Ohne Arbeit und Bildung keine Zukunft

Eltern fürchten Abschiebung afghanischer Familie

Roetgen. »In unserer Heimat bekomme ich keine Arbeit, meine Töchter keine Schulbildung und wir müssen um unser Leben fürchten.« Wahed Walian ist in großer Sorge um seine Lieben. Das Aachener Verwaltungsgericht entscheidet nun, ob die fünfköpfige Familie zurück nach Afghanistan muss.

»Das ist eine enorme psychische Belastung für die Familie«, erklärt Mario Johnen. Der junge Familienvater aus Roetgen hat sich als Vertreter des Fördervereins der Kindertagesstätte »Wackelzahn« in Roetgen an den WochenSpiegel gewandt, weil er sich um die afghanische Familie sorgt.  »Die Mittlere der drei Töchter besucht seit über einem Jahr die Kindertagesstätte und ist sehr gut mit vielen gleichaltrigen Kindern befreundet«, unterstreicht Nadine Wetzel.

Die achtjährige Tochter ist bereits im dritten Schuljahr an der Roetgener Grundschule. »Ich möchte gerne hier weiter lernen«, versichert das junge Mädchen in nahezu akzentfreiem Deutsch. Das jüngste Familienmitglied wurde im Vorjahr in Aachen geboren. »Wir fühlen uns hier wohl und ich habe endlich Arbeit gefunden«, unterstreicht der 34-jährige Familienvater.

»Ich habe für eine amerikanische Firma gearbeitet«, erinnert sich der junge Vater. Eine Tätigkeit, die ihn um sein Leben fürchten ließ. Schließlich stufen die Taliban solche Landsleute als Verräter ein. Eine Bombe in seinem Betrieb zu legen, hatten die Terroristen gefordert. Als im Herbst 2015 viele Schutzsuchende nach Deutschland kamen, verließ auch Familie Walian nach Drohanrufen ihre afghanische Heimat. So fand die Familie nach einer strapaziösen und riskanten Reise Zuflucht in der Gemeinde Roetgen zugeteilt.

»Ich engagiere mich im Flüchtlingsrat und habe spontan die Patenschaft der Familie übernommen«, erklärt Renate Bongard. Sie begleitete die Neuankömmlinge zu Behörden und Ärzten, vermittelte Deutschkurse und einen Platz in Kindertagesstätte und Schule. »Die Familie ist im Sportverein aktiv, die Kinder begleite ich in die Bücherei und viele Freundschaften sind entstanden«, freut sich Bongard. »Natürlich ist das Schicksal der Familie Walian kein Einzelfall, aber wir machen uns Sorgen«, unterstreicht die Flüchtlingspatin.

Schutz im Land suchen

Der Asylantrag nämlich wurde im Dezember 2016 abgelehnt. Nun steht eine entstprechende Klage vor dem Aachener Verwaltungsgericht zur Verhandlung.  »Die Familie hätte sich innerstaatlichen Schutz suchen soll«, zitiert Rechtsanwältin Dorothea Hennen aus dem Schreiben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. »In Kandahar, wo die Walians gelebt haben, sei dieser gegeben.« Zudem habe sich der Vater eine neue Arbeit suchen und so aus dem Visier der Taliban verschwinden können. Dass die Terrororganisation die Familie aufspüren werde, ließ das Bundesamt nicht gelten.

»Wir vom Förderverein solidarisieren uns öffentlich mit der Familie und hoffen, dass sie vielleicht doch bleiben dürfen«, so Johnen. In einem Schreiben an das Gericht legte der Vorstand ausführlich seine Gründe dar. In der Heimatregion der Familie würden sie Repressalien durch die Taliban erwarten. In Afghanistan wäre keinem der drei Mädchen ein Schulbesuch möglich.

Die öffentliche Verhandlung steht am Freitag, 10. November, beim Verwaltungsgericht Aachen an.

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