Der letzte Taktstock ist geschwungen

Manfred Reinartz als Dirigent der Musikvereinigung Roetgen ausgeschieden

Er ist ein Vollblutmusiker, den sich wohl jeder Verein in seinen Reihen wünscht. Nach 23 Jahren am Dirigat tritt Manfred Reinartz in die zweite Reihe zurück und widmet sich wieder ganz seinem geliebten Tenorhorn.

Roetgen (Fö). Das Musizieren wurde ihm quasi in die Wiege gelegt - kein Wunder, ist doch Franz Reinartz eine lebende Musiklegende weit über die Roetgener Musikanten hinaus.

Sein Sohn, Manfred Reinartz, ist nicht nur mittlerweile seit 50 Jahren in der Musikvereinigung Roetgen aktiv; er hat auch 23 Jahre lang Takt und Ton vorgegeben. Nun tritt der 60-Jährige von vorderster Front zurück und widmet sich dem, warum er Ende der 1960er Jahre einst bei den Blasmusikern angefangen hat: »Ich freue mich darauf, wieder Tenorhorn spielen zu können.«

Rund 50 aktive Mitglieder zählt die Musikvereinigung Roetgen in diesen Tagen: »Von 15 bis 75 Jahren haben wir alles vertreten«, freut sich Manfred Reinartz, seinen Nachfolgern Markus Johnen und Christian Reinartz ein bestelltes Feld hinterlassen zu können.

»Dirigent zu sein ist sehr zeitaufwändig«, gibt Reinartz unumwunden zu. Man müsse bei jeder Probe, bei jedem Auftritt da sein, mit vollster Konzentration. Und das sind alleine 35 bis 40 öffentliche Termine pro Jahr. »Und mehrmals in der Woche habe ich Partituren studiert, Stücke für unsere Besetzung umgeschrieben oder angepasst. Ganz zu schweigen von dem Berg an Noten, die die Musikverlage an uns herantragen.« Da sei die künftige Doppelbesetzung für die neuen Dirigenten schon eine Erleichterung.

Doch Reinartz will keineswegs klagen - denn er hat jede Minute genossen, die er die Musikvereinigung in den letzten 23 Jahren leiten durfte. »Ich habe zwar keine Dirigentenausbildung, aber sehr viel Erfahrung. So schnell bringt mich nichts aus der Fassung«, stellt Manfred Reinartz klar.

Nachwuchsförderung

»Wir sind wesentlich professioneller geworden«, unterstreicht der scheidende Dirigent. Die Blasmusik habe sich fortentwickelt und modernisiert. »Aber vieles hätte man in meiner Jugend gar nicht spielen können«, weiß Reinartz. Grund dafür ist vor allem die Nachwuchsförderung, die die Roetgener Musikvereinigung bereits seit mehr als drei Jahrzehnten betreibt. Auch dort war Manfred Reinartz einer der Vorreiter: Er bereitete den Nachwuchs auf D-Prüfungen vor, leitete eine Zeitlang das Jugendorchester und entschied, dass es zweier erfolgreicher Prüfungen bedurfte, ehe man ins Hauptorchester wechseln konnte. »Diese Entscheidung war nicht unumstritten, aber sie hat uns sehr gut getan«, versichert Reinartz.

Überhaupt sei es eine der wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben des Dirigenten, alle Musiker unter einen Hut zu bringen. »Wie überall im Leben gibt es auch bei uns ein Leistungsgefälle. Aber auch völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was gute Musik ist und was nicht«, erklärt der zweifache Familienvater. Seine Kinder Christian und Sabrina sind ebenfalls bei der Musikvereinigung aktiv. Und Ehefrau Birgit begleitet das Orchester als Marketenderin zu vielen Auftritten.

»Und auch unser Publikum ist vielschichtig - deshalb muss man Bewährtes mit Modernem, Anspruchsvolles mit Unterhaltsamem mischen, um allen Ansprüchen gerecht zu werden«, so Reinartz.

Highlight

Wenn Manfred Reinartz nun ins Register der Tenorhörner wechselt, dann blickt er auf viele unvergessliche Erlebnisse zurück. »Unsere Musik-reisen in die USA waren Highlights für das ganze Leben. Aber auch die Besuche bei unseren Musikerfreunden in Neumarkt (Oberösterreich) und unsere Vereinsjubiläen waren tolle Ereignisse«, versichert Reinartz. Beim letzten Festakt 2012 durfte er den »großen Zapfenstreich« dirigieren.

»Bei den Aachener Karlsschützen ist Altbundeskanzler Helmut Kohl aus der Reihe gesprungen und hat mir die Hand gereicht«, schmunzelt Reinartz.

So etwas wird er jetzt vielleicht nicht mehr erleben - dafür aber einfach die Freude am Musizieren genießen...

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