Super-GAU: Wird das Wasser knapp?

Kreis Euskirchen. Bei einigen Versorgern herrscht Unsicherheit für den Fall einer nuklearen Katastrophe

Die Talsperren der Eifel sind sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebte Ausflugsziele. Hier lässt sich die wunderbare Natur der Eifel erleben und genießen. Die Seen dienen aber nicht nur  der Naherholung, sondern auch der Trinkwasserversorgung. Was aber geschieht, wenn es im Atomkraftwerk Tihange tatsächlich zum Super-GAU kommt? Wird das Wasser verseucht? Bricht die Wasserversorgung zusammen? Für den Fall, dass eine Talsperre nicht mehr nutzbar ist, sind laut Verordnung Notfallpläne vorgesehen. Das erklärt Dr. Arno Lehm-kühler, Leiter des Wasserverbands (WV) Oleftal. Sollte es zum Super-GAU kommen, werden wohl viele Talsperren der Nordeifel betroffen sein.

Verbundnetz

»Die Frage ist dann sowieso, ob eine Wasserversorgung noch gebraucht wird«, so Lehmkühler im Hinblick auf eine mögliche Unbewohnbarkeit der Region. Der WV Oleftal bezieht sein Wasser zu rund 90 Prozent aus der Oleftalsperre. »Wir arbeiten derzeit an einem Verbundnetz«, berichtet Lehmkühler. Dies würde im Notfall den Zugriff auf Grundwasserspeicher sowie eine Talsperre im Raum Trier ermöglichen. »Ich schätze, dass die von einem GAU nicht betroffen wäre«, sagt er. Allerdings wird das Projekt erst 2020 realisiert sein. Und wenn bis dahin etwas passiert? »Dann wird dem überwiegenden Teil der Bevölkerung keine leitungsgebundene Wasserversorgung zur Verfügung stehen«, erklärt Lehmkühler. Die Leute müssten ihr Wasser an den Brunnen abholen, die früher von den Kommunen betrieben worden seien.

Guter Rat ist teuer

Beim Wasserversorgungszweckverband Perlenbach ist man für den Fall eines Super-GAUs in Tihange noch etwas ratlos. Der Verband bezieht sein Wasser zu 100 Prozent aus der Perlenbachtalsperre. Geschäftsführer Derk Buchsteiner erklärt, dass man von der Trinkwasseraufbereitungsanlage Roetgen versorgt werde, wenn die eigene Talsperre nicht mehr nutzbar sei. Die Umstellung funktioniere innerhalb eines halben Tages. Doch sollte auch die Dreilägerbachtalsperre betroffen sein, ist guter Rat teuer. Deswegen will Buchsteiner bei der Städtregion Aachen nun noch einmal an die Arbeitsgruppe erinnern, die zu diesem Thema geplant gewesen sei. Auch die Gesundheitsaufsicht habe er über die Dringlichkeit des Themas informiert.

Keine Gefahr

Herbert Pagel, Geschäftsführer der Enwor in Herzogenrath, sieht die Wasserversorgung gewährleistet. Die Enwor versorgt ihre Kunden laut Pagel zu 70 Prozent mit Wasser aus Talsperren - darunter aus dem Obersee der Rurtalsperre, der Kalltalsperre und der Dreilägerbachtalsperre. Diese sind über Leitungen miteinander verbunden. Die Leitungen sind jedoch so angelegt, dass jede der Talsperren aus der Versorgung herausgenommen werden kann. Auch bei einem Super-GAU sieht Pagel die Wasserversorgung nicht in Gefahr. Denn die Tiefbrunnen, über die die Enwor verfügt, können  50 Prozent des normalen Wasserbedarfs fördern. Im Ausnahmefall könnte damit der Gesamtbedarf gedeckt werden. »Es gibt Notfallpläne der Städteregion, welche Wassermengen in so einer Situation an wen abgegeben werden. Man kann eine Autowaschanlage eher von der Versorgung ausschließen als ein Krankenhaus«, sagt Pagel.

Aus tiefen Schichten

Abgesehen davon werde das Wasser aus 16 bis 20 Meter tiefen Wasserschichten der Talsperren entnommen. Das Absinken des verseuchten Oberflächenwassers geschehe mit erheblicher Zeitverzögerung.  »Bei unseren kleinen Talsperren hätten wir drei bis vier Wochen Zeit, bei den großen acht bis zwölf Monate«, so Pagel. Allerdings - so sagt es eine Handlungsempfehlung der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches - sei die Strahlung, die der Mensch über das Trinkwasser aufnehme, bei einem atomaren Unfall gegenüber der übrigen Strahlung zu vernachlässigen.

Studien

Bei der Diskussion um mögliche Gefahren sollte nicht übersehen werden, dass die Szenarien den schlimmsten Fall behandeln. Die Gefahren sind real, doch ob es aufgrund der Haarrisse im Reaktordruckbehälter tatsächlich zu deren Bersten und zur nuklearen Katastrophe kommt, ist unklar. Uneinigkeit herrscht darüber, ob die Risse erst im Betrieb oder schon bei der Herstellung des Behälters entstanden. Es gibt keine Studien zur Wahrscheinlichkeit eines Super-GAUs. Im Fall des GAUs liegt die Wahrscheinlichkeit laut Studie bei 30 Prozent, dass der Grenzwert der atomaren Dosis in der Region um das Dreifache überschritten wird. Mit zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit trifft die Region radioktiver Niederschlag mit Folgen wie in Tschernobyl.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.