Thomas Förster

Trianel bleibt viele Antworten schuldig

Altkreis Monschau. Die Diskussion, meist mit einem gehörigen Schuss Emotion geführt, ebbt nicht ab: Auch oder gerade weil das Unternehmen "Trianel" weiterhin elementaren Fragen aus dem Weg geht. So auch bei der "Länderzeit" des Radiosenders "Deutschlandfunk", zu dem hochrangige Interessenvertreter im "Seehof" in Schwammenauel zusammen gekommen waren. "Ich habe mehrere Hüte an", gestand NRW-Umweltminister Johannes Remmel schon zu Beginn ein, warb aber auch dafür, Möglichkeiten auszuloten, ohne sie total emotional zu verteufeln.

Über 50 Zuhörer, fast alle der Bürgerinitiative "Rettet den Rursee" zugehörig, waren gekommen und machten sich in der 90-minütigen Livesendung immer wieder lautstark bemerkbar. Von qualifizierten Kommentaren bis hin zu "Buh"-Rufen war alles dabei ? das kürzlich eingeforderte größere Mitspracherecht war ihnen sowieso eingeräumt worden, stand doch mit Christoph Pranter ihr Sprecher mit auf dem Podium. "Wir wollen nicht den florierenden Tourismus für ein Pumpspeicherkraftwerk opfern, dessen Technologie längst überholt ist", war Pranter sogleich den Hut der Bürgerinitiative in den Ring. Auch Waltraud Heuken, Geschäftsführerin des gastgebenden Hotel "Der Seehof", sorgt sich um die 50 Arbeitsplätze in Schwammenauel, während Journalistin Gudrun Klinkhammer vermeiden will, dass "die Eifel zu einer Spielwiese wird, ohne dass ein Gutachten die Ausmaße erkennbar macht".

Künstliches Gewässer wird zum Urlaubsparadies

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Firk vom Wasserverband Eifel-Rur relativierte: "Der Rursee ist zum Zwecke der Wasserwirtschaft gebaut worden und dient dem Hochwasserschutz. Der Tourismus ist ein positiver Folgeeffekt." Man sei auf einem guten Wege, müsse aber zwischen Naturschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Kapazitätsausbau jonglieren, zeigte Minister Remmel die Schwierigkeit für die Landesregierung auf. Gerade er habe "mehrere Hüte auf". Diskussion und Protest seien normal, sogar gewünscht, unterstrich derweil Dr. Markus Hakes, Projektleiter bei "Trianel": "Die Bürger wurden frühzeitig beteiligt und wir haben immer versucht, Emotionen außen vor zu lassen."

 

Sicherlich, das Unternehmen "Trianel" und die Entscheidungsträger aus Politik und öffentlichen Institutionen haben mit dem Projekt nicht lange hinter dem Berg gehalten. Aber in den letzten zwei Jahren sind auch wenig Fakten auf den Tisch gekommen. "Wir haben das größte Ferienprojekt in NRW mit dem Landal-Park in Heimbach vor der Türe. Es gibt Negativbeispiele aus der Schweiz. Und Trianel glaubt, ohne wichtige Fragen zu beantworten einfach so Flora und Fauna umgraben zu können", zeigte Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn ? zu anfangs ein Befürworter des Pumpspeicherkraftwerks ? kein Verständnis für das Vorgehen des Unternehmens. Schließlich sei ein Fragenkatalog aus dem März 2012 bis heute nicht beantwortet. Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns wollte Projekt und Unternehmen nicht verteufeln, stellte aber klar: "Wir sind für Transparenz und haben die Projektentwicklung wohlwollend kritisch begleitet. Wir sind für eine faire Chance, erteilen aber ganz sicher keinen Freifahrtschein."

Segeln und Angeln bald Vergangenheit?

Während Segelschul-Betreiber Günter Becker und Angler Thorsten Flieg die negativen Folgen für den Rursee durch die Wasserschwankungen unterstrichen, fand Dr. Markus Hakes deutliche Worte: "Wir werden alle Fragen klären und den Beweis antreten, dass die Region von diesem Pumpspeicherkraftwerk profitiert. Und dies alles ehe wir den Spaten in den Boden setzen."

Christoph Pranter sprach dem Unternehmen noch einmal jegliche Kompetenz ab, ein Energieprojekt umzusetzen und Landrat Spelthahn forderte den Kölner Regionalrat auf, dem Projekt eine Absage zu erteilen, wenn nicht grundsätzliche Fragen über Bauzeit und Folgen für den Rursee rasch beantwortet würden.

Vergleich mit "Stuttgart21"

"Wir dürfen aus unserem Land kein Industriemuseum machen", warb Umweltminister Remmel für den Standpunkt der NRW-Landesregierung. Die Energiewende sei Volkes Wille ? dafür müsse man seine Kapazitäten nutzen. Kritik, dass wie bei "Stuttgart 21" die Bürger übergangen wurden, wies er vehement zurück. "Hier werden nur Möglichkeiten ausgelotet und noch lange nicht gebaut."

Getreu dem Motto der Länderzeit "In der Eifel wächst der Widerstand gegen die Energiewende" ist eines klar: Die Bürger wollen Antworten auf die Fragen über die Zukunft "ihres" Rursees. So lange diese nicht beantwortet werden, wird der Sturm der Entrüstung am Rursee nicht schwächer werden. Und das, wo doch Trianel mit dem Slogan wirbt: "Ideen. Gemeinsam. Umsetzen." Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn am 5. Juli soll im Kölner Regionalrat eine Entscheidung gefällt werden?

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Spürnasen für entlaufene Tiere

Adenau. Monika Wirfs und Susanne Lehmann helfen mit ihren Hunden Trusty und Jimmy Haltern dabei, ihre entlaufenen Haustiere wieder zu finden. Ihre Hilfe wird oft in Anspruch genommen. Wie Susanne Lehmann und ihr Hund Trusty zusammen gekommen sind, ist eigentlich schon eine Geschichte für sich. Lehmann hörte von einem Tier, das offenbar herrenlos im Wald bei Adenau herumlief. »Als ich davon hörte, wollte ich dem Hund helfen«, erzählt Lehmann. Über drei Monate hinweg machte sie sich auf die Suche nach dem herrenlosen Hund. Während dieser Zeit lernte sie Monika Wirfs und ihren Suchhund Jimmy kennen. »Als wird den Hund schließlich gefunden hatten, habe ich ihn aufgenommen«, so Lehmann. Sonst wäre Trusty im Tierheim gelandet. Diesen Hund hat Lehmann nun zum Suchhund ausgebildet und gemeinsam mit Wirfs beschlossen, die Talente der Tiere für einen sinnvollen Zweck zu nutzen.Hunde suchen Tiere Die beiden Damen gründeten ein Suchhundeteam – aber eines das nicht nach Menschen sondern nach entlaufenen Tieren sucht. »Die Hunde könnten auch Menschen finden«, erklärt Wirfs. Aber ihre Tiere haben die beiden privat und ohne offizielles Zertifikat ausgebildet. »Das braucht man für die Tiersuche ja auch nicht«, sagt Wirfs. Anfangs haben sie ihr Angebot einfach privat verbreitet und ausgeholfen, wenn jemand um Unterstützung bat. Vor einem Jahr jedoch haben die beiden mit ihrem Team eine Homepage eröffnet und ihre Arbeit vorgestellt. 29 Mal wurden Wirfs und Lehmann in 2016 angerufen, um nach entlaufenen Haustieren zu suchen. Ihr Team ist mittlerweile auf vier Frauen mit fünf Suchhunden angewachsen. Katzen, Pferde und vor allem Hunde mussten Trusty und Jimmy und ihre neuen Kameraden bereits aufspüren. »27 Tiere sind mittlerweile wieder zuhause«, sagt Lehmann. Die richtige SpurDie Formulierung ist mit Bedacht gewählt, denn nicht in allen Fällen finden die Hunde die Tiere selber. »Bei Katzen sind es zu viele Spuren«, erklärt Wirfs. Was die Hunde allerdings tun können, ist die Besitzer auf die richtige Spur bringen und das Gebiet eingrenzen, in denen die Katze sein könnte. So geschehen an Silvester, als eine kranke Katze entlaufen war. Da war das Team mit vier Hunden vor Ort und konnte ein Waldgebiet ausmachen, in dem die Katze sich wohlmöglich versteckte. »Wir haben den Besitzern dann gesagt, sie sollen mehrmals zwischen dem Waldgebiet und ihrem zuhause hin und her gehen«, sagte Wirfs. So wurde eine Geruchsspur gelegt, der die Katze nach Hause folgen konnte. »Am Abend dann ist sie zurückgekehrt«, erzählte Lehmann. Für Susanne Lehmann ist es eine besondere Freude, die Tiere aus der misslichen Lage zu befreien und wieder mit ihren Herrchen zu vereinen. »Es ist Wahnsinn zu sehen, wie froh die Tiere dann sind«, sagt sie. Haustiere, die sich verlaufen haben, womöglich mit der Leine noch irgendwo hängen geblieben sind, schalten nämlich auf einen Überlebensmodus. »Die Tiere geben keinen Mucks von sich«, sagt Lehmann. Sie hätten Angst, Feinde auf sich aufmerksam zu machen. Selbst wenn die Bezugsperson nach ihnen rufen würde, gäben sie aus Angst keinen Laut von sich. KontaktSusanne Lehmann (01 71 / 2 05 02 06) und Monika Wirfs (01 51/ 41 20 35 92) helfen bei der Suche nach entlaufenen Haustieren.www.tiersuchhunde.com Monika Wirfs und Susanne Lehmann helfen mit ihren Hunden Trusty und Jimmy Haltern dabei, ihre entlaufenen Haustiere wieder zu finden. Ihre Hilfe wird oft in Anspruch genommen. Wie Susanne Lehmann und ihr Hund Trusty zusammen gekommen sind,…

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