Wolfgang Andres

Eifeldechant ist jetzt ein "Gerechter unter den Völkern"

Kreis Euskirchen. Eifeldechant Joseph Emonds ist seit dem 4. August 2013 ein »Gerechter unter den Völkern«. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Staat Israel nichtjüdische Menschen, die während der NS-Zeit unter Einsatz des eigenen Lebens Juden vor der Ermorderung gerettet haben, wie etwa Oskar Schindler (»Schindlers Liste«). Am 15. Dezember wird Joseph Emonds gemeinsam mit Otto und Hulda Pankok in Berlin durch die israelische Botschaft posthum geehrt. Mit Hans-Dieter Arntz aus Rheder ist der Mann dabei, der diese Ehrung ermöglicht hat.

Joseph Emonds (1898-1975) muss ein besonderer Mensch gewesen sein. In den Jahren des Nazi-Terrors stellte er sein persönlichen Schicksal hintenan, um bedrohten und verfolgten Menschen zu helfen, insbesondere Juden. »Er besorgte Unterlagen, verschaffte Pässe und koordinierte geheime Grenzübergänge«, berichtet der Euskirchener Regionalhistoriker Hans-Dieter Arntz. Davon ließ er auch nicht ab, als er von der Gestapo systematisch beschattet wurde.

 

1938 wurde Emonds von Essen nach Kirchheim versetzt, von wo aus er vielen katholischen Geistlichen, Angehörigen von »Mischehen« und auch »Volljuden« das Konzentrationslager ersparte. Hier gehörte er auch einem Ring an, der Juden versteckte.

Lebensretter

Ein Fall ist sehr genau dokumentiert. So verschaffte Emonds dem Ehepaar Barz 1944 in höchster Not eine Unterkunft im Dachgeschoss des Kirchheimer Pfarrhauses. So konnte das Leben der Jüdin Hilde Barz (geb. Stein) gerettet werden. Nur am Rande: Während Emonds das Ehepaar auf seinem Dachboden versteckte, war im Erdgeschoss ein kleiner Stab der SS untergebracht. »Von den Lebensmitteln der Verfolger konnten die Verfolgten gut leben«, so Hans-Dieter Arntz.Gemeinsam mit dem bekannten Kunstkenner und Sachverständigen Günter Goebbels aus Langenfeld hat sich der Euskirchener Historiker seit rund drei Jahrzehnten um eine posthume Würdigung des katholischen Geistlichen bemüht. Es waren zwar dicke Bretter zu bohren, aber letztlich hat sich das Engagement gelohnt. Die Auszeichnung im Plenarsaal des Berliner Kammergerichts wird persönlich durch den Botschafter des Staates Israel, Yakov Hadas-Handelsman, überreicht.

Derzeit bemüht sich Hans-Dieter Arntz darum, dass ein Weg an der Kirchheimer Kirche nach Joseph Emonds benannt wird. Einen entsprechenden Vorschlag hat er im Sommer dem Pfarrgemeinderat gemacht. Zudem soll eine Gedenkplakette am Pfarrhaus angebracht werden. Die bisherige Joseph-Emonds-Hauptschule in Kuchenheim ist im Sommer aufgelöst worden.

»Straße und Gedenkplatte sollen an einen Menschen erinnern, der ein standhafter Geistlicher - und Mensch! - war«, so Hans-Dieter Arntz.

Nazi-Gegner und Pazifist

Joseph Emonds hat sich nicht nur als entschiedener Nazi-Gegner einen Namen gemacht, sondern später auch als Pazifist und Mitglied der Friedensbewegung. Dabei pflegte er engen Kontakt zu Persönlichkeiten wie Bundespräsident Gustav Heinemann und dem Theologen Martin Niemöller.

Über diesen Aspekt im Leben Joseph Emonds' berichtet Hans-Dieter Arntz in einem Artikel im aktuellen Jahrbuch des Kreises Euskirchen (5.80 €, Buchhandel).

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„Schule mit Courage“ erhält Auszeichnung in Berlin

VG Traben-Trarbach. Traben-Trarbach / Berlin. Das Gymnasium Traben-Trarbach ist seit Januar offiziell „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Es setzt sich mit seinem demokratischen Schulentwicklungsprozess “Denk mal - mach mal“ seit Längerem in der Region für Fairness und Miteinander ein und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und Ausbau demokratischer und toleranter Strukturen innerhalb unserer Gesellschaft.   Auch auf Bundesebene tritt das Thema „Demokratie“ und „Toleranz“, wohl auch wegen der schwierigen Entwicklungen der letzten Jahre innerhalb wie auch außerhalb Deutschlands, immer mehr in den Vordergrund. Daher macht die Bundesregierung es sich zur Aufgabe, vorbildliche Projekte zu fördern, in denen sich junge Leute als Zukunftsträger unserer Gesellschaft für tolerantes Handeln einsetzen.   Zum Jugendkongress nach Berlin Unter dem Motto „Junge Ideen - Für eine lebendige Demokratie“ lädt das von der Bundesregierung gegründete „Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt“ (BfDT) vom 20. bis 24. Mai 2017 zum diesjährigen Jugendkongress nach Berlin ein. In über 70 Workshops und Außenforen beschäftigen sich etwa 470 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren aus ganz Deutschland mit zivilgesellschaftlichem Engagement und Fragen der Partizipation von Jugendlichen. So werden die vielfältigsten Themenbereiche gemeinsam bearbeitet wie Herausforderungen in der Arbeit mit Geflüchteten, Salafismus, Sensibilisierung gegen Rechtsextremismus, Homophobie, Konfliktmanagement oder Öffentlichkeitsarbeit.   Des Weiteren laufen Workshops und Außenforen zum Thema „Sport mit Courage – Demokratietraining“, „Zusammendenken - Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus“, „Hip Hop meets Politik“ oder „Rechte Symbole und Lifestyle“. Das komplette Programm ist online unter www.jugendkongress-berlin.de einsehbar.   Herausragende demokratiepädagogische Qualität Das Gymnasium Traben-Trarbach erhält in diesem Jahr erneut die Auszeichnung im Rahmen des Wettbewerbs „Förderprogramm Demokratisch Handeln“. Letzteres bescheinigt dem Gymnasium eine herausragende und besondere demokratiepädagogische Qualität. Als Vertreter für ihre Schule reisen Tom Binninger, Leo Kölsch, Sophia Meuser, Emma Müller, Rilind Sahitaj und Jost Stölben mit ihrer Lehrerin Anette Heintzen nach Berlin, um sich mit anderen jungen Engagierten auszutauschen und neue Ideen und Anregungen für ihr eigenes Engagement zu erhalten. Der Jugendkongress bietet den Jugendlichen die Gelegenheit, über verschiedene Themen zu diskutieren, sich für das eigene Engagement weiter zu professionalisieren und sich mit anderen Aktiven auszutauschen. Gemeinsam mit dem BfDT möchten sie der Öffentlichkeit zeigen, dass Jugendliche großes Interesse daran haben, sich für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie einzusetzen und sich bereits jetzt auf vielfältige Arten engagieren. Foto: FF.   Traben-Trarbach / Berlin. Das Gymnasium Traben-Trarbach ist seit Januar offiziell „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Es setzt sich mit seinem demokratischen Schulentwicklungsprozess “Denk mal - mach mal“ seit Längerem in der Region für…

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