Ralph Menz

Der CB-Funk lebt - trotz Handy und Skype

Kall. "Die Eifel war früher ein wahres CB-Funker-Land", erinnert sich Christian Kaupert aus Kall an die goldenen Zeiten der Funkamateure. Damals, als es weder Handy noch Internet gab, war es faszinierend, über große Entfernungen mobil zu kommunizieren. Zwar hat sich vieles geändert, doch den CB-Funk gibt es auch heute noch ? nicht nur im Lkw, weiß Kaupert, der Bundesgeschäftsführer der "Arbeitsgemeinschaft Funk" ist. Mit ihm sprach WochenSpiegel-Redaktionsleiter Ralph Menz.

Herr Kaupert, wie sind Sie denn unter die Funker gekommen?

Christian Kaupert: Das war schon 1979. Ich war beruflich viel unterwegs und irgendwann sind mir mal die Antennen am Auto und das Mikro, das sich einige vor den Mund hielten, aufgefallen. Ich habe dann mal einen Funker auf einem Parkplatz angesprochen und mir die Sache erklären lassen.

Und dann haben Sie sich gleich so eine Breake, wie die Funker sagen, besorgt?

Kaupert: Ja, in Hamburg bin ich an einem Funkerladen vorbeigekommen und habe mich spontan zum Kauf entschlossen. Schon auf der Heimfahrt war ich dann live dabei, wie Trucker sich über Staus oder Unfälle ausgetauscht haben. Und ich war sofort fasziniert davon, live und mobil mit anderen Menschen sprechen zu können, die Kilometer entfernt sind. Sie müssen sich vorstellen, das war zu einer Zeit, in der es noch keine Handys oder Internet gab.

Waren Sie aktiv dabei oder haben Sie eher nur zugehört?

Kaupert: Für mich waren zwei Dinge interessant: Da ich beruflich viel im Auto unterwegs war, habe ich schnell angefangen mit den Truckern zu sprechen, von denen damals wie heute jeder CB-Funk im Lkw hat. So wusste ich immer, ob Stau oder freie Fahrt war ? die Informationen waren und sind verlässlicher als Verkehrsnachrichten im Radio. Zweitens konnte ich nach einem Umzug so schnell Kontakte knüpfen und neue Leute kennenlernen, denn die örtlichen Funker haben sich in Funkerrunden getroffen. Dabei haben sich dann Leute, die am Funk meist nur mit Pseudonymen wie "Schneewittchen" oder "Schwarzer Kater" unterwegs waren, ganz real kennengelernt.

Also ganz so wie heute in der Welt von Facebook und Twitter, wo es Menschen spannend finden, ihre digitalen Kontakte auch mal in der realen Welt kennenzulernen?

Kaupert: Ja, richtig. In den örtlichen Funkerclubs haben sich Menschen aus allen sozialen Schichten getroffen ? vom Professor bis zum Hilfsarbeiter. So bin ich dann auch in die Verbandsarbeit hineingerutscht und nun schon 30 Jahre Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Funk. Dabei waren die 80er- und der Anfang der 90er-Jahre die Blütezeit. Nach der Wende haben wir die Ortsclubs in den neuen Bundesländern gegründet und in der Eifel wie im Bergischen Land gab es fast jedes Wochenende Funkertreffen, Fuchsjagden und Grillfeste in oberkünftigen Lagen, also Orten mit guten Sendereichweiten. 2002 haben sich die Funker zudem bei der Hochwasserkatastrophe in Ostdeutschland große Verdienste bei der Koordinierung der Hilfe erworben, als Teile der Kommunikationsinfrastruktur zerstört waren.

 

 

Nun besitzt heute jeder mindestens ein Handy und kann mittels Internet und WhatsUp oder Skype  jederzeit mit jedem auf der Welt kommunizieren. Wer nutzt oder braucht noch CB-Funk?

Kaupert: Jeder Lkw-Fahrer hat noch ein Funkgerät auf dem Bock, weil es einfach und billig ist. Und: Der CB-Funk ist eine Verbindung mit dem Internet eingegangen. Heute werden die Funksignale über PC-Schnittstellen ins Internet eingespeist und in fernen Ländern wieder aus dem Internet ins Funknetz entlassen. So kann ich von meiner Station zuhause oder mit der Handgurke mit Funkern in Spanien oder Südamerika sprechen ? eine Reichweite, die ich nur über Funkwellen hier aus dem Tal heraus nie erzielen würde. Viele ehemaligen Funker haben heute ihre Geräte wieder aus dem Keller geholt und nutzen die neuen Möglichkeiten in der Verbindung von Funk und Internet.

Was fasziniert Sie heute nach über 30 Jahren noch am CB-Funk?

Kaupert: Es ist ein Stück weit Gewohnheit und natürlich die Faszination an der Technik. Dazu gehören der Spaß am Basteln und das technische Wissen um Antennen und Sendeleistung, um eine optimale Verbindung aufzubauen. Die Zahl der Verbandsmitglieder hat sich allerdings von einst 5000 um rund die Hälfte reduziert. Von einst 100 Ortsclubs gibt es noch elf.

Das heißt, der CB-Funk ist bald tot?

Kaupert: Nein genau im Gegenteil. Es gibt heute so viele CB-Funker wie nie. Allerdings nicht organisiert vor Ort und an Technik interessiert. Aber die Zahl ist durch den Wiedereinstieg von CB-Funkfreunden deutlich gewachsen und in Speditions-Lkw gibt es nach wie vor ein CB-Funkgerät. Und Lkw gibt es ja auch immer mehr. Allerdings können wir mit unserem Hobby in Zeiten von Facebook und Skype kaum noch junge Leute für die Funkerclubs begeistern.   

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