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Wie die Bürgerpatrouille in Esch Einbrecher vertreibt

Gemeinde Grafschaft. „Seit wir unterwegs sind, gab es keinen einzigen Tageswohnungseinbruch mehr in Esch“, freut sich Elke Wolber über den Erfolg ihrer Initiative. Die mit einem tragbaren Scheinwerfer bewehrte Frau erzählt, wie alles begann und warum sie und ihre Mitstreiter sich nicht als Konkurrenz zur Polizei begreifen.

Start war im Frühjahr 2014. Damals hätten, so Wolber,  rumänische Männer und Frauen im Dorfgebiet hausiert und ihr das Gefühl vermittelt, die Lage auszukundschaften. Nachdem auch Bekannte aus dem Dorf in der Grafschaft ihr diesen Eindruck bestätigten, verteilte sie Einladungen in allen Briefkästen.
Zur Informationsveranstaltung in Zusammenarbeit mit der Polizei erschienen bereits 70 Interessierte. Rund  zwei Dutzend erklärten sich bereit, an den Spaziergängen teil zu nehmen.  Obwohl die Alteingesessenen im Dorf die Idee anfangs skeptisch beurteilt hätten, lief das Projekt gut an. Elke Wolber gründete eine Whats-App-Gruppe, der anfangs vor allem Betroffene beitraten.
Eine davon war Manuela Domschat. Bei ihr wurde dreimal eingebrochen. Einmal war alles völlig verwüstet, einmal wurden die Einbrecher gestört „Da ist man natürlich traurig, entsetzt und wütend, dass alles, was man sich mühsam zusammen getragen hat, einfach so weggenommen wird. Da hatte ich einfach keine Lust mehr drauf“, sagt die Berufstätige. Domschat schloss sich den Spaziergängern an.

Es wird viel gelacht

Trotz mach prickelnder Situationen, wenn die Bürgerpatroille Einbrechern direkt begegnet, hat so ein Spaziergang durchaus den Charakter eines Kaffeekränzchens. Während man die Scheinwerfer über Häuserwände flackern lässt, tauscht man sich über Weihnachtsgeschenke und -essen aus. Es wird viel gelacht. In der Zwischenzeit schickt jemand auf Whats App die Nachricht, dass bei Vettelhofen ein Mercedes mit einem fremden Kennzeichen gesichtet wurde. Das könnte ein guter Hinweis für die Polizei sein.
Wenn tagsüber verdächtige Personen im Dorf herum laufen und sich auffällig umsehen, sprechen Bürger die Spaziergänger an.
Man fragt, ob sie Hilfe benötigen und dokumentiert so Präsenz. „Dann sehn die, dass man aufpasst“, erklärt Wolber. „Aber: »Hier in der Nähe wohnen Erntehelfer, die südländisch aussehen. Man darf diese Leute nicht zu Unrecht verdächtigen.“    
Die Bürgerinitiative ist gut organisiert. Man läuft täglich in drei fest zusammen gestellten Gruppen. Eine Gruppe verabredet sich über Whats App tagsüber, die anderen zwei abends von der Dämmerung bis etwa 22 Uhr. Danach sind zusätzlich noch die Hundehalter unterwegs.
Die Teilnehmer tauschen sich ständig über verdächtige Beobachtungen aus. „Ob es ein Lieferwagen mit getönten Scheiben ist oder eine Limousine, in der der Fahrer am Steuer telefoniert oder Leute, die sich umschauen, das kann vieles sein“, beschreibt Wolber den Alltag der Initiative.

Verdächtige Lampe

Von den 35 Teilnehmern allein aus Esch gehen an einem nasskalten Abend im Dezember in der Dunkelheit fünf Frauen und Männer sowie Hündin Tinka über Feldwege zur Müllestatt-Wiese. Dort kommt das Grüppchen abrupt zum Stehen – zwischen den Bäumen vor einem der Häuser am Wiesenrand hatte eine Taschenlampe aufgeblinkt. Flugs tippt Elke Wolber die Nummer der Hausbesitzer ins Handy. Man konnte zu Beginn des Projekts als Mitglied der Dorfgemeinschaft unterschreiben, ob man sein Haus durch die Patrouille beobachtet wissen will und über Auffälligkeiten per Telefon unterrichtet werden möchte.
Polizei rückt an
Die Bewohner sind zu Hause und wenige Sekunden später streift die ganze Familie mit Taschenlampen um das Haus.
Zwar kann ein potentieller Einbrecher nicht mehr entdeckt werden, die Polizei rückt später aber auch noch an. Da die Rückseiten der Häuser gerne zum Einbrechen genutzt werden, gehen alle davon aus, dass sich dort jemand am Wintergarten zu schaffen machen wollte.

100 Bürger

Derzeit sind es über 100 Leute aus den Dörfern Esch, Alteheck, Holzweiler, Vettelhoven und Gelsdorf, die tagsüber und abends mit Warnwesten, Taschenlampen und festem Schuhwerk vorbeugend spazieren gehen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei habe sich gut entwickelt, erzählt Elke Wolber. Anfangs seien die Beamten etwas skeptisch gewesen, weil sie sich nicht vorstellen konnten, was die Bürger genau machen. Es ist eindeutig geklärt, dass die Patrouille nur Informationen weiter leiten darf. Eingreifen dürfen nur die Polizisten. Elke Wolber sagt, es sei sehr wichtig, solche Punkte im Vorfeld zu klären. »Wir sind solch einer Situation ja gar nicht gewachsen.«
Das gut organisierte Netzwerk der Escher macht bei der Polizeiinspektion  in Bad Neuenahr regelmäßig Meldung. Dank des wachen Auges der Bewohner kam es schon zu so manch einer Festnahme. Die Polizei hat der Initiative ein gutes Näschen für verdächtige Personen bescheinigt. Wenn dann per Telefon die Info auf den Weg geht, dass ein bestimmtes Auto den Ort in einer bestimmten Richtung verlassen hat, greift die nächste Streife erfolgreich zu.

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Erasmus-Plus-Projekt führt nach Norwegen

VG Traben-Trarbach. Am Gymnasium Traben-Trarbach ist mit Beginn des Schuljahrs auch das EU-geförderte Erasmus-Plus-Projekt gestartet, in dem diesmal die weiterführende Schule in Rørvik, Hauptort der Inselkommune Vikna an der Westküste Norwegens, die Partnerschule des zweijährigen, länderübegreifenden Projekts sein wird. Unter dem Titel „Regionale Spuren suchen – europäische Wege finden“ machen sich die Schüler des Gymnasiums und die der „Ytre Namdal videregående skole“ zwei Jahre lang auf die Suche nach ihren jeweils eigenen Wurzeln, nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden sowie nach Ideen und Visionen für ein Leben, in dem alle etwas voneinander lernen und sich so näher kommen können.    Die Themen für den Austausch fangen bei der Frage an, warum Norwegen kein Mitglied der EU ist und gehen zurück in die Zeit der deutschen Okkupation in Norwegen bzw. die des Nationalsozialismus in Traben-Trarbach. Weitere historisch relevante Themen sind die Auswanderungswellen nach Südamerika oder in die USA im 19. Jahrhundert. Ebenso sollen moderne Herausforderungen wie beispielsweise die aktuellen Migrationsbewegungen und die jeweiligen wirtschaftlichen Standbeine beider Orte beleuchtet werden. Denn was für Traben-Trarbach der Wein ist, ist für Rørvik der Fisch. Beides zusammen passt und verspricht darüber hinaus einen echten kulinarischen Zugewinn.   Doch von einem Austausch kann nur die Rede sein, wenn man in das Leben der anderen selber hautnah kennen gelernt hat. Daher ist das Projekt mit einigen Reisen verbunden. Mitte September waren bereits vier norwegische Lehrerinnen als Gäste eines Vorbereitungstreffens am Gymnasium in Traben-Trarbach. Im März wird es den entsprechenden Gegenbesuch nach Rørvik nördlich von Trondheim geben. Für die Schüler sind insgesamt vier Reisen vorgesehen – zwei für jede Schule. Wer mitfahren darf, das hängt, neben dem passenden Alter, vor allem vom jeweiligen Einsatz für das Projekt ab.    Die Jugendlichen müssen in ihren Schulen Workshops vorbereiten und mit den Gästen weitestgehend selbstständig durchführen und auswerten. Außerdem sollen mithilfe einer neu eingerichteten Homepage Zwischenergebnisse veröffentlicht und ausgetauscht werden können. Abschließend ist geplant, dass alle Ergebnisse des Erasmus-Projekts 2019 in einer großen Ausstellung zusammengeführt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.   Mit dem Projekt wollen die Schulen den Verstehenshorizont für die jeweils andere Kultur erweitern und sowie die Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit und Sprachkompetenz fördern. Darüber hinaus ist eine nachhaltige Freundschaft zwischen beiden Schulen und den Gemeinden ein weiteres wünschenswertes Ergebnis dieses Projekts. Foto: FF Am Gymnasium Traben-Trarbach ist mit Beginn des Schuljahrs auch das EU-geförderte Erasmus-Plus-Projekt gestartet, in dem diesmal die weiterführende Schule in Rørvik, Hauptort der Inselkommune Vikna an der Westküste Norwegens, die Partnerschule des…

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