Wolfgang Andres

Aufrechte Menschen in dunkler Zeit

Kreis Euskirchen. Zivilcourage unter Einsatz des eigenen Lebens: Dazu hatten im »Dritten Reich« nur wenige den Mut. Dechant Joseph Emonds, einst Pfarrer in Kirchheim, und der Künstler Otto Pankok, der in Nettersheim-Pesch Zuflucht gefunden hatte, gehören zu der kleinen Schar aufrechter Menschen, die auch in diesen dunklen Zeiten Mitmenschlichkeit bewiesen haben. Beide haben - trotz Todesgefahr - verfolgte Juden versteckt und damit vor dem sicheren Tod bewahrt. Der Staat Israel ehrt nun Joseph Emonds und Otto Pankok als »Gerechte unter den Völkern«.

Die Mitarbeiter der Jerusalmer Gedenkstätte »Yad Vashem« haben den Euskirchener Historiker Hans-Dieter Arntz Anfang August über die posthume Ehrung der beiden Männer informiert. Wie das Künstlerehepaar Hulda und Otto Pankok, das gleichzeitig in derselben Form gewürdigt wurde, hatte Joseph Emonds 1944 das Ehepaar Mathias und Brunhilde Barz ? sie war eine Jüdin ? vor der Gestapo versteckt.

Hans-Dieter Arntz hat bereits in den 80er Jahren seine Forschungsergebnisse zum Wirken von Joseph Emonds veröffentlicht. Emonds wurde am 15. November 1898 in Erkelenz -Terheeg geboren und empfing nach seinem Studium der Theologie am 13. August 1922 in Köln die Priesterweihe. Schon früh engagierte er sich für Unterdrückte, Arbeiter und im Dritten Reich verfolgte Juden. In die Euskirchener Region kam er gegen Ende des Krieges.

 

Arntz: »Joseph Emonds, der ab 1944 Dechant des Dekanates Münstereifel war, gehörte auch einem Ring an, der Juden versteckte. Die damalige Haushälterin A. Schürkes glaubte sich später zu erinnern, dass die gesamte Organisation in den Händen einer Gräfin in Düren oder Jülich gelegen habe. Als diese bei einem Bombenangriff umkam, ergriff Dechant Emonds die Initiative. Ein jüdisches Ehepaar, das bisher beim Eifelschriftsteller Jacob Kneip in Münstereifel untergekom­men war, fand im Dachgeschoss des Kirchheimer Pfarrhauses vorläufige Unterkunft. Im Rahmen der Vorbereitungen zur Ardennen-Offensive (Dezember 1944) war im Erdgeschoss ein kleiner Stab der SS untergebracht, und Dechant Emonds berichtete später, dass von den Lebensmitteln der Verfolger die Verfolgten leben konnten.

Dieses jüdische Künstlerehepaar war es auch, das die Hilfsbereitschaft des Eifeldechanten« verbreitete. In einer vom ZDF ausgestrahlten Sendung erfuhr die Öffentlichkeit erstmals am 20. Juli 1964 etwas von der Tätigkeit des Priesters, der am 7. Februar 1975 in Kirchheim starb. Von seinen Freunden ist an erster Stelle der ehemalige Bundespräsident Gustav Heinemann zu nennen, der Joseph Emonds seit dessen Wirken in Essen stets - auch politisch - verbunden war.«

Auch zu Otto Pankok hat Hans-Dieter Arntz umfangreiche Studien veröffentlicht. Der Künstler hatte unter einem Malverbot der Nazis zu leiden, seine Bilder durften nicht mehr ausgestellt werden. Gegen ihn und seine Frau wurde ein wahres Kesseltreiben angezettelt, bis das Ehepaar in Nettersheim-Pesch Unterschlupf fand. Trotz Verbots war er aber weiterhin künstlerisch tätig.

Der mit Pankok befreundete expressionistische Maler Mathias Barz und seine jüdische Ehefrau Hilde geb. Stein fanden ebenfalls in Pesch eine Zuflucht. »Danach waren beide unter dem Dach des Kirchheimer Pfarrhauses versteckt, ehe sie dann im März 1945 in Düsseldorf in die ersehnte Freiheit kamen. Durch Otto Pankok und den Eifeldechanten Joseph Emonds wurde schlussendlich ihr Leben gerettet«, so Hans-Dieter Arntz abschließend. 

An das segensreiche Wirken von Joseph Emonds erinnert seit 1984 die nach dem Pfarrer benannte Schule in Kuchenheim. »An eine mögliche Straßenbenennung ? ?Dechant-Emonds-Straße' ? hat in Kirchheim noch keiner gedacht«, so der Historiker, der sich über eine solche Geste sehr freuen würde. In Emonds' Geburtsort Erkelenz sei jüngst eine Straße nach dem Geistlichen benannt worden.

Unabhängig davon steht nunmehr fest, dass die Namen von Joseph Emonds wie auch von Otto Pankok in »Yad Vashem« verewigt werden - als »Gerechte unter den Völkern«. Die Ehrung soll im Laufe des kommenden Jahres stattfinden.

AKTUELLE ERGÄNZUNG: Die Lokalzeit Bonn des WDR berichtet am Donnerstag, 5. September, in einem viermütigen Beitrag über das Wirken von Joseph Emonds in Kirchheim. Die Sendung beginnt um 19.30 Uhr und ist eine Woche lang in der WDR-Mediathek abrufbar. Unser Foto (Quelle: MEDIAKUSTIK) stammt vom Abschluss der Dreharbeiten am Mittwoch.

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