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Mit Solidarität heraus aus der Krise?

Neue Wege für Bauern und Verbraucher

Bad Bodendorf. Wie kann in der heutigen, globalisierten Welt eine bäuerliche, vielfältige Landwirtschaft erhalten bleiben, die gesunde, frische Nahrungsmittel erzeugt und die Natur- und Kulturlandschaft pflegt?

Diese Fragen hat sich bereits vor einigen Jahren auch Josef Decker aus Bad Bodendorf gestellt. Für ihn liegt die Antwort in der »Solidarischen Landwirtschaft«, kurz Solawi genannt. Dabei werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Teilnehmern mit organisiert und finanziert wird.
»Solidarische Landwirtschaft fördert und erhält eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft, stellt regionale Lebensmittel zur Verfügung und ermöglicht Menschen einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum«, erklärt Decker die Ziele der Idee.

Vorteile für die Erzeuger

»Außerdem bietet sie auch dem Landwirt etliche Vorteile, zum Beispiel die Unabhängigkeit von sinkenden Marktpreisen und ein planbares Einkommen.«
Als sich in der Region Bonn ein Solawi-Verein gründete, gehörte Decker zu den Männern der ersten Stunde. »In Bonn gehen wir bereits ins vierte Wirtschaftsjahr«, berichtet Decker. Die Zahl der Mitglieder ist in dieser Zeit von acht auf aktuell rund 150 Familien gestiegen. Nun will Decker auch an der Ahr eine ähnliche Initiative starten. Der Auftakt zum Jahresbeginn verlief vielversprechend: Zu einer ersten Info-Veranstaltung kamen rund 50 Besucher. In der kommenden Woche geht es mit einem Treffen in Sinzig weiter (Mittwoch, 27. April, ab 19 Uhr im Pfarrheim St. Peter in der Zehnthofstraße 11).
»Jetzt wollen wir zusammenfassen, was sich seitdem entwickelt hat und die nächsten Schritte angehen«, lädt Decker alle Interessierten ein.

 

Offene Fragen

Zum Beispiel muss noch geklärt werden, wer verbindlich als Konsument in den Verein einsteigt, welche Bauern und andere Erzeuger als Lieferanten in Frage kommen und welche Produkte angebaut werden sollen. »Fest steht, dass wir eine ökologische Wirtschaftsweise bevorzugen«, sagt Josef Decker.

Aber was unterscheidet die »Solidarische Landwirtschaft« (Solawi) von einem verantwortungsbewussten Einkauf auf dem Bauernhof oder im Bioladen? – Landwirte und »Mitlandwirte« (die übrigen Mitglieder der Gruppe) bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft, welche auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt ist und die natürliche Mitwelt berücksichtigt, heißt es zur Erklärung auf der Internetseite des Solawi-Bundesverbands.

Monatsbeitrag

Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung verpflichte sich diese Gruppe, jährlich im Voraus einen festgesetzten (meist monatlichen) Betrag an den Hof zu zahlen. »In Bonn sind das derzeit 115 Euro«, rechnet Josef Decker vor.
Der Betrag richte sich aber in erster Linie nach den örtlichen Gegebenheiten, hängt zum Beispiel davon ab, was angebaut werden soll. »Der Verein schließt darüber mit den Erzeugern einen Vertrag ab«, so Decker weiter. »Welche Ernte wird gewünscht? Gemüse, Kartoffeln, Spargel, Nüsse, Obst, Wein, Säfte, Fisch, Fleisch, Eier, Milch, Käse – das muss alles noch festgelegt werden«, sagt Decker.
Dann wird es spannend: Welche Produzenten, Landwirte, Gärtner, Fischer, Imker, Käsereien usw. können die zu gründende SoLaWi-Rhein-Ahr damit beliefern?
»Für Produzenten gesunder und nährstoffreicher Lebensmittel ist das Thema SoLaWi wahrscheinlich eine spannende Herausforderung und ein neues Thema«, meint Decker. Es hätten sich aber auch schon beim ersten Treffen im Januar Interessenten von der Erzeuger-Seite beteiligt. »Interessant ist das Modell auch für Gastronomen, die konsequent auf regional erzeugte Lebensmittel setzen, die sie oft gar nicht in ausreichender Menge auf dem Markt bekommen«, meint Decker.
Aus dem Solawi-Ansatz ergeben sich noch weitere Nebeneffekte: Da die Produkte allesamt aus der Region stammen, werden Transportwege minimiert. Auch der Umweg über den Großhandel fällt weg. »Das spart nicht nur Geld, sondern auch Verpackungsmaterial«, hat Josef Decker in den vergangenen Jahren festgestellt. Sein Antrieb, sich an dem Projekt in Bonn zu beteiligen und jetzt einen eigenen Verein an der Ahr aufzuziehen, war jedoch die eigene Gesundheit: »Meine Frau und ich wollen die Vorzüge einer gesunden Ernährung einfach nicht mehr missen«, verrät Decker.

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Am Konzener Feuerbach wird Zukunft gebaut

Konzen. »Hier wird Zukunft gebaut!« Margareta Ritter strahlte mit der Herbstsonne um die Wette - dabei war es doch recht kühl am Konzener Feuerbach, als der Grundstein für die neue Kindertagesstätte gelegt wurde.Konzen (Fö). »Oft höre ich, dass die Städteregion viel Geld kostet. Aber wenn es um den Bau einer Kindertagesstätte geht, sind sich glücklicherweise alle einig.« Helmut Etschenberg lobte die schnellen Entscheidungen in den politischen Gremien von Stadt Monschau und im Haus der Städteregion, sodass schon im kommenden Sommer den Kleinsten aus Konzen und Umgebung eine neue Bildungseinrichtung zur Verfügung steht. »Eine Erweiterung hätte keinen Sinn gemacht - der Neubau ist richtig«, stellte der Städteregionsrat fest. Auch wenn es rund 3,5 Millionen Euro kosten wird.»Dörfer wie Konzen und Imgenbroich wachsen, da haben wir einen wichtigen Bildungsauftrag«, so Etschenberg weiter.»Eltern und Kinder - alle Konzener Familien sind sehr dankbar«, unterstrich Ortsvorsteher Matthias Steffens. »Wir bauen ein modernes Haus, in dem zeitgemäße Bildungsarbeit möglich ist«, versichert Bauamtsleiter Sander Lutterbach. So werde jede Gruppe mit eigener Be- und Entlüftung ausgestattet. Das Heizen mittels Blockheizkraftwerk und der Einsatz von LED-Beleuchtung seien selbstverständlich. »Ambitioniert« nennt Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter die Bauzeit bis zum kommenden Sommer - sieht die Arbeiten aber bei ortsansässigen Firmen in besten Händen.BetreuungszeitErzieherinnen, Pflegerinnen, therapeutisches Fachpersonal: »Das Team um Silke Bongard wird allen modernen Anforderungen gerecht«, stellt der neue Leiter des »Jugendamtes«, Sebastian Heinen fest. Die künftigen Betreuungszeiten von 7 bis 16.30 Uhr sollen einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten. »Das Familienzentrum ist Anlaufstelle für alle Monschauer Eltern«, so Heinen.Die StädteRegion Aachen ist Träger der Kindertageseinrichtung Konzen. Darin werden 100 Kinder im Alter von vier Monaten bis zum Schuleintritt betreut. Als zertifiziertes Familienzentrum NRW soll die Einrichtung zu einer Qualitätssteigerung in der frühkindlichen Bildung und Förderung beitragen, Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Bildungs- und Erziehungsaufgabe stärken sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sichern. Das Raumprogramm wird den neuesten Empfehlungen des Landschaftsverbands Rheinland entsprechen und damit neben den Gruppen- Neben- und Abstellräumen unter anderem auch für die inklusive Betreuung einen Raum zur Differenzierung und therapeutischen Betreuung vorsehen. Alle Räume werden barrierefrei zugänglich sein.Die Freude über die neue Kindertagesstätte brachten die Kleinen in einem Lied zum Ausdruck: www.youtube.com/wochenspiegelliveAktuell ist das fünfgruppige Familienzentrum der StädteRegion in Konzen teilweise in Räumen der dortigen Grundschule untergebracht. Als Folge der Schulentwicklungsplanung der Stadt Monschau (Zusammenlegung der Grundschulen Imgenbroich und Konzen am Konzener Standort) stehen die zurzeit vom Familienzentrum im Gebäude der Grundschule genutzten Räume ab dem Schuljahr 2018/2019 nicht mehr zur Verfügung.»Hier wird Zukunft gebaut!« Margareta Ritter strahlte mit der Herbstsonne um die Wette - dabei war es doch recht kühl am Konzener Feuerbach, als der Grundstein für die neue Kindertagesstätte gelegt wurde.Konzen (Fö). »Oft höre ich, dass die…

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Erasmus-Plus-Projekt führt nach Norwegen

VG Traben-Trarbach. Am Gymnasium Traben-Trarbach ist mit Beginn des Schuljahrs auch das EU-geförderte Erasmus-Plus-Projekt gestartet, in dem diesmal die weiterführende Schule in Rørvik, Hauptort der Inselkommune Vikna an der Westküste Norwegens, die Partnerschule des zweijährigen, länderübegreifenden Projekts sein wird. Unter dem Titel „Regionale Spuren suchen – europäische Wege finden“ machen sich die Schüler des Gymnasiums und die der „Ytre Namdal videregående skole“ zwei Jahre lang auf die Suche nach ihren jeweils eigenen Wurzeln, nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden sowie nach Ideen und Visionen für ein Leben, in dem alle etwas voneinander lernen und sich so näher kommen können.    Die Themen für den Austausch fangen bei der Frage an, warum Norwegen kein Mitglied der EU ist und gehen zurück in die Zeit der deutschen Okkupation in Norwegen bzw. die des Nationalsozialismus in Traben-Trarbach. Weitere historisch relevante Themen sind die Auswanderungswellen nach Südamerika oder in die USA im 19. Jahrhundert. Ebenso sollen moderne Herausforderungen wie beispielsweise die aktuellen Migrationsbewegungen und die jeweiligen wirtschaftlichen Standbeine beider Orte beleuchtet werden. Denn was für Traben-Trarbach der Wein ist, ist für Rørvik der Fisch. Beides zusammen passt und verspricht darüber hinaus einen echten kulinarischen Zugewinn.   Doch von einem Austausch kann nur die Rede sein, wenn man in das Leben der anderen selber hautnah kennen gelernt hat. Daher ist das Projekt mit einigen Reisen verbunden. Mitte September waren bereits vier norwegische Lehrerinnen als Gäste eines Vorbereitungstreffens am Gymnasium in Traben-Trarbach. Im März wird es den entsprechenden Gegenbesuch nach Rørvik nördlich von Trondheim geben. Für die Schüler sind insgesamt vier Reisen vorgesehen – zwei für jede Schule. Wer mitfahren darf, das hängt, neben dem passenden Alter, vor allem vom jeweiligen Einsatz für das Projekt ab.    Die Jugendlichen müssen in ihren Schulen Workshops vorbereiten und mit den Gästen weitestgehend selbstständig durchführen und auswerten. Außerdem sollen mithilfe einer neu eingerichteten Homepage Zwischenergebnisse veröffentlicht und ausgetauscht werden können. Abschließend ist geplant, dass alle Ergebnisse des Erasmus-Projekts 2019 in einer großen Ausstellung zusammengeführt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.   Mit dem Projekt wollen die Schulen den Verstehenshorizont für die jeweils andere Kultur erweitern und sowie die Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit und Sprachkompetenz fördern. Darüber hinaus ist eine nachhaltige Freundschaft zwischen beiden Schulen und den Gemeinden ein weiteres wünschenswertes Ergebnis dieses Projekts. Foto: FF Am Gymnasium Traben-Trarbach ist mit Beginn des Schuljahrs auch das EU-geförderte Erasmus-Plus-Projekt gestartet, in dem diesmal die weiterführende Schule in Rørvik, Hauptort der Inselkommune Vikna an der Westküste Norwegens, die Partnerschule des…

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