Ein Modezar und zwei Ex-Weinköniginnen an der Spitze

Ahrweiler. Ein kleiner Text zum Hospiz-Verein Rhein-Ahr vom 2. September 2007 war der erste Eintrag ins AW-Wiki. Fast zehn Jahre sind seitdem vergangen, und der Beitrag zum Hospiz-Verein wie das AW-Wiki insgesamt sind seitdem zu beachtlicher Größe gewachsen.  Für die Initiative »AW im Netz« war das jetzt Anlass, sich im Haus der Familie in Bad Neuenahr einen Abend lang mit dieser Online-Enzyklopädie für den Kreis Ahrweiler zu beschäftigen. Das AW-Wiki, so Gründer Anton Simons habe sich inzwischen zu einem universellen Führer durch den Kreis Ahrweiler entwickelt. Die Zahl der Artikel sei im vergangenen Jahr um 1500 auf jetzt 20.500 gewachsen. Außerdem seien 1700 Fotos ins Wiki hochgeladen worden; ihre Gesamtzahl liege nun bei fast 11.500. Im Laufe der Jahre hätten sich 964 Nutzer angemeldet, um beim Auf- und Ausbau des Wikis mit zu helfen. 116 davon seien 2016 aktiv gewesen. Texte, Fotos, Karten155.000 Artikel-Bearbeitungen habe es im vergangenen Jahr gegeben. Neben geschriebenen Texten und Fotos gebe es im AW-Wiki inzwischen auch eine stattliche Anzahl von Videos, beispielsweise von der Platt-Akademie in Ahrweiler, und Kartenausschnitte. Das AW-Wiki, eines von etwa 40 Stadt- und Regionalwikis in Deutschland, sei, wie Simons sagte, hinter dem Stadtwiki Karlsruhe Deutschlands zweitgrößte derartige Online-Enzyklopädie.Zu den am häufigsten aufgerufenen Artikeln zählten die AW-Wiki-Einträge zum Modeschöpfer Alfredo Pauly, zu den aus Dernau stammenden ehemaligen deutschen Weinköniginnen Mandy Großgarten und Julia Bertram sowie zu Eveline Lemke, der in Bad Bodendorf wohnenden ehemaligen Wirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz. Ganz weit oben in der Rangliste der am häufigsten aufgerufenen Artikel stünden auch die Beiträge zu Nürburgring, Laacher See und Rotweinwanderweg sowie zur Dokumentationsstätte Regierungsbunker und zur Brücke von Remagen.9000 PersonenAls »Who’s who für den Kreis Ahrweiler« enthalte das AW-Wiki inzwischen Artikel zu fast 9000 Personen aus Gegenwart und Geschichte des Kreises – zu Politikern und Pfarrern, zu Vereinsvorsitzenden, leitenden Mitarbeitern der kommunalen Verwaltungen, zu Wein-, Brunnen-, Bohnen- und Fischerköniginnen aus dem Kreis sowie zu Heimatforschern und Lokaljournalisten der Rhein-Ahr-Region.Darüber hinaus sei das AW-Wiki heute ein nahezu vollständiger Führer durch das Vereinswesen und die Behördenlandschaft sowie zu Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen des Kreises. Es enthalte Infos zu Freizeitangeboten für Einheimische und Touristen, etwa zu Sportstätten, Museen, Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten, sowie zu Backhäusern und Brücken, zu Rat-, Bürger- und Feuerwehrhäusern sowie zu den Gedenkstätten, die in nahezu jedem Ort der Region an die Opfer der beiden Weltkriege erinnern. In eigenen Zielgruppen-Portalen bündele das AW-Wiki Infos für Neubürger, Behinderte und Senioren sowie für Frauen und Mädchen, und in Themen-Portalen würden Informationen etwa zum Ahr-Weinbau, zu regenerativen Energien, zu Wandern, Wirtschaft und zu Einkaufsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der Region zusammengefasst.Leicht verständlichGrundanliegen des AW-Wikis sei, wie Anton Simons weiter ausführte, »all das nach einem einheitlichen Ordnungssystem zu erschließen, was im AW-Kreis von öffentlichem Interesse ist oder war«, in leicht verständlichen Texten darzustellen und als Open Content zur Verfügung zu stellen. Sämtliche Wiki-Texte und ein großer Teil der Fotos dürften nämlich frei verwendet werden. Einzige Bedingung: das AW-Wiki wird als Quelle genannt. Zu den Prinzipien fürs Verfassen von Wiki-Beiträgen zählten redaktionelle Unabhängigkeit und ein neutraler Standpunkt: Themen sollten sachlich dargestellt und persönliche Standpunkte der Wiki-Autoren seien dabei aus den Artikeln heraus zu halten. Das gelte insbesondere für Artikel zu umstrittenen Themen - etwa dem geplanten Güllebecken auf der Grafschaft, zum Nahversorgungszentrum auf dem ehemaligen Rick-Gelände in Sinzig und zur Umgehungsstraße für Lohrsdorf.Interview mit AW-WIKI-Gründer Anton SimonsAnton Simons ist der Gründer des AW-Wiki. Der WochenSpiegel hat mit ihm über die Entstehung und Pflege des Regionalwikis gesprochen. Wie ist die Idee für das AW-Wiki entstanden? Ich war als Lokaljournalist tätig und habe 2004 mit einem internen Wiki für mein Wissensmanagement angefangen. Dann habe ich überlegt, ob man das nicht auch online zugänglich machen könnte und Leute finden könnte, die das Wiki mit ausbauen wollen. Was waren die ersten Schritte? Die erste Frage für mich war: Geht das überhaupt im Lokalen oder schlagen mir die Leute den Schädel ein, wenn ich Infos über sie ins Netz stelle. Aber es ging. Es ist wichtig, dass die Informationen gut belegt sind, beispielsweise durch Verweise auf den entsprechenden Berichte in der Tageszeitungen. Wie gehen sie sicher, dass die eingestellten Artikel korrekt sind?  Wenn etwas veröffentlicht wird, passiert das in Echtzeit. Ich lese aber jeden Tag die aktuellen Veränderungen am Wiki. Also neue Einträge und die Veränderungen an alten Einträgen. Dabei gibt es zum Glück ganz wenig Trolle, die falsche Dinge eintragen. 99 Prozent der Artikel kann ich so übernehmen. Wie sieht die Zukunft des AW-Wiki aus?  Nachdem alle grundsätzlichen Dinge im Wiki sind, geht es darum, das alles aktuell zu halten. Außerdem suche ich einen Träger, der die Verantwortung übernehmen kann. Das würde ich gerne abgeben. Weiterarbeiten an dem Wiki werde ich natürlich trotzdem.Ein kleiner Text zum Hospiz-Verein Rhein-Ahr vom 2. September 2007 war der erste Eintrag ins AW-Wiki. Fast zehn Jahre sind seitdem vergangen, und der Beitrag zum Hospiz-Verein wie das AW-Wiki insgesamt sind seitdem zu beachtlicher Größe gewachsen.…

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