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Warten auf den Frühjahrsregen

Trockenheit und Frost setzen Pflanzen zu

Ahrbrück. Die Bäche sind nur noch Rinnsale, die Böden sind ausgedorrt, Nordwind bringt Kälte und nur wenig Niederschlag: Das Frühjahr 2017 ist eine echte Herausforderung für Gartenbesitzer, Landwirte und Winzer.

Es fing so schön an. Mehr als zwei Wochen früher als sonst reckte sich die Blütenpracht der Blumenbeete, Sträucher und Obstbäume in eine schon fast sommerliche Sonnenwärme. Die meisten Menschen genossen das, nur Gartenbesitzer und Landwirte schauten mit gemischten Gefühlen in den dauerblauen Himmel. Es fehlte eine typische Frühlingszutat: Regen. Das Nass kommt nun spärlich und allenfalls in gefrorener Form, kalter Wind föhnt alles sofort wieder trocken. Die weiteren Aussichten: Bienen und andere fleißige Bestäuber müssen drinnen bleiben. Das bestätigt auch Bernd Justen. Er ist Vorsitzender des Imkervereins Wershofen. »Unsere Bienen lassen sich bei den aktuellen Temperaturen nur selten sehen. Erst  bei Temperaturen zwischen 12 und 15 Grad gehen sie auf Nektarsuche. Der Nektar wiederum ist ein weiteres Problem. Durch die vorherrschenden Temperaturen und die Trockenheit produzieren viele Pflanzen einfach zu wenig davon«, erklärt der Experte.

Auswirkungen des Wetters

Werner Ollig von der rheinland-pfälzischen Gartenakademie in Neustadt erkennt mit geschultem Blick die Auswirkungen des Wetters. »Viele Pflanzen haben bereits erste gelbe Blätter an ihrer Basis, ihnen fehlt der Glanz. Sie schalten auf Sparmodus und können das zwar überleben, aber es ist wie bei Menschen: Sie stehen unter Stress, der schädigt ihr Immunsystem.« Doch nicht die kalte Schulter, die der April derzeit den Lebewesen zeigt, ist das große Problem. »Daran sind heimische Pflanzen gewöhnt. Es ist vor allem die für die Jahreszeit ganz untypische lange Trockenheit, die ihnen zu schaffen macht.« Der Raps etwa ist nur kniehoch und in Notblüte ausgebrochen. Bei vielen Obstbauern könne die Kombination aus Dürre und Kälte an die Existenz gehen. Selbst ältere Bäume sollten derzeit bewässert werden; jüngere, bis vor drei Jahren angepflanzte erst recht. »Sonst werden die Bäume im Laufe des Jahres immer schwächer und kommen nicht über den Winter.«  Die Gartenakademie empfiehlt naturnahe Gärten mit Lebensraum und Nahrung für viele Insekten, die ihrerseits Schädlinge minimieren. »Hummeln und Wildbienen, die bei niedrigeren Temperaturen als Honigbienen fliegen, leisten einen ganz wichtigen Beitrag für die Bestäubung. Noch ein Tipp: Was im Garten wächst, da lassen – auch Blätter, Rasenschnitt und Totholz. All das ist wertvoller Dünger und Lebensmittel, etwa für Regenwürmer, die den Boden gesund halten.«


Der Frost hat auch den Apfelbäumen von Helmut Krüger aus Ahrbrück zugesetzt. Er war lange Zeit Zweiter Vorsitzender des mittlerweile aufgelösten Gartenbauvereins Ahrbrück und stellt selbst Apfel- und Holundersaft her. »Meine Lieblingsapfelbäume der Sorte ‚Grafensteiner‘ haben unter dem Frost gelitten. Die Blüten sind braun und ich rechne nicht mit einer Nachblüte« erklärt der 81-Jährige. Dass die Bäume auf der Streuobstwiese des ehemaligen Gartenbauvereins unter Kälte und Trockenheit leiden, glaubt Krüger nicht. »Die Streuobstwiese steht an einem Nordhang. Weil es dort nur Abendsonne gibt, sind die Blüten noch nicht soweit. Zudem speichern die Böden die vorhandene Feuchtigkeit gut«, so Krüger.

Steillagen weniger anfällig

Auch die Winzer in der Region sind betroffen. Die Auswirkungen sind jedoch unterschiedlich stark. »Es gibt einige Lagen da rechnen die Winzer mit 60 bis 70 Prozent Ernteausfall«, erklärt Kevin Bertram. Er ist stellvertretender   Kellermeister der Ahr Winzer eG. »Die meisten unserer Genossenschaftsmitglieder scheinen aber bisher mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Sie rechnen mit zehn bis 15 Prozent Ausfall«, erklärt Bertram. Im Vergleich zu Gesamtdeutschland hielten sich die Schäden aber eher in Grenzen. »Durch die Steillagen sind unsere Reben weniger frostanfällig«, sagt Bertram. Entwarnung gibt der Kellermeister allerdings nicht. »Erst nach den Eisheiligen im Mai sind wir auf der sicheren Seite«, so Bertram.

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