Wolfgang Andres

City Outlet: Eine "Jahrhundertchance" für Bad Münstereifel

Kreis Euskirchen. In Bad Münstereifel beginnt am morgigen Donnerstag eine neue Zeitrechnung: Um 11 Uhr wird das »City Outlet« eröffnet, das erste innerstädtische Outlet Deutschlands. Entsprechend groß ist das Interesse in der ganzen Republik. Bürgermeister Alexander Büttner freut sich: »Bad Münstereifel ist in aller Munde!« Und er ist überzeugt, dass das auch so bleibt. »Die jahrelangen quälenden Leerstände sind beseitigt und teilweise marode denkmalgeschützte Bausubstanz ist restauriert«, sagt das Stadtoberhaupt im exklusiven WochenSpiegel-Interview.

Herr Büttner, Sie sind ein Glückspilz. Während viele Innenstädte in Deutschland mit der Konkurrenz von Gewerbezentren und Outlet-Centern auf der grünen Wiese zu kämpfen haben, bekommen Sie ihr City-Outlet mitten ins Städtchen. Besser hätte es doch für Bad Münstereifel nicht kommen können, oder?

Bürgermeister Alexander Büttner: Genau. Viele kleine Kommunen im ländlichen Raum haben massive strukturelle Probleme ? übrigens nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern Deutschland weit. Wir in Bad Münstereifel können unsere Probleme nun lösen, packen die Jahrhundertchance City Outlet mitten in Bad Münstereifel beherzt beim Schopf und nehmen für Rat, Verwaltung und Bürgerschaft das Glück der Tüchtigen gerne in Anspruch.

 

Das Projekt hat wegen seiner Einzigartigkeit bundesweit für Interesse gesorgt. Stehen denn bei Ihnen schon die Bürgermeisterkollegen Schlange, um sich Inspirationen für ihre jeweilige Kommune zu holen?

Büttner: Ja. Bad Münstereifel ist in aller Munde, natürlich auch bei Kollegen bundesweit. So habe ich das Projekt bspw. in zwei Fachausschüssen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, in den ich Mitglied bin, vorgestellt. Dabei und bei anderen Terminen auch vor Ort wurde aber auch schnell klar: Das Vorzeigemodell Bad Münstereifel ist nicht oder nur sehr schwierig kopierbar, da für ein Outlet mitten in der Stadt viele Faktoren zusammenkommen müssen, um erfolgreich zu sein.

Blicken wir mal kurz in die Planungs- und Bauphase zurück. Wie war Ihre erste Reaktion, als die drei Investoren bei Ihnen im Büro saßen, um die Idee vorzustellen?

Büttner: Ich war beeindruckt und begeistert. Beeindruckt haben mich die Kreativität sowie die unternehmerische Risikobereitschaft von drei Männern, die natürlich auch im wohlverstandenen Eigeninteresse - das ist absolut in Ordnung - aus und mit Bad Münstereifel etwas machen wollen, nachdem sich die seit 20 bis 25 Jahren bestehenden strukturellen Probleme der Stadt gerade in den letzten Jahren verschärft hatten. Begeistert hat mich die Vision der drei, weil sie nicht nur Wolkenschieberei war, sondern gepaart mit intellektuellem, finanziellem sowie unternehmerischem Vermögen reale Umsetzungschancen bot.

Schon bald gab es auch erste Kritiker, die befürchteten, dass Bad Münstereifel überlaufen wird und seine »Seele« verliert. Konnten oder können Sie die Bedenken nachvollziehen?

Büttner: Andere Meinungen respektiere ich. Gleiches gilt für ein gerüttelt Maß Emotion. Als für das Gemeinwesen Stadt Bad Münstereifel Hauptverantwortlicher muss ich mich dieser Verantwortung in ihrer ganzen Tragweite stellen. Ein Scheitern des Projektes wäre keine zukunftsweisende Option gewesen.

Haben Sie in den vergangenen Jahren auch mal im stillen Kämmerlein gezweifelt, ob das Projekt wie geplant realisiert wird? Immerhin wurde der Eröffnungstermin ja mehrmals verschoben.

Büttner: Nein.

 Gerade wegen seiner Einzigartigkeit hat das Outlet-Projekt zu einen wahren »Medienauflauf« im Städtchen geführt. Wenn Sie an die Zeitungsartikel und TV-Sendungen zurückdenken: Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesem Rummel?

Büttner: Das mit dem City Outlet in Bad Münstereifel verbundene Medieninteresse ist gut für das Städtchen. Noch in der Woche vor meinem Urlaub waren Express sowie die Neue Züricher Zeitung in Bad Münstereifel. In den meisten Fällen haben die Journalisten unvoreingenommen recherchiert und berichtet. Allerdings gab es auch einige wenige Gegenbeispiele, insbesondere im Auftrag einer großen Medienanstalt in Nordrhein-Westfalen. Da hatte nicht nur ich den Eindruck, dass lupenreiner Tendenzjournalismus ? und damit schlechter, weil nicht kritisch-objektiv ? über Gebühren finanziert abgeliefert wurde, getreu dem Motto: Meine Vorurteile lasse ich mir doch nicht wegrecherchieren. Auch ich persönlich habe Lehrgeld im Umgang mit Medienvertretern gezahlt. Wobei ich feststellen möchte: Die vor Ort tätigen Journalisten haben stets kritisch-fair berichtet, das gilt auch für die lokal-regionalen Formate des Westdeutschen Rundfunks.

Genug der Rückschau, jetzt blicken wir kühn nach vorne: Sehen Sie Chancen, dass in Bad Münstereifel die Besucher nicht nur auf Schnäppchenjagd gehen und für ein paar Stunden bleiben, sondern die Stadt insgesamt davon profitiert ? Gastronomie, Hotels, eifelbad, Theater, Museen usw.?

Büttner: Natürlich, das ist ja einer der Hauptbewegungsgründe für die Unterstützung des Projektes. Es entstehen rund 200 neue Arbeitsplätze, die Wirtschaftskraft der Stadt wird durch neue Besucher ? modeaffine, preisbewusste Gäste ? gestärkt. Die Revitalisierung der historischen Altstadt ist doch jetzt schon zu greifen. Die jahrelangen quälenden Leerstände sind beseitigt, teilweise marode denkmalgeschützte Bausubstanz ist restauriert, der Bereich der Trierer Straße ist großzügig umgestaltet, gleiches gilt für den Bereich des ehemaligen Handwerkerhofes. Viele neue Parkplätze sind entstanden ? und das durch privates Geld. Die Altstadt hat sich herausgeputzt, lädt zum Erlebniseinkauf ein, aber nicht nur dazu. Die Vielfalt der Angebote im gesamten Stadtgebiet ? Gesundheit, Kultur, Natur, Sport ? sollen zum längeren Verweilen motivieren. Dabei präsentiert sich Bad Münstereifel als Teil der Eifel und Voreifel, der für Besucher insgesamt sehr attraktiv ist.

Gibt es Pläne für entsprechende touristische Kombi-Angebote, die das Einkaufserlebnis und den Tourismus verbinden?

Büttner: Die werden kommen. Wie beim Großprojekt City Outlet in Bad Münster-eifel baue ich auch hier auf private Initiative. Kommune bzw. öffentliche Hand kann Türen öffnen, Wege weisen, Hilfestellung geben, Impulse setzen. Langfristig tragfähig sind Initiativen aber nur dann, wenn privates Unternehmertum sich bietende Marktchancen erkennt und nutzt. Hier sollte die Kommune nicht federführend sein.

Wagen Sie doch abschließend noch einen Blick in die Zukunft: Wo steht Bad Münstereifel mit seinem City-Outlet in einem Jahr?

Büttner: Ein Stück weiter als heute auf einem guten Weg in die Zukunft. Noch interessanter für mich ist die Frage, wo wir in 10 oder 20 Jahren stehen. Meine Vision ? Vision ist etwas Realistisches und keine Utopie ? für Bad Münstereifel 2030 lautet: Wirtschaftlich starkes und vom bürgerschaftlichen Engagement getragenes Gemeinwesen, das seine Finanzen im Griff hat ? d.h. keine neuen Schulden macht und alte Schulden abbaut ? und in seiner Vielfalt attraktiv für Bürger sowie Gäste ist; echte Lebensqualität in einer Kleinstadt am Rande der Eifel, deren Bürger die Gäste bodenständig und weltoffen zugleich willkommen heißen.

(Interview: Wolfgang Andres)

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