Thomas Förster

Braunkohle ? was geht uns das an?

Altkreis Monschau. Rund 50 Interessierte sind in die Räume der Grenzlandjugend gekommen, um sich über die Folgen und Risiken des Braunkohletagebaus zu informieren. Informationen gab es reichlich, denn die Roetgener Grünen als Veranstalter hatten mit Dirk Jansen, Antje Grothus und Gudrun Zentis drei kompetente Referenten eingeladen.

Der Raum war ausgestattet mit einer Fotoausstellung des Fotografen Hubert Perschke. Seine Bilder machten die Zerstörungen durch die Braunkohlenutzung sichtbar: die Vernichtung des Hambacher Forstes, die Zerstörung der Dörfer und Kulturgüter durch die Umsiedlungen, der Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen, der Verlust von Lebensqualität  und die schädlichen Auswirkungen auf das Klima. Diese eindrucksvollen Fotos ergänzten in hervorragender Weise die gehaltenen Vorträge. Dirk Jansen, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Nordrhein-Westfalen, beantwortete die Frage "Braunkohle ? was geht uns das an?" über vier Themenbereiche: Klimaschutz, Umwelt, Gesundheit und Heimat. In Sachen Klimaschutz hinkt NRW dem deutschen Durchschnitt enorm hinterher, denn NRW ist ein Kohleland, und Klimakiller Nr. 1 ist die Energiewirtschaft, die Braunkohle. Jansen setzt große Hoffnungen in das im Januar verabschiedete Klimaschutzgesetz in NRW, das erste seiner Art mit verbindlichen Zielen. Um diese Ziele erreichen zu können, muss die Braunkohleverstromung gestoppt werden. Für die Umwelt ist der Tagebau der "größte anzunehmende Eingriff", ein Supergau. Der Hambacher Forst, einer der ältesten und wertvollsten Wälder, der von RWE geopfert wird, ist Lebensraum für streng geschützte Arten. "Hier wird europäisches Recht einfach ausgehebelt." Auch die Grundwasserabsenkung, das Kippenproblem mit versauerndem Abraummaterial, die künstlichen Landschaften, und nicht zuletzt die Restlöcher, die nach Beendigung des Tagebaus mit Rhein- oder Rurwasser aufgefüllt werden sollen, schaffen weitere erhebliche Umweltprobleme und verursachen  nicht bezifferbare Ewigkeitskosten. Eine Gesundheitsgefährdung der Tagebauanwohner ergibt sich aus der enormen Freisetzung von Feinstaub und giftige Schwermetallen, sowie von radioaktiven Substanzen, sowohl durch den Tagebau als auch durch die Braunkohleverstromung. Den Verlust der Heimat und der sozialen Strukturen müssen 42.000 Menschen hinnehmen. Und noch viel mehr sind von Bergschäden betroffen, die ihnen keiner ersetzt. Jansens Fazit: "Die Braunkohle ist klimaschutzpolitisch verheerend, ökologisch katastrophal und sozial nicht verantwortbar." Er fordert ein Braunkohleausstiegsgesetz. Antje Grothus von der Initiative "Buirer für Buir" berichtete sehr anschaulich über die Entwicklung des Widerstands vor Ort. Anlass für die Gründung der Initiative war die Verlegung der Autobahn A4, der "RWE-Autobahn" an den Ortsrand von Buir. Sie berichtet von den Klageversuchen der Bürger, die alle scheiterten, und von der Einflussnahme des RWE auf die Entscheidungen der Stadt Kerpen, aber auch auf Vereine und Bürger durch die Verteilung von Zuwendungen und die Organisation von sog. Nachbarschaftstreffen. "Wir haben das Vertrauen in die Demokratie verloren", sagt Grothus. Und das hat die Aktivitäten der Initiative weiter angekurbelt. Arbeitsschwerpunkte der Buirer liegen in der Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit unter dem Motto: "Es ist so leicht einen Riesen zu besiegen, wenn wir viele sind!" Gudrun Zentis, grüne Landtagsabgeordnete aus Nideggen ist in der Landtagsfraktion zuständig für die Braunkohlewirtschaft. Ein großes Manko sieht sie in der mangelnden Transparenz. Bei dem Versuch, über den Braunkohleausschuss Einsicht in die Betriebspläne des RWE zu bekommen, erhielt sie keine Unterlagen, sondern die Antwort: "Frau Zentis, das müssen Sie der Verwaltung einfach mal vertrauen!" Zum Thema Feinstaub fordert die grüne Landtagsfraktion einen revierweiten Luftreinhalteplan, der die Feinstaubemissionen aus dem Tagebau mit berücksichtigt, sie fordert weitere Messstationen, um die Datengrundlage zu verbessern. Hinsichtlich der Beweislastumkehr für Bergschäden durch Braunkohletagebau arbeitet man an einer Bundesratsinitiative zur Änderung des Bergrechtes.  Zwei junge Waldbesetzer im Publikum wiesen auf eine Schrift der Grünen aus dem Jahr 1984 hin. "Hier steht bereits alles drin, was heute aktuell wird. Nichts ist eine Überraschung, alles war vorhersehbar," sagten die jungen Leute, die sich damals noch nicht engagieren konnten, weil sie noch nicht geboren waren.  Politisch ist viel zu tun, auf allen Ebenen, darüber war man sich einig. "Aber was kann der einzelne tun?" kam die Frage aus den Reihen der Zuhörer/innen. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten zur Energiewende beizutragen, indem man selber z.B. sparsam und nachhaltig konsumiert oder den Stromanbieter wechselt. Man kann sich einmischen, sich äußern, Forderungen formulieren, die Waldbesetzer unterstützen und natürlich wählen gehen. Der Abend war nicht lang genug um alle Aspekte zu diskutieren. Moderator Karl Wirtz von den Roetgener Grünen nahm als Anregung für weitere Diskussionen die Themen Fracking und Alternativen zur Braunkohle mit.

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