TNO

Winzer sein ist Hobby und Beruf

Gault Millau wählt Julia Bertram zur "Entdeckung des Jahres"

Dernau. Jedes Jahr kämpfen mehrere hundert Weingüter darum, einen Platz im Gault Millau zu ergattern. Julia Bertram aus Dernau hat einen der 1000 Plätze in dem renommierten Weinführer erobert – und sie wurde direkt zur »Entdeckung des Jahres« gekürt.

»Früher wollte ich lieber Tierärztin werden«, erinnert sich Julia Bertram und lacht. Heute führt sie ein eigenes Weingut, wurde vom Gault Millau ausgezeichnet und bekannt ist sie vor allem dafür, dass sie 2012/2013 Deutsche Weinkönigin war. Die Faszination für den Familienbetrieb hat sie allerdings nicht mit in die Wiege gelegt bekommen. »Die kam erst auf, als ich selber Wein trinken konnte«, erzählt sie. Vorher habe der Familienbetrieb für sie bedeutet, helfen zu müssen, aber nichts vom Endprodukt zu haben. Danach änderte sich ihre Einstellung schlagartig. »Winzer sein ist Beruf und Hobby für mich«, sagt die 27-Jährige.

Nach dem Abitur arbeitete sie ein halbes Jahr im Weingut Meyer-Näkel, danach studierte sie »Weinbau und Önologie« in Geisenheim und wurde in dieser Zeit auch Ortsweinkönigin in Dernau. »Ich fand es schön, mich für die Winzer vor Ort einsetzen zu können«, erinnert sie sich. Weil sie Spaß an der Aufgabe hatte, trat sie bei der Wahl zur Ahrweinkönigin und später auch zur Deutschen Weinkönigin an. Der Erfolg kam überraschend aber passend. »Eigentlich wollte ich nach dem Studium einen weiteren Aufbaustudiengang belegen«, erzählt sie. Doch ziemlich direkt nach dem Bachelor begann die Vorbereitung für die Wahl der Deutschen Weinkönigin und nur wenige Tage, bevor sie den neuen Studiengang angetreten hätte, wurde sie gewählt.

Rund um die Welt

Damit war klar, dass sie erstmal keinen weiteren Studiengang belegen würde, sondern ein Jahr lang als Repräsentantin für Deutsche Wein um die Welt reisen würde. Oslo, New York, Singapur, Toronto sind nur einige der Ziele, die sie in ihrer Zeit besucht hat. Sie musste Weinproben veranstalten, Vorträge halten, Seminare geben – das meiste davon in Englisch. »Das Jahr hat mich sehr positiv geprägt«, sagt sie. Für Julia Bertram wurde in diesem Jahr auch klar – einen weiteren Studiengang will sie nicht machen. »Ich wollte in die Praxis«, sagt sie. Und so startete sie 2013 im elterlichen Weingut damit, eigene Flächen zu bearbeiten. 2014 gründete sie mit drei Hektar aus dem Weingut der Eltern ihr eigenes Weingut und 2015 gingen ihre ersten Weine in den Verkauf. Das Jahr als Deutsche Weinkönigin hat ihr auf diesem Weg geholfen.

»Man wird sensorisch gut geschult und lernt viele Philosophien kennen«, erklärt Julia Bertram. Gerade Zweiteres half ihr dabei, ihren eigenen Stil zu definieren. »Mein Schwerpunkt ist der Spätburgunder«, sagt Bertram. Sie wolle langlebige Spätburgunder schaffen, die ihre Herkunft zeigen. Deshalb baut sie viele Lagen separat aus. »Je enger die Herkunft ist, desto höher wird die Qualität«, erklärt Bertram. Fünf Lagenweine und zwei Ortsweine sowie zwei Gutsweine – einer davon ein »Blanc de noirs« – bietet sie im Bereich Spätburgunder an. Dieser Weg macht die Arbeit zwar aufwändiger, wurde aber schon im ersten Jahr von Erfolg gekrönt. Mit ihren Weinen bewarb sie sich beim Gault Millau und wurde zur Neuentdeckung des Jahres gekürt. Auch der Verkauf lief super.

Mit Qualität punkten

»Der Wein war schneller ausverkauft, als mir lieb war«, lacht Julia Bertram. Dabei versuchte sie ganz bewusst, über die Qualität und nicht über ihren Namen zu punkten. »Der Name steht nur ganz klein auf dem Etikett«, sagt sie. Außerdem gibt es keinen Hinweis darauf, dass sie Weinkönigin war. »Die Weine sollen jetzt im Vordergrund stehen, nicht meine Person«, so Bertram. Im nächsten Schritt ist es für sie wichtig, kontinuierlich gute Qualität zu schaffen. »Das ist wichtiger als eine einzelne Auszeichnung«, betont die Winzerin. Außerdem wird sie langfristig den Rest des Weingutes ihrer Eltern übernehmen und damit dann sechs Hektar bewirtschaften. Für sie wird damit ein Traum wahr. »Ich könnte mir nichts anderes mehr vorstellen«, sagt die junge Winzerin.

Kontakt: Tel (0 26 43) 90 33 12, spaetburgunder@juliabertram.de, www.juliabertram.de

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.