Wie gedenke ich richtig?

Aus Kriegslandschaft soll eine Erinnerungslandschaft werden

Vossenack. Man kann sie leicht übersehen, wenn man das Rathaus in Kleinhau betritt. Unscheinbar und leicht verstaubt muten sie an - doch ihr Inhalt sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Die Rede ist von Vitrinen, in denen der Geschichtsverein Hürtgenwald die Gräuel des Zweiten Weltkriegs darstellt. »Sie sollten noch heute mit der Entrümpelung beginnen«, fordert Frank Möller - er koordinierte den so genannten Lenkungskreis eines Moratoriums. Hinter der sperrigen Bezeichnung verbirgt sich die Aufgabe, dem Hürtgenwald eine demokratische und zeitgemäße Erinnerungskultur zu verpassen.

Es war die schlimmste kriegerische Auseinandersetzung auf Eifeler Boden - die Allerseelen-Schlacht 1944 im Hürtgenwald. Viele Einheimische mussten ihre Heimat verlassen, unzählige Verwundete und hunderte Tote gab es unter den kämpfenden Soldaten zu beklagen.

»Dieser dunkle, aber wichtige Teil der Geschichte muss lesbar, erfahrbar werden«, unterstreicht Albert Moritz. Der Leiter der Akademie Vogelsang IP weiß wie kaum ein Zweiter in der Region, wie bedacht man vorgehen muss, um die Geschichte des Nationalsozialismus aufzuarbeiten, sie erlebbar zu machen und sich gleichzeitig klar von rechten Tendenzen abzugrenzen.

»Der Hürtgenwald und seine Geschichte sind einmalig in Deutschland«, weiß auch Dr. Karola Fings vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Gefördert von der NRW-Landeszentrale für politische Bildung hat sie in vielen Workshops und Arbeitskreisen mit Fachleuten und vielen Menschen aus der Gemeinde Ideen erarbeitet, wie man sich zeitgemäß erinnern kann.

Veränderungen

So wird gefordert, den Geschichtsteil der Homepage der Gemeinde zu überarbeiten, das Museum »Hürtgenwald 1944/45 und im Frieden« neu zu konzipieren und die Ausstellung über die 116. Panzerdivision zu beseitigen. Auch, dass den Internationalen Hürtgenwaldmarsch nicht nur Betroffene zum Gedenken nutzen, sondern auch nationalistische Kräfte Wehrmachtsveteranen verheerlichen und Kriegsgegner verhöhnen, sei untragbar.

»Das lässt sich alles nicht so leicht machen, dafür brauchen wir Fachleute«, stellt Bürgermeister Axel Buch klar, der sich für die Erkenntnisse, die durch das Moratorium erzielt wurden, dankbar zeigt. »Wir brauchen eine politische Diskussion, müssen die Bevölkerung mitnehmen und uns dann Experten an die Seite holen.« Ein erster Workshop ist für kurz nach den Sommerferien geplant.

»Dass Frieden kein Produkt ist, das man aus gewiss gut gemeinten Zutaten irgendwann zubereiten kann, wird uns doch gerade heute wieder bewusst«, weiß auch Clemens Amendt, Lehrer am Franziskus-Gymnasium Vossenack. Wäre Frieden käuflich, wäre er möglicherweise ein Ladenhüter oder ausverkauft oder ein Monopol von Google, glaubt der Initiator von Gedenkstunden zum Volkstrauertag oder aber der Aktion »Friedenstaube« mit dem Gymnasiasten. Das FGV, aber auch andere Bildungseinrichtungen sollen verstärkt in die Erinnerungslandschaft eingebunden werden. Denn, so Fings: »Die, die uns noch etwas erzählen können, werden weniger. Also brauchen wir Menschen, die das Geschehene weitertragen und mit Bedacht dafür Sorge tragen, dass es nie wieder passieren wird.«

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