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Selfies machen glücklich

Remagenerin hat das Internet-Phänomen erforscht

Remagen. Selfies sind allgegenwärtig: Man sieht überall auf den Straßen, wie Menschen ihr Smartphone in die Höhe recken und sich selbst ablichten. Dieses Phänomen, das sich spätestens im letzten Jahr regelrecht zu einem Trend ausgewachsen hat, nahm sich die 33-jährige Studentin Zrinka Peharec zum Anlass, ihre Master-Arbeit zu dem Thema zu verfassen.

Zum einen interessierte sie das Thema bereits zu einer Zeit, als dem Selfie noch kaum Bedeutung beigemessen wurde. Zum anderen hat sich noch niemand zuvor in der akademischen Welt dieses Phänomen genauer unter die Lupe genommen. Auch die kroatische Studentin der Kommunikationswissenschaften selbst macht seit neun Jahren Fotos von sich selbst. Die Fotos postet sie im Internet in den Sozialen Netzwerken – wie Millionen andere auch.

Start in Izmir

Begonnen hat Peharec mit der Arbeit im vergangenen Jahr an der türkischen Yasar-Universität in Izmir. Nachdem sie sich dort mit überdurchschnittlich guten Noten und besonderen Englisch-Kenntnissen für ein Erasmus-Plus-Stipendium qualifiziert hatte, wählte sie Remagen als Studienort aus.   Hier wurde sie an der Universität für Angewandte Wissenschaften Koblenz am Rhein-Ahr-Campus von Dr. Elmar-Laurent Borgmann betreut, der die Co-Beratung in Zusammenarbeit mit Dr. Melek Atabey übernahm.
Während der Befragung von 214 Probanden aus 41 Ländern zeigte sich, dass fast 80 Prozent dieser Selfie-Fotografen zwischen 18 und 74 Jahren zeigen wollen, mit wem sie gerade zusammen sind und was sie machen. »55 Prozent wollen zeigen, wie gut sie aussehen und zwischen 60 und 84 Prozent aller Befragten wollen über ihren Gemütszustand Auskunft geben«, so Peharec. Die überwiegende Mehrheit schätze es dabei, »geliked« zu werden. »65 Prozent geben an, es zu genießen, wenn ihnen die volle Aufmerksamkeit zuteil wird.«
Das Selfie soll also gesehen werden. »Es wird schon an diesem Ergebnis sichtbar, dass die Selfies nicht nur gemacht werden, damit sie der Fotograf selbst betrachtet. Sie wollen geteilt werden«, erklärt die Forscherin.

Facebook & Co.

Und da kommen die Sozialen Netzwerke als Kommunikationsmedien ins Spiel. Wissenschaftlich legt  Peharec dar, welch große Bedeutung die »neuen Medien« inzwischen haben. Die halbe Welt nutzt das Internet, ein Drittel dieser vernetzten Nutzer ist bei Facebook. »Das ist ein unglaublicher Erfolg für eine private Firma«, meit Peharec.
Wichtig war der Studentin auch, dass ihre Studie Menschen aller Geschlechter, Wohnorte, Nationen, religiösen Zugehörigkeit und Familienabstammung zusammen fasst. »Die Studie zeigt, dass wirklich alle Menschen in der Altersgruppe zwischen 17 und 74 das Selfie machen und im Netz verbreiten«, so ein weiteres Ergebnis.
Dass Selfies eine wissenschaftliche Analyse wert sind, glaubten anfangs nur wenige. »Meine   Kommilitonen und Freunde haben gelacht. Sie glaubten nicht, dass die Arbeit ernst genommen werden würde«, erinnert sich Peharec lachend.  

Große Resonanz

Dass das Gegenteil eintreten  und ihr Schriftstück breite Bevölkerungsschichten ansprechen sollte, stellte sich schon wenige Tage nach dem Erscheinen heraus. Das Haus eigene Medien-Zentrum der türkischen Uni nahm Kontakt zu Peharec auf, und schnell war die akademische Arbeit an 30 Zeitungen und 50 online-Foren versendet und dort thematisiert worden.   
Derzeit lernt Peharec intensiv Deutsch, um eine Arbeit zu finden. »Irgendwann möchte ich nach Kroatien zurück gehen. Das ist meine Heimat. Und dort möchte ich die Beste sein.« Was sie hier in Deutschland lernt, möchte sie später in ihre Arbeit einfließen lassen. Die Jahre im Ausland haben ihr Bewusstsein für die Heimat geprägt. Dennoch gefällt es ihr in Remagen und Bonn. »Historisch ist Remagen so ein wichtiger Ort. Und aus Deutschland kommen so viele große Dichter und Denker.« Sie erwähnt den Philosophen Adorno oder den Dichter Goethe. »Da muss doch etwas Besonderes sein an dieser Sprache, dass so viele große Menschen ihre Gedanken in Deutsch ausdrückten«, umreißt sie abschließend ihre Haltung Deutschland gegenüber.
Vielleicht wird man noch öfter von Zrinka Peharec lesen – online natürlich!

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