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Er begeisterte Basta, Becker und Beikircher

Touristik-Chef Martin Tillmann ist Rentner und auch wieder n

Martin Tillmann war mehr als 30 Jahre lang Leiter des Verkehrsamtes der Stadt Remagen und damit auch verantwortlich für das Kulturprogramm in der Rheinhalle. Seit dem 31. Mai 2017 ist Tillmann im Ruhestand. An seinem letzten Arbeitstag sprach er mit dem WochenSpiegel über seinen Beruf und seine Berufung.

»Vom Tellerwäscher zum Kulturchef« könnte man überspitzt titeln, wenn man sich den beruflichen Werdegang von Martin Tillmann vor Augen führt (siehe gelber Kasten), aber diese Beschreibung würde dem Wirken des ehemaligen Remagener Touristik-Chefs nur wenig gerecht. Unumstritten ist, dass Martin Tillmann der Rheinhalle in Remagen zu ihrem heutigen Ansehen verholfen hat. »Mit der Eröffnung der Halle 1983 hat sich das kulturelle Leben in der Stadt grundlegend verändert – zum Positiven. Remagen hat sich zur Kabarett-Stadt zwischen Bonn und Koblenz gemausert«, erklärt Tillmann nicht ganz ohne Stolz.

Remagens ehemaliger Bürgermeister Hans Peter Kürten hatte Tillmann Anfang der 90er beauftragt eine Kleinkunstreihe in der Rheinhalle zu organisieren. Keine schlechte Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Bis heute haben hunderte Kabarettisten und Comedystars die Bühne der Rheinhalle bespielt. »Anfangs fanden die Veranstaltungen noch im Foyer der Halle statt. Später mussten wir dann auf die große Bühne umziehen, weil immer mehr Besucher kamen«, erinnert sich Tillmann. Große Namen wie Kabarett-Ikone Hanns Dieter Hüsch, Wilfried Schmickler, Konrad Beikirchen, Jürgen Becker, Bernd Stelter, Gaby Köster, Dieter Nuhr oder Bülent Ceylan haben in vielen Jahren der Rheinhalle ihren Besuch abgestattet. »Ich hatte immer das irrsinnige Glück, dass ich viele große Künstler erwischt habe, bevor deren Karriere durch die Decke ging. Die meisten spielen heute vor wesentlich größerem Publikum«, sagt der 63-Jährige. Auch Bands und Musiker wie Wolf Biermann, Eva-Maria Hagen, Basta, BAP oder die Bläck Fööss spielten für das Remagener Publikum.

Auf du und du mit den Künstlern

Fast alle Künstler haben ihre Spuren beziehungsweise ihre Autogrammkarten in der Künstlergarderobe der Rheinhalle hinterlassen. »Es war immer sehr witzig anzusehen, wenn Künster nach einigen Jahren wiederkamen und unter hunderten von Karten ihre eigene gesucht haben«, sagt Tillmann mit einem Schmunzeln. Aber nicht nur deshalb sind ihm die Künstler in Erinnerung geblieben. Über die Jahre haben sich auch einige Bekanntschaften und Freundschaften entwickelt. So bekam Martin Tillmann zum Abschied eine Video-Botschaft mit persönlichen, kabarettistischen Grüßen von Konrad Beikircher, Bodo Bach, Jürgen Becker, Wilfried Schmickler, Basta und anderen. Nahezu alle lobten dabei, die freundliche Art Tillmanns und die perfekte Organisation der Events, inklusive dem stets gut gefüllten Kühlschrank in der Garderobe. Die Erfahrungen, die Martin Tillmann in seiner Zeit als Freiberufler in der Gastronomie sammelte, kamen ihm dabei sicher zugute.

Nachfolger ist ein Glücksfall

Dass Martin Tillmanns Beruf als Tourismus- und Kulturchef zu Berufung wurde, erklärt er mit den Worten: » Was gibt es größeres, als Spaß an der Arbeit zu haben und gleichzeitig anderen Menschen damit Freude zu bereiten.« Sorgen machen, dass das Programm in der Rheinhalle zukünftig qualitativ nachlässt, muss man sich übrigens nicht machen. Marcel Möcking ist Tillmanns Nachfolger. »Es ist ein absoluter Glücksfall, dass wir schon ein Jahr lang zusammenarbeiten konnten. Ich bin sicher, dass Marcel seinen Job gut machen wird«, so Tillmann.

In sogenannten »Unruhestand« wird Tillmann ehrenamtlich im Vorstand der VHS Remagen mitarbeiten. »Ich werde dann unter anderem Studienreisen begleiten«, sagt Tillmann. »Außerdem werde ich meinen ältesten Sohn hin und wieder in seiner Feuerwerksfirma unterstützen. Aber man wird mich sicher auch noch das eine oder andere Mal in der Halle sehen«, verspricht der Ruheständler.

Zur Person:

Martin Tillmann wurde am 8. Januar in Dortmund geboren. Während seiner Schulzeit, die er mit der Mittleren Reife abschloss, zog er in seine heutige Heimat Remagen um. 1974 schloss er seine Lehre als Bankkaufmann ab, danach war er einen Monat lang kaufmännischer Angestellter bei der Volksbank. Von Oktober 1974 bis Mai 1979 war er Zeitsoldat. Von Oktober 1978 bis Mitte Mai 1979 war er freiberuflich in der Gastronomie tätig. Am 17. Mai 1979 wurde er Schwimmeister-Gehilfe bei der Stadt Remagen, später wurde er Schichtführer und Vertreter des leitenden Schwimmeisters. Ab Oktober 1981 arbeitete er als Verwaltungsangestellter bei der Stadtkasse, von Mai 1982 bis Juli 1984 absolvierte er den Verwaltungslehrgang I. Von Januar 1986 bis 31. Mai 2017 war der zweifache Familienvater Leiter des Verkehrsamtes des Stadt Remagen. Neben vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten war Tillmann Vorsitzender des Vereins »Romantischer Rhein« (1996 bis 2017). Quelle: www.AW-Wiki.de (dort gibt es auch die vollständige Vita.

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