Christian Thielen

Traumjob zwischen "Ruhm und Ruin"

Nürburg. Ohrenbetäubender Lärm empfängt Manfred Strack an diesem Morgen an der Rennstrecke auf dem Nürburgring. Mit über 200 Sachen rasen die Teilnehmer der VLN-Langstrecken-Meisterschaft an der Haupttribüne vorbei. Es ist der Sound, den der 44-Jährige liebt und den er dutzendfach erleben durfte. Doch an diesem Tag übertönt die Nachricht von der Insolvenz der Nürburgring GmbH die Freude darüber.

Für Manfred Strack war die Arbeit am Nürburgring stets ein Traumjob. Nun hat ihn die Realität eingeholt. Der langjährige Mitarbeiter fürchtet um die Existenz der legendären Rennstrecke und damit um die der zahlreichen Mitarbeiter. Wenige Stunden vor dem Start des VLN-Rennens hat die Landesregierung die Einleitung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler bestätigt. Strack hat dies, genau wie vieles andere in den vergangenen Tagen, nur über die Medien erfahren können. "Mit uns hat niemand gesprochen", sagt er. Stattdessen muss der Mitarbeiter lesen, sehen und hören, dass der Nürburgring aufgrund millionenschwerer Steuerverschwendung der Landesregierung für deutschlandweite Negativ-Schlagzeilen sorgt. Hautnah miterleben muss er indes, wie die Berichterstattung bei den Ring-Fans ankommt. "Im Info-Center standen zahlreiche Besucher und wollten ihre DTM-Tickets zurückgeben." Zu groß ist offenbar die Angst, die Eintrittskarten könnten bis Mitte August ihre Gültigkeit verlieren.

 

An ein Aus der Rennveranstaltungen will Strack gar nicht denken. Für ihn ist sie sehr viel mehr als ein Arbeitsplatz. "Ich wäre bereit, für den Nürburgring mein letztes Hemd zu geben", sagt er. Die Arbeit für die legendäre Einrichtung habe ihn stets mit Stolz erfüllt. Bereits sein Großvater und Vater standen am Ring in Lohn und Brot. Sein Vater war Streckenwärter, bekam an der Einfahrt in Breitscheid eine Dienstwohnung gestellt. "Ich bin quasi neben der Strecke groß geworden", berichtet Strack. Als Ordner verdient er sich in seiner Jugend etwas Taschengeld, später absolviert er eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei der Nürburgring GmbH. Er durchläuft verschiedene Bereiche, erst im Start- und Zielhaus, dann im Rechnungswesen, bis er schließlich 1991 eine Stelle im Veranstaltungsmanagement annimmt. Bis 2010 ist er Angestellter der Nürburgring GmbH, danach wechselt er zur Nürburgring Automotive GmbH, die zum 30. April den Betrieb von Rennstrecke, Hotellerie und Gastronomie übernimmt. Strack ist inzwischen Teamleiter des Veranstaltungsmanagements. Der 44-Jährige hat während dieser Zeit viele Höhen und Tiefen miterlebt. Zu seinen absoluten Highlights zählt das Jahr 1995, in dem erstmals wieder ein Formel 1-Rennen am Ring starten durfte. "Waschkörbe voll mit Ticket-Anfragen erreichten uns", erinnert sich der Adenauer. Innerhalb kürzester Zeit war die Veranstaltung ausverkauft. Überhaupt hätten die Events in ihrer Anfangszeit  einen wahren Boom erlebt. Ob Formel 1 oder Truck Grand-Prix - die Rennen seien gut besucht gewesen. Für Strack waren die motorsportlastigen Wettkämpfe stets das Herz des Rings. Daher konnte er auch nicht nachvollziehen, warum die Rennstrecke um eine überdimensionierte Erlebniswelt erweitert werden sollte. "Schon das alte Rennsport-Museum hatte nicht ausreichend Besucher", weiß er. Er musste miterleben, wie sein damaliger Chef, Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH Dr. Walter Kafitz, in seiner Vision von einem dem Motorsport angelehnten Freizeitpark nicht zu bremsen war. "Man hat uns damals versucht, die Finanzierung des Projekts zu erklären. Durchgeblickt hat von den Mitarbeitern niemand mehr." Und Nachfragen seien nicht erwünscht gewesen. Kristische Berichterstattungen mehrten sich in der Folge. Die gescheiterte Privatfinanzierung, die Millionen Steuergelder, die in das Projekt flossen, das Nicht-Funktionieren der Achterbahn - all das kratzte am Mythos Nürburgring.  Strack war stets stolz auf seinen Arbeitsplatz. Erst in der jüngsten Vergangenheit bekam er die negativen Auswirkungen auch im privaten Bereich zu spüren: "Überall wurde ich dumm von der Seite angequatscht. Am Ende bin ich nur noch ungern ausgegangen." Trotz des Abwärts-Trends kamen die Ereignisse für ihn überraschend: "Ich hätte nie gedacht, dass eine Landes-Tochter Insolvenz anmelden würde." Dennoch will er nicht an ein Ende des Rennsports am Ring denken. "Entscheidungen müssen nun schnell getroffen werden", appelliert der 44-Jährige. Seiner Meinung nach ist eine Trennung von Hotel- und Gastronomiebereich von dem Betrieb der Rennstrecke unerlässlich. "Der Ring braucht die Region und die Region braucht den Ring" - das habe er immer gesagt und dabei bleibe er auch. Doch nun sind erst einmal andere gefragt, ihr "letztes Hemd" zu geben. "Beeinflussen kann man die Dinge jetzt nicht mehr."

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Am Konzener Feuerbach wird Zukunft gebaut

Konzen. »Hier wird Zukunft gebaut!« Margareta Ritter strahlte mit der Herbstsonne um die Wette - dabei war es doch recht kühl am Konzener Feuerbach, als der Grundstein für die neue Kindertagesstätte gelegt wurde.Konzen (Fö). »Oft höre ich, dass die Städteregion viel Geld kostet. Aber wenn es um den Bau einer Kindertagesstätte geht, sind sich glücklicherweise alle einig.« Helmut Etschenberg lobte die schnellen Entscheidungen in den politischen Gremien von Stadt Monschau und im Haus der Städteregion, sodass schon im kommenden Sommer den Kleinsten aus Konzen und Umgebung eine neue Bildungseinrichtung zur Verfügung steht. »Eine Erweiterung hätte keinen Sinn gemacht - der Neubau ist richtig«, stellte der Städteregionsrat fest. Auch wenn es rund 3,5 Millionen Euro kosten wird.»Dörfer wie Konzen und Imgenbroich wachsen, da haben wir einen wichtigen Bildungsauftrag«, so Etschenberg weiter.»Eltern und Kinder - alle Konzener Familien sind sehr dankbar«, unterstrich Ortsvorsteher Matthias Steffens. »Wir bauen ein modernes Haus, in dem zeitgemäße Bildungsarbeit möglich ist«, versichert Bauamtsleiter Sander Lutterbach. So werde jede Gruppe mit eigener Be- und Entlüftung ausgestattet. Das Heizen mittels Blockheizkraftwerk und der Einsatz von LED-Beleuchtung seien selbstverständlich. »Ambitioniert« nennt Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter die Bauzeit bis zum kommenden Sommer - sieht die Arbeiten aber bei ortsansässigen Firmen in besten Händen.BetreuungszeitErzieherinnen, Pflegerinnen, therapeutisches Fachpersonal: »Das Team um Silke Bongard wird allen modernen Anforderungen gerecht«, stellt der neue Leiter des »Jugendamtes«, Sebastian Heinen fest. Die künftigen Betreuungszeiten von 7 bis 16.30 Uhr sollen einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten. »Das Familienzentrum ist Anlaufstelle für alle Monschauer Eltern«, so Heinen.Die StädteRegion Aachen ist Träger der Kindertageseinrichtung Konzen. Darin werden 100 Kinder im Alter von vier Monaten bis zum Schuleintritt betreut. Als zertifiziertes Familienzentrum NRW soll die Einrichtung zu einer Qualitätssteigerung in der frühkindlichen Bildung und Förderung beitragen, Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Bildungs- und Erziehungsaufgabe stärken sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sichern. Das Raumprogramm wird den neuesten Empfehlungen des Landschaftsverbands Rheinland entsprechen und damit neben den Gruppen- Neben- und Abstellräumen unter anderem auch für die inklusive Betreuung einen Raum zur Differenzierung und therapeutischen Betreuung vorsehen. Alle Räume werden barrierefrei zugänglich sein.Die Freude über die neue Kindertagesstätte brachten die Kleinen in einem Lied zum Ausdruck: www.youtube.com/wochenspiegelliveAktuell ist das fünfgruppige Familienzentrum der StädteRegion in Konzen teilweise in Räumen der dortigen Grundschule untergebracht. Als Folge der Schulentwicklungsplanung der Stadt Monschau (Zusammenlegung der Grundschulen Imgenbroich und Konzen am Konzener Standort) stehen die zurzeit vom Familienzentrum im Gebäude der Grundschule genutzten Räume ab dem Schuljahr 2018/2019 nicht mehr zur Verfügung.»Hier wird Zukunft gebaut!« Margareta Ritter strahlte mit der Herbstsonne um die Wette - dabei war es doch recht kühl am Konzener Feuerbach, als der Grundstein für die neue Kindertagesstätte gelegt wurde.Konzen (Fö). »Oft höre ich, dass die…

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Erasmus-Plus-Projekt führt nach Norwegen

VG Traben-Trarbach. Am Gymnasium Traben-Trarbach ist mit Beginn des Schuljahrs auch das EU-geförderte Erasmus-Plus-Projekt gestartet, in dem diesmal die weiterführende Schule in Rørvik, Hauptort der Inselkommune Vikna an der Westküste Norwegens, die Partnerschule des zweijährigen, länderübegreifenden Projekts sein wird. Unter dem Titel „Regionale Spuren suchen – europäische Wege finden“ machen sich die Schüler des Gymnasiums und die der „Ytre Namdal videregående skole“ zwei Jahre lang auf die Suche nach ihren jeweils eigenen Wurzeln, nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden sowie nach Ideen und Visionen für ein Leben, in dem alle etwas voneinander lernen und sich so näher kommen können.    Die Themen für den Austausch fangen bei der Frage an, warum Norwegen kein Mitglied der EU ist und gehen zurück in die Zeit der deutschen Okkupation in Norwegen bzw. die des Nationalsozialismus in Traben-Trarbach. Weitere historisch relevante Themen sind die Auswanderungswellen nach Südamerika oder in die USA im 19. Jahrhundert. Ebenso sollen moderne Herausforderungen wie beispielsweise die aktuellen Migrationsbewegungen und die jeweiligen wirtschaftlichen Standbeine beider Orte beleuchtet werden. Denn was für Traben-Trarbach der Wein ist, ist für Rørvik der Fisch. Beides zusammen passt und verspricht darüber hinaus einen echten kulinarischen Zugewinn.   Doch von einem Austausch kann nur die Rede sein, wenn man in das Leben der anderen selber hautnah kennen gelernt hat. Daher ist das Projekt mit einigen Reisen verbunden. Mitte September waren bereits vier norwegische Lehrerinnen als Gäste eines Vorbereitungstreffens am Gymnasium in Traben-Trarbach. Im März wird es den entsprechenden Gegenbesuch nach Rørvik nördlich von Trondheim geben. Für die Schüler sind insgesamt vier Reisen vorgesehen – zwei für jede Schule. Wer mitfahren darf, das hängt, neben dem passenden Alter, vor allem vom jeweiligen Einsatz für das Projekt ab.    Die Jugendlichen müssen in ihren Schulen Workshops vorbereiten und mit den Gästen weitestgehend selbstständig durchführen und auswerten. Außerdem sollen mithilfe einer neu eingerichteten Homepage Zwischenergebnisse veröffentlicht und ausgetauscht werden können. Abschließend ist geplant, dass alle Ergebnisse des Erasmus-Projekts 2019 in einer großen Ausstellung zusammengeführt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.   Mit dem Projekt wollen die Schulen den Verstehenshorizont für die jeweils andere Kultur erweitern und sowie die Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit und Sprachkompetenz fördern. Darüber hinaus ist eine nachhaltige Freundschaft zwischen beiden Schulen und den Gemeinden ein weiteres wünschenswertes Ergebnis dieses Projekts. Foto: FF Am Gymnasium Traben-Trarbach ist mit Beginn des Schuljahrs auch das EU-geförderte Erasmus-Plus-Projekt gestartet, in dem diesmal die weiterführende Schule in Rørvik, Hauptort der Inselkommune Vikna an der Westküste Norwegens, die Partnerschule des…

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