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Touristen lassen sich nicht abschrecken

Eifel. Die Branche scheint gespalten: Soll das AKW in Tihange offen diskutiert werden?

Die Eifel ist für viele Touristen ein beliebtes Urlaubsziel. Hier können sie Alltagssorgen vergessen. Die Sorgen der Eifeler um mögliche Gefahren durch das umstrittene Atomkraftwerk (AKW) in Tihange scheinen die Tourismusbranche kaum zu beeinflussen. Beschäftigt man sich mit dem Thema, ist zu spüren, dass sich ein Teil der Branche nur ungern dazu äußert. Die Angst davor, dass die Touristen durch das AKW abgeschreckt werden, ist offensichtlich. »Schlechte Nachrichten verbreiten sich schnell«, sagt Freek Suringh, Managing Director des Carat Vitalhotels in Monschau.  »Ich hoffe, dass die Diskussion da bleibt, wo sie hingehört - nämlich vor Ort«, findet Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH. Bislang habe das Thema keine Auswirkungen auf die Tourismusbranche der Eifel, sagt er: »Ich hoffe, dass das so bleibt.« Margareta Ritter sieht es in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der Monschauer Land Touristik ähnlich: »Das Image der  Regionalmarke Eifel oder der Produkte aus unserem Lebensraum Eifel sind durch die störanfälligen Atomkraftwerke Tihange oder Catenom noch nicht beeinträchtigt. Der Nationalpark Eifel und wir werben weiterhin mit der Attraktivität unseres naturnahen Lebensraumes.«

Stornierung

Frreek Suringh ist davon überzeugt, dass die Diskussion um das belgische Atomkraftwerk sehr wohl einen Einfluss auf den Tourismus hat: »Wir haben acht Prozent weniger Belegung.« So habe etwa ein englisches Reiseunternehmen den Aufenthalt einer Reisegruppe im Carat Vitalhotel storniert. Begründung der Absage: das Atomkraftwerk in Tihange. Viele Touristen, die bislang zu Kurzaufenthalten in die Eifel gekommen seien oder etwa den Monschauer Weihnachtsmarkt besucht hätten, kämen nicht mehr, so Suringh. Nicht nur das Carat Vitalhotel, sondern auch kleinere Betriebe würden einen Gästerückgang der verzeichnen. Neben den Gästen blieben auch saisonale Mitarbeiter fern, sagt er: »Die polnischen Kräfte, die bislang interessiert waren, bleiben weg.« Er untersützte den Aachener Städteregionsrat Helmut Etschenberg in seinen Bemühungen gegen das Atomkraftwerk. Den alteingessenen Monschauer Kollegen gehe es ähnlich, so Suringh. Doch da sie »am Herd stehen« müssten, bleibe ihnen nicht viel Zeit, sich zu engagieren.

Aufklärung

Detlef Wurst, Inhaber des Kurpark-Hotels in Gemünd, sieht derzeit keine Beinträchtigung der Branche. Allerdings scheine das Thema in der Branche eher tabu zu sein aus Angst, dass die Touristen wegblieben: »Mein Eindruck ist, dass Aufklärung nicht gewünscht ist. Das ist typisch deutsch: Machen wir ein Läppchen drüber, dann sieht es keiner.« Wurst selbst sieht das anders. Ganz im Gegenteil: der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Nationalpark Eifel ist der Überzeugung, dass Aufklärung die Aufgabe des Tourismus sei. »Ich habe den Aufkleber ,Tihange abschalten‘ an der Tür kleben, verteile Flyer und habe meine Mitarbeiter gebrieft«, so Wurst: »Ganz vielen Gästen aus dem Nahgebiet schon 15 Kilometer hinter Euskirchen ist das Thema Tihange unbekannt.«

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Kommentar von leentje
interzant

grt