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Bridge: Es geht um Grips und nicht ums Glück

Kreis Bernkastel-Wittlich. Sie müssen eine gehörige Portion Intelligenz mitbringen, die Menschen, die da im Bridgeclub der Mittelmosel allwöchentlich ihrer Leidenschaft frönen. Wer dieses Kartenspiel beherrscht, sorgt dafür, dass das Gehirn weiter auf Trab bleibt. Weshalb es zum Beispiel in Polen und Israel als Unterrichtsfach gelehrt wird.

Bernkastel-Kues. Jeden Freitag treffen sich die Bridgespielerinnen und -spieler im Dachgeschoss des Hotels Moselpark auf dem Kueser Plateau. Ein internationales Grüppchen kommt da zusammen: Frauen und Männer aus Polen, aus Pakistan, Schottland und Deutschland haben sich im Bridgeclub Mittelmosel  gefunden, um ein Kartenspiel zu genießen, für das die Bezeichnung »Spiel« nicht so recht zutreffend ist. »Hier geht es nicht ums Glück«, verrät Ingrid Schlömann, die als eine Art Außenministerin des Vereins fungiert. Es geht vielmehr um eine geistig äußerst anspruchsvolle Freizeitbeschäftigung mit sportivem Hintergrund, erklärt sie. Es geht um Mathematik und Logik, natürlich, aber ebenso um Psychologie, um Teamgeist, und alles das in geselliger Runde. Jeweils vier Spieler gestalten in Zweierteams eine Runde des Spiels. Das Einzigartige am Bridge: Im Lauf eines Nachmittags wandern identische Kartendecks von Tisch zu Tisch.

Komplizierte Regeln

Gewonnen hat am Ende, wer aus dem, was allen Spielern einmal geboten wird, das Beste macht. »Es ist also völlig unerheblich, ob Sie gute oder schlechte Karten haben.« Die Punktevergabe erfolgt nach der Anzahl der gewonnenen Stichen, nicht nach der Punkthöhe der Einzelkarten wie Dame, König oder As. Jedes Turnier hat ein Siegerpaar. Die Punkte können, müssen aber nicht gesammelt werden. Sammelt ein Team Punkte, werden sie weitergereicht an den Deutschen Bridgeverband. Die Mittelmosel spielt mit einem Paar in der Landes- und mit einem weiteren in der Regionalliga.

Noch eine Besonderheit hat das Bridgespiel zu bieten: Anders als beispielsweise beim Skat, bei dem die Spielenden oft ganze Kneipen mit ihrem aufgeregten Getöse erfüllen, herrscht beim Bridge konzentrierte Stille. Hier wird stundenlang geschwiegen. Niemand weiß, was der andere auf der Hand hat. Auch das Blatt des Mitspielers bleibt unbekannt. Nonverbal, damit der Nebentisch keinerlei Informationen erhaschen kann, wird dennoch versucht, möglichst viel über die Karten der Mit- und Gegenspieler zu erfahren, unter anderem mit Bietkarten. Die Regeln sind vielfältig und kompliziert und erschließen sich dem unbedarften Besucher auf die Schnelle nicht. Kein Wunder, benötigen Anfänger doch ein bis anderthalb Jahre, bis sie halbwegs flüssig am Spielgeschehen teilnehmen können.

Ingrid Schlömann brennt für ihre Leidenschaft. Gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen, dem Sportwart des Mittelmosel-Clubs, spielt sie mindestens zweimal pro Woche, dienstags in Traben-Trabach, freitags in Bernkastel-Kues. Seit seiner frühen Pensionierung - als Fluglotse ging er mit 55 Jahren in den Ruhestand - widmet sich Schlömann ebenso leidenschaftlich wie seine Gattin dem Bridgespiel. Mit Erfolg, wie ein Blick auf die Homepage zeigt: 2011, 2014, 2015 und 2016 gehörte Jürgen Schlömann zum Clubmeister-Team. 

Mit dem Morbacher Ferdinand Scheit hat man an der  Mittelmosel sogar einen Bridge-Lehrer mit im Boot. Vor drei Jahren bewies er gemeinsam mit Schlömann seine Klasse im Challenger-Cup. »Da waren wir echt gut.« So gut, dass auch seine Frau es jetzt ernsthaft versucht mit dem Bridge. Und diesmal »am Ball« bleiben möchte. (pug)    

 

Extra:

2011 startete der Bridegclub Mittelmosel mit 31 Mitgliedern, die zwischen Zell und Trier wohnen. Immer wieder kommen neue hinzu, was u.a. an den Anfängerkursen liegen dürfte. Im Herbst begann der aktuelle Lehrgang. Die meisten Mitglieder sind ältere Damen und Herren: Für Bridge muss man einfach viel Zeit mitbringen. Nicht nur das Erlernen der vielen Regeln und der teilweise aus dem Englischen und Französischen entlehnten Fachvokabeln dauert seine Zeit; auch das Spiel an sich verlangt einen nicht unerheblichen Zeitaufwand. Gemeinsame Club-Aktivitäten (Weihnachts-, Sommerfest, Nikolausturnier) ergänzen den sportlich-ehrgeizigen Aspekt des Bridge-Spiels. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 65 Euro; Ansprechpartnerin ist Ingrid Schlömann, Telefon 0 65 31 / 97 31 48, bridge-mittelmosel@ t-online.de. www.bridge-mittelmosel.de    

Beim Bridge werden französische Karten (52 Blatt, ohne Joker) verwendet. Beim Reizen wird in einer Art Versteigerung ermittelt, welches Paar wie viele Stiche machen muss und ob es eine Trumpffarbe gibt. Nachdem sich ein Paar mit einer Ansage von Stichzahl und Trumpffarbe durchgesetzt hat, erfolgt in der zweiten Phase das Abspiel der Karten. Hauptziel ist es für die eine Seite, mindestens ihre angesagte Stichzahl zu erreichen; die andere Seite muss dies verhindern. Eine Besonderheit des Bridge ist, dass von der Partei, die die Reizung gewonnen hat, nur ein Spieler im Abspiel spielt, während sein Partner nach dem ersten Ausspiel des linken Gegners seine Karten offen auf den Tisch legt und seine Karten auf Anweisung des Alleinspielers zugibt. Bridge wird im Turnier als Sport ausgeübt.

Fotos: P.Geisbüsch

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