Panikmache oder kleineres Übel

Bebauungsplan »K14 Windpark Peterberg« stößt auf Widerstand

Raffelsbrand. »Wenn uns schon riesige Windräder praktisch vor die Nase gesetzt werden, dann muss man uns nicht ein nächtliches Dauerleuchten und blinken auch noch zumuten.« Michaela Schoenen und Anita Rüttgers haben den Kampf gegen den geplanten »Windpark« am Raffelsbrander Peterberg noch nicht aufgegeben. Während sich der Bebauungsplan dazu in der Offenlage befindet, suchen die »vom Windpark betroffenen Anwohner« nach Möglichkeiten, die womögliche Belästigung einzudämmen.

Den Klimawandel durch verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien, insbesondere Windkraft, zu forcieren - darin sind sich Politik, Wirtschaft und ein Großteil der Bevölkerung einig. Alles zum Wohle der Umwelt. Und gerade in Zeiten, wo das marode belgische Atomkraftwerk »Tihange 2« für Angst und Schrecken sorgt, aktueller denn je. Und doch geht die Errichtung eines Windparks fast nie lautlos und ohne große Diskussion über die Bühne.

200 Meter-Riesen

Als im vorigen Jahr der Flächennutzungsplan für Windkraftkonzentrationszonen in der Gemeinde Hürtgenwald öffentlich gemacht wurde, rief das die Anwohner aus Raffelsbrand auf den Plan. 200 Meter hohe Anlagen sollen nur einen Mindestabstand von 400 Metern zur Wohnbebauung einhalten, während andernorts im Gemeindegebiet 800 Meter notwendig sind. Das liege daran, dass Raffelsbrand kein Ort, sondern einzelne Gehöfte seien, teilte die Verwaltung seinerzeit mit. Nach Rücksprache mit dem Denkmalschutz des Landschaftsverbandes Rheinland seien geeignete Standorte festgelegt worden, erklärt Stefan Grießhaber, Allgemeiner Vertreter des Hürtgenwalder Bürgermeisters.

»Daraufhin haben wir vorgeschlagen, statt fünf nur drei Windräder zu installieren, um weitere Abstandsflächen zu schaffen«, erklärt Schoenen - ohne Erfolg. »Wir kennen die defizitäre Lage der Gemeinde, aber um jeden Preis Einnahmequellen zu generieren und dabei Anwohner-Interessen zu ignorieren, geht zu weit«, ergänzt Rüttgers.

Und doch machen die Anwohner neue Vorschläge, um das »größte Übel« abzuwenden. »Wir bitten darum, die Winkraftanlagen nur mit einer bedarfsgerechten Befeuerung auszustatten«, so Schoenen. Dies bedeutet, dass die Anlagen nur bei einem Flugzeug in der Nähe zu blinken beginnen.

Anregungen prüfen

»Das Planungsbüro wird nach Abschluss der Offenlage die Anregungen prüfen«, versichert Grießhaber, dass man sich mit den Ideen der Anwohner auseinander setzen werde. Mit welcher Technik die Windräder ausgestattet würden, sei noch nicht absehbar. Daher sei die Ausstattung mit so genanntem Primärradar eine Option.

Statt Beeinträchtigung könnten die Anwohner sogar von den Windrädern profitieren, wenn sie sich finanziell beteiligen. »Für die Windräder am Ochsenauel nahe Brandenberg wurden bereits Gesellschaften gegründet, an denen man sich beteiligen kann«, erklärt Grießhaber. »Dieses Angebot wird es auch am Peterberg geben, jedoch ist es noch verfrüht, da der Flächennutzungsplan nicht rechtskräftig ist«.

Primärradar

Beim Primärradar senden im Windpark montierte Klein-Radaranlagen elektromagnetische Impulse, die an Flugzeugen reflektieren und von Sensoren erfasst werden. Aus den so empfangenenen Echos wird die Flugroute errechnet und im Fall der kritischen Annäherung die Befeuerung angeschaltet. Ein Primärradar erfüllt die Vorraussetzungen der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen.

www.huertgenwald.de

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