemeinsam abgeräumt und gespült. »Zur Finanzierung des Frühstücks stelle ich ab und zu ein Sparschwein auf. Dann kann jeder geben, was er kann«, sagt Thelen.

In der Regel finden die monatlichen Treffen in der Komturei in Adenau statt. »Wenn in der Stadt aber größere Festivitäten anstehen, treffen wir uns auch schonmal zum Grillen bei mit zu Hause«, sagt Brigitte Thelen.

Rituale und Regeln

Aber die Trauerarbeit kann auch belasten. Damit die Last nicht zu groß wird, hält sich die 62-Jährige an bestimmte Regeln und Rituale. Die Autofahrten nach den Treffen sind für mich wichtig um abzuschalten. Zuhause wasche ich mir die Hände und ziehe mich um. Das ist mein Ritual. Wenn ich zu Hause Trauergespräche führe, dann nur um Untergeschoss unseres Hauses, nie im Wohnbereich«, erklärt Brigitte Thelen. Natürlich sind die Oasentreffen selbst auch ein wichtiges Ritual für Brigitte Thelen. »Die Male, bei denen ich in den zehn Jahren aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, kann man an zwei Fingern abzählen«, erklärt Sie mit einem Schmunzeln. »Lediglich bei Schnee und Eis sagen wir die Treffen schon mal ab«. Und auch wenn Trauer oft ein schwieriges Thema ist, so möchte Brigitte Thelen die Trauer-Oase nicht missen. »Über die Jahre haben sich einige Freundschaften entwickelt«, sagt sie.

Zur Person:

Brigitte Thelen, Gründerin der Trauer-Oase Adenau, lebt mit ihrem Mann Alois in Reifferscheid. Sie hat vier Kinder und ein Enkelkind. Die ausgebildete Krankenschwester arbeitet in der Senioren-Tagespflege in der Villa am Buttermarkt in Adenau.

Trauer-Oase:

Die Trauer-Oase findet immer am letztem Dienstag des Monats um 9.30 Uhr in der Komturei Adenau statt. Kontakt Brigitte Thelen, Tel. 02691-933134

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