Sybille Schönhofen bil

Landwirte suchen Rettung im Ei - Bürger wehren sich

Brandscheid. Angesichts niedriger Milchpreise wollen sich Milchviehhalter ein zweites Standbein mit der Legehennenhaltung aufbauen. In Brandscheid regt sich Protest.

 

Bislang ist die Eifel nicht bekannt als Landstrich der Eierproduzenten. Der größte Geflügelhof vor Ort gehört Lambert Lehnertz, der in Habscheid 39.000 Legehennen hält. Lehnertz, der auch im Vorstand des Geflügelwirtschaftsverbandes sitzt, ermutigt seine Kollegen aus der Milchvieh- und Schweinemasthaltung, sich mit einer Bio- oder Freilandhaltung von Legehennen ein zweites Standbein zu schaffen. Mit sechs Betrieben will er eine Erzeugergemeinschaft gründen (siehe unten). Nicht jeder freut sich über die neuen Eierproduzenten. Gegenwind spüren die Junglandwirte Markus und Theo Bach, die in Brandscheid einen Legehennenstall für 14.990 Hühner bauen wollen. Ihr Vorhaben erregt in dem Ort die Gemüter einiger Bürger. Denn der Stall soll am nördlichen Ortsrand zwischen zwei Wohnbebauungen, die nur 350 Meter auseinanderliegen, gebaut werden. Damit würde der Stall in einem Abstand von etwa 150 Metern an die Häuser grenzen. Die Nachbarn fürchten Lärm- und Geruchsbelästigung.

Anwalt eingeschaltet

Einer der Gegner ist Brandscheids Jagdpächter Rüdiger Bohsem, dessen Haus 200 Meter von dem geplanten Stall entfernt läge. Bohsem hat einen Anwalt eingeschaltet. Zwar haben die Landwirte ein Gutachten vorgelegt, das die Unbedenklichkeit attestiert. Bohsem nennt es aber ein »Gefälligkeitsgutachten aus der Schublade«, dem keine Prüfungen vor Ort zugrunde lägen. Die Brüder Bach haben derweil ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben.
Sollte eine Baugenehmigung erteilt werden, will Bohsem vor Gericht ziehen. Lehnertz räumt ihm und den anderen Gegnern dabei wenig Chancen ein: »Sie haben keine Argumente, die die Maßnahme stoppen könnten. Alle Immissionen wurden penibel durch die SDG-Nord geprüft und freigegeben.«

Wertverlust bei Immobilien befürchtet

Auch Anlieger Herbert Reusch gehört zu den Gegnern. Er fürchtet außer den Emissionen auch einen Wertverlust seiner Immobilie. Sechs Anwohner haben sich mit ihrem Protest in einem Schreiben an den Ortsgemeinderat gewandt und drei Anlieger haben beim Kreisrechtsausschuss Widerspruch gegen einen positiven Bauvorbescheid zum Neubau des Stalls eingelegt. Der Kreisrechtsausschuss hat diese Widersprüche im Juli zurückgewiesen. Derzeit prüft das Bauamt der Verbandsgemeinde Prüm, ob eine Baugenehmigung erteilt werden darf.

Moderne Lüftungstechnik

»Unser geplanter Stall ist nach neuestem Stand der Legehennenhaltung und modernster Lüftungstechnik besonders tiergerecht geplant, die angrenzende Lagerhalle für den Hühnertrockenkot ist überdacht und nach drei Seiten geschlossen. Außerdem ist die Lagerhalle extra hinter dem Stall geplant, damit sie noch weiter vom Dorf weg ist, was für uns auch mehr Kosten bei der Errichtung bedeutet«, legen die Brüder Bach dar, dass es aus ihrer Sicht keine Bedenken gibt. 
Bohsem appelliert an die Landwirte, den Stall außerhalb der Ortschaft auf einem ihrer Felder, das an der Kreisstraße zwischen Pronsfeld und Schwarzer Mann liegt, zu bauen. Die Bachs sehen darin allerdings keine Alternative. Das Baurecht ist auf ihrer Seite: »Grundsätzlich ist der Außenbereich (Red.: von Ortschaften) insgesamt für Vorhaben, die einem landwirtschaftlichen Betrieb dienen, privilegiert. Wenn der beantragte Standort genehmigungsfähig ist, hat der Antragsteller Anspruch auf die Erteilung der Baugenehmigung. Es  ist nicht erforderlich, dass er die Genehmigungsfähigkeit für mehrere Standorte klären lässt«, erläutert Robert Ennen vom Bauamt den Hintergrund. 

Landwirt: "Trockenkot stinkt nicht"

Lambert Lehnertz versteht die Aufregung nicht. Seine Familie betreibt Legehennenhaltung seit 1952. »Mit 14.990 Hennen planen die Bachs einen kleinen Betrieb. In Niedersachsen findet man Ställe mit 200.000 Tieren. Da stellt man sich neben den Stall und hört nichts und riecht nichts.« Auch im Außenbereich werde man die Hühner kaum hören. Was den Geruch angeht, sagt Lehnertz: »Trockenkot stinkt nicht.« Bachs planen, den Trockenkot an einen Biogasanlagenbetreiber abzugeben, der daraus Strom und Wärme erzeugt.  Brandscheids Ortsbürgermeister Helmut Neuerburg will sich zu dem Streit nicht äußern.  Nur so viel: »Ich halte mich da raus.«  bil

 

Landwirte investieren in Eier

Neue Erzeugergemeinschaft setzt auf Geflügel

Sieben landwirtschaftliche Betriebe aus der Eifel tun sich zusammen, um die Erzeugergemeinschaft Eifel-Ei zu gründen. Mit Legehennen wollen die Milchviehhalter und Schweinemastbetriebe ihre Existenz sichern.

 

EIFELKREIS. Neben Lambert Lehnertz aus Habscheid, dessen Familie bereits seit 1952 im Haupterwerb Legehennen hält, wollen sechs Neulinge künftig Eier produzieren.
Zur neuen Erzeugergemeinschaft zählen Stefan und Rainer Probst aus Euscheid, Josef Peters aus Habscheid, Alexander Breuer aus Winringen, Familie Hoffmann-Peters aus Ochtendung, Sebastian Nafziger aus Ließem sowie Markus und Theo Bach aus Brandscheid. Außer dem Geflügelhof Lehnertz sind alle Landwirte Neueinsteiger im Bereich Legehennen und entstehen neu. Weitere Landwirte haben Interesse angemeldet, sich zu beteiligen. 
Vier der Ställe sind bereits im Bau. Sie setzen auf Freiland- und Bioeier und werden gemeinsam pro Tag circa 100.000 Eier produzieren.  Die Vermarktung liegt beim Geflügelhof Lehnertz. Hier werden die Eier sortiert, verpackt und auf die Reise in die Läden in der Region und im Kölner Raum geschickt. Zu diesem Zweck baut Lambert Lehnertz derzeit auf seinem Geflügelhof in Habscheid eine moderne Eier-Packstelle.
Im Discounter wird man die Eier der Erzeugergemeinschaft  nicht finden.  Alle Betriebe werden ihre Produktion nach den Kriterien der Regionalmarke Eifel und des Gütesiegels des Landes ausrichten.
»Es geht um eine regionale, transparente und nachhaltige Legehennenhaltung, die beim Verbraucher auch voll im Trend liegt«, beschreibt Lehnertz das Ziel. Insgesamt investiert die Gruppe 8,7 Millionen  Euro in die Produktion der Eifel-Eier.
Markus Pfeifer, Geschäftsführer der Regionalmarke Eifel, begrüßt den Zuwachs der Eierproduzenten unter dem Logo der Regionalmarke: »Das ist eine super Sache. So wachsen wir.« Bislang gehören zehn Eier produzierende Geflügelbetriebe aus dem konventionellen Bereich und drei aus dem Biosektor zur Regionalmarke.

Verbraucher-Sicherheit durch Eifeler Marken-Eier

»Eier sind neben Fleisch eins der wichtigsten Produkte der Regionalmarke Eifel«, sagt Pfeifer. Er sieht für die Landwirte den Vorteil, faire Preise für ihre Marken-Eier zu bekommen.
Für notleidende Landwirte sei die Geflügelhaltung eine rentable Alternative. Und auch der Verbraucher profitiere davon, wenn in der Eifel die Produktion von streng kontrollierten Marken-Eiern ansteige. Pfeifer: »Wir haben eine Unterversorgung mit deutschen Eiern und müssen viel importieren.« Wohin das führe, sei aktuell am Fipronil-Skandal abzulesen.  bil


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