Babyboomer gehen bald in Rente

Gute Lage auf dem Arbeitsmarkt, aber fehlender Nachwuchs

Altkreis Monschau. Niedrige Arbeitslosigkeit und Vollbeschäftigung in der Eifel - aber fehlende Fachkräfte und unwillige Ausbilder. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist zweigeteilt.

 »Der ländliche Raum der Städteregion Aachen nimmt seit vielen Jahren eine Sonderstellung ein - dort kann man von Vollbeschäftigung sprechen«, unterstreicht Doris Schillings, Geschäftsführerin Operativ in der Aachener Arbeitsagentur. »Die Menschen sind flexibel und bereit, weite Wege auf sich zu nehmen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können«. Dies sei in der weitläufigen Region wichtig.  Und so liegt die Arbeitslosenquote im Bezirk Monschau auch zum Jahreswechsel bei eben diesen 3,0 Prozent, die Vollbeschäftigung bedeuten. Ein herausragender Wert für den schwierigen Wintermonat Dezember - selbst im Vorjahr waren es bei 3,2 Prozent 31 Arbeitslose mehr.

Eine Arbeit, von der man leben kann

Trotz des saisonüblichen leichten Anstiegs der Arbeitsloszahlen zum Jahresende bewertet der Leiter der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, Ulrich Käser, die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Agenturbezirk Aachen-Düren durchweg positiv: »Wir verzeichnen ein Rekordhoch bei der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im zweiten Quartal des Jahres, sinkende Arbeitslosenzahlen und kontinuierlich steigende Nachfrage nach Arbeitskräften.« Seit 1992 sind in einem Dezember erstmals wieder weniger als 39.000 Personen arbeitslos. Und die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter stieg in den letzten zehn Jahren von 298.000 auf 361.000 Menschen.

Sorgen hingegen bereitet Käser die Zukunft. »Die Betriebe brauchen aktuell 210 Tage - also sieben Monate - um eine Stelle adäquat besetzen zu können. Denn 55 Prozent der Arbeitslosen sind unqualifiziert«, stellt der Agentur-Leiter fest. »Motivation und Qualifikation sind der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.«

Betrieb und Auszubildende finden schwer zueinander

Zugleich bemängelt Ulrich Käser aber auch, dass immer weniger Betriebe ausbilden. »Viele kleine Unternehmen können nicht ausbilden, Neugründer wollen es oftmals nicht. Unsere Säulen sind die alteingesessenen, mittelständischen Betriebe, die seit vielen Jahren ihre Fachkräfte aus eigenem Nachwuchs rekrutieren«, unterstreicht Doris Schillings. Und das Problem werde größer. »Die Babyboomer - also die Menschen die zwischen 1955 und 1965 geboren wurden - gehen bald in Rente. Und sie sind fast alle Fachleute in ihrem Job«. Daher sei es wichtig, jungen Menschen eine Chance zu geben, auch wenn sie auf den ersten Blick vielleicht nicht den Top-Bewerber darstellen. So gab es für 8.305 Bewerber nur 7.109 Stellen - 125 Jugendliche sind zum Jahreswechsel noch ohne Ausbildungsplatz. Die Kehrseite der Medaille: 630 Ausbildungsstellen (8,9 Prozent) wurden nicht besetzt.

Der Drang zum Studium sei in der Region hoch - aber auch die Abbrecherquote. Diese jungen Menschen müsse man rasch auf dem Arbeitsmarkt integrieren.

Investition in Arbeit, nicht in Arbeitslosigkeit

119 Millionen Euro stehen der Arbeitsagentur und ihren Partnern für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung. »Wir wollen in Beschäftigung investieren, nicht Arbeitslosigkeit finanzieren«, versichert Käser. Und daher werde man auch fortan bestrebt sein, jeden Arbeitswilligen zu fördern.

Im Monschauer Stadtgebiet sind aktuell 190 Menschen arbeitslos - 15 mehr als Ende 2016. In den Gemeinden Roetgen und Simmerath hingegen sank die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich: Im »Tor zur Eifel« von 139 auf 120, in der Rursee-Gemeinde von 300 auf 273. Dem Tiefstand von 2,9 Prozent im Dezember 2015 (absolut 546 Arbeitslose), nähert sich die Eifel wieder an (583).
In Hürtgenwald sank die Arbeitslosigkeit von 136 auf 130,  in Nideggen von 199 auf 176.
Weitere Informationen und den gesamten Arbeitsmarktreport gibt es unter www.arbeitsagentur.de

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