Wolfgang Andres

"Viele Menschen verdanken ihm das Leben"

Kreis Euskirchen. Auf internationale Resonanz stößt das Buch des Euskirchener Regionalhistorikers Hans-Dieter Arntz über Josef Weiss, den letzten Judenältesten von Bergen-Belsen. Unter anderem wurde der Autor zu Buchvorstellungen nach Jerusalem, Amsterdam, Westerbork (Niederlande) und Bergen-Belsen eingeladen. Doch vorab hat es sich Landrat Günter Rosenke nicht nehmen lassen, das Buch in der ehemaligen Heimat von Josef Weiss zu würdigen.

Josef Weiss (1893 bis 1976) hat seine Kindheit und Jugend in Flamersheim verbracht, später lebte und arbeitete er in Köln. Mit Beginn der NS-Herrschaft im Jahre 1933 geriet sein Leben immer mehr aus den Fugen. Jüdisches Leben war fortan in Deutschland nicht mehr erwünscht, die menschenverachtende NS-Ideologie mündete schließlich im Holocaust.Mitten in dieser industriellen Vernichtungsmaschinerie stand auch Josef Weiss, dem es als »Judenältesten« im KZ Bergen-Belsen gelang, unzählige Menschen vor dem sicheren Tod zu bewahren. Dazu muss man wissen, dass die Rolle dieser Judenältesten durchaus ambivalent war. Als verlängerter Arm der SS waren diese »Funktionshäftlige« häufig nur Handlanger der Nazis, die nur danach trachteten, die eigene Haut zu retten.Solch ein Mensch war Josef Weiss mitnichten! Im Gegenteil. Er vertrat in erster Linie die Interessen seiner Mithäftlinge und tat sein Bestes, um so viele Menschen wie möglich vor dem sicheren Tod zu retten. Das waren im Nachhinein oft Kleinigkeiten, aber wenn er beispielsweise die Listen mit den verstorbenen Lagerinsassen ein paar Tage zurückhielt, dann bedeutete das für die anderen zusätzliche Brotrationen. Wie hoch ihm das die Überlebenden nach dem Krieg angerechnet haben, sieht man auch daran, dass die 2000 Überlebenden des »Sternlagers«  ihn weiterhin als ihren Repräsentanten ansahen. Im Gegensatz zu vielen anderen Judenältesten wurde Josef Weiss nach dem Krieg mit offenen Armen in Israel empfangen.»Viele Menschen verdanken ihm das Leben«, betont Hans-Dieter Arntz (71), der sich in der vergangenen fünf Jahren intensiv mit Josef Weiss beschäftigt hat. Dabei profitierte er von seinen hervorragenden Kontakten, die sich im Laufe der Zeit (und seiner bisherigen 15 Bücher) ergeben haben. Insofern verwundert es nicht, dass er für die Weiss-Biografie auf zahlreiche Quellen zurückgreifen konnte, die der bisherigen Forschung nicht zur Verfügung standen.  Somit ist das über 700 Seiten starke Buch bei weitem nicht nur für die regionale Geschichte von Interesse, sondern es hat internationale Bedeutung. So heißt es in einer ersten Rezension, dass das Buch »eine weitere Lücke in der Holocaust-Forschung geschlossen« habe (Hagalil).Besonders dankte Arntz Landrat Günter Rosenke, dass er hier - in der ehemaligen Heimat von Josef Weiss - ein Zeichen gesetzt und ihn posthum gewürdigt habe. Rosenke: »Josef Weiss ist in einer unmenschlichen Umgebung menschlich geblieben. Das kann man gar nicht genug würdigen.«Hans-Dieter Arntz, Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen / Josef Weiss - würdig in einer unwürdigen Umgebung, Helios-Verlag, 38 €, ISBN 378-3-86933-082-2.

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Damit der Bürger weiß, was er tun kann und muss

Monschau. »Wir wollen keine Panik verbreiten - wir wollen, dass die Menschen wissen, was sie jetzt und in einem möglichen Katastrophenfall tun und wie sie sich schützen können.« Städteregionsrat Helmut Etschenberg kämpft wie kein Zweiter für die Abschaltung des Atomkraftwerks »Tihange 2« in Belgien. Nun wurde unter seiner Federführung eine 24-seitige Informationsbroschüre verfasst.Region (Fö). Warum ist das Kernkraftwerk in Tihange gefährlich? Wie verhalte ich mich im Falle eines Falles richtig? Und: Was hat es mit den Jodtabletten auf sich? Das sind nur drei von vielen Fragen, die die Bevölkerung derzeit beschäftigen. Antworten darauf gibt jetzt die auf der EUREGIO-Wirtschaftsschau vorgestellte Informationsbroschüre. Herausgeber ist die StädteRegion Aachen gemeinsam mit der Stadt Aachen, den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg in Kooperation mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland-Pfalz. Die Broschüre, die in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit aller Partner entstanden ist, trägt den Titel »Informationen für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerks Tihange (B)«. Fachleute aus der ganzen Region haben die Informationen zusammen getragen. Städteregionsrat Helmut Etschenberg: »Die Broschüre ist die erste ihrer Art und nur der erste Baustein unserer Katastrophenschutzplanung.«Schwerpunkte sind die Kraftwerke in Belgien, die Wirkung von Radioaktivität und der Katastrophenschutz in NRW. Es wird geklärt, wie die Bevölkerung im Ernstfall gewarnt wird, und welche Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen beachtet werden müssen. Die Einnahme von Jodtabletten und das richtige Verhalten bei einem GAU in Tihange werden erläutert. »Das Medienhaus Weiss ist nicht nur der Klage gegen Tihange beigetreten, es hat uns auch bei der Produktion der Informationsbroschüre unterstützt«, dankt Etschenberg dafür, dass nicht nur Politiker und Institutionen, sondern auch Unternehmen für die »gemeinsame Sache« einstehen.36.000 Broschüren sind gedruckt worden. Die Exemplare sind in den Rathäusern sowie den Kreishäusern und im Haus der StädteRegion Aachen erhältlich. Mehr Informationen und die gesamte Broschüre als E-Paper gibt es unter www.staedteregion-aachen.de/tihange»Wir wollen keine Panik verbreiten - wir wollen, dass die Menschen wissen, was sie jetzt und in einem möglichen Katastrophenfall tun und wie sie sich schützen können.« Städteregionsrat Helmut Etschenberg kämpft wie kein Zweiter für die Abschaltung…

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