Wolfgang Andres

Würdig in unwürdiger Umgebung

Kreis Euskirchen. Die älteren Flamersheimer werden sich noch an die Familie erinnern, auch wenn schon viele Jahrzehnte vergangen sind. Die jüdische Familie Weiss war vor dem 2. Weltkrieg nicht nur im Leben der Synagogengemeinde aktiv, sondern auch fest im dörflichen Leben des Dorfes verankert. Doch einer von ihnen, Josef (»Jupp«) Weiss, ist in der Erinnerung vieler Menschen bis heute lebendig geblieben. Als »Judenältester von Bergen-Belsen« hat er es geschafft, »würdig in einer unwürdigen Umgebung« zu bleiben. Ihm ist eine über 700 Seiten umfassende Biografie gewidmet, die der Euskirchener Historiker Hans-Dieter Arntz jetzt vorgelegt hat - und die auch und gerade in Fachkreisen mit großem Interesse erwartet wird.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Hans-Dieter Arntz mit Jupp Weiss (1893-1976), dessen Leben und Schicksal er bereits mehrere (kürzere) Arbeiten gewidmet hat. Was ihn seit jeher an diesem Mann fasziniert hat: Der aus Flamersheim stammende Jude Josef Weiss ist zum Vorbild und zur Hoffnung vieler gequälter Menschen geworden - und das, obwohl er von den Nazis als »Judenältester« im KZ Bergen-Belsen ernannt wurde. In der Regel sind diese »Funktionshäftlinge« die verlängerten Arme der SS-Verbrecher gewesen, die - zur Erlangung eigener kleiner Privilegien - wenig Rücksicht auf die Leidensgenossen genommen haben. Doch Josef Weiss war offensichtlich anders. In einem Lager, das zum Synonym für Terror, Gräuel und verhungerte Menschen wurde, hat er einen für unmöglich erachteten Balanceakt geschafft: Einerseits war er ein kleines Glied in der Befehlskette des NS-Terrors, andererseits vertrat er die Interessen der Lagerinsassen uneigennützig und gegen den brutalen Widerstand der SS.  Dass er sich dabei offensichtlich tadellos verhielt, wird aus einer Tatsache ganz besonders deutlich: Die 2.000 Überlebenden des »Sternlagers« (im KZ Bergen-Belsen) sahen ihn auch weiterhin als wichtige Persönlichkeit an und respektierten seine Maßnahmen.

 

Hans-Dieter Arntz: »Dass Josef Weiss in solch einem Inferno zum Vorbild und zur Hoffnung vieler gequälter Menschen werden konnte und als letzter Judenältester schließlich zur charismatischen Persönlichkeit wurde, widerspricht eigentlich der grundsätzlichen Diskriminierung aller Funktionshäftlinge.« Und gerade darum wird das Buch auch in Fachkreisen im In- und Ausland mit großem Interesse erwartet. So heißt es in einer ersten Rezension der renommierten Website »HaGalil«, dass das Arntz-Buch »eine weitere Lücke in der Holocaust-Forschung« schließe.Somit ist das als Biografie konzipierte Buch ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um die angeblich »willigen Helfer« des NS-Terrors und ein weiterer Nachweis über die Vernichtungsmaßnahmen in Bergen-Belsen. Dass es aber auch viele »unbesungene Helden« gab, die keinen Platz in der Historie fanden, hebt der Autor immer wieder anhand von bisher unbekannten Beispielen hervor. Wer sich schon vorab ein Bild von dem Buch machen möchte: Auf der Website des Autors findet sich ein ausgesprochen umfangreiche Inhaltsverzeichnis des Buches: www.hans-dieter-arntz.deHans-Dieter Arntz, Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen,   Helios-Verlag      Aachen,  712 Seiten; das Buch erscheint Mitte Oktober.

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Damit der Bürger weiß, was er tun kann und muss

Monschau. »Wir wollen keine Panik verbreiten - wir wollen, dass die Menschen wissen, was sie jetzt und in einem möglichen Katastrophenfall tun und wie sie sich schützen können.« Städteregionsrat Helmut Etschenberg kämpft wie kein Zweiter für die Abschaltung des Atomkraftwerks »Tihange 2« in Belgien. Nun wurde unter seiner Federführung eine 24-seitige Informationsbroschüre verfasst.Region (Fö). Warum ist das Kernkraftwerk in Tihange gefährlich? Wie verhalte ich mich im Falle eines Falles richtig? Und: Was hat es mit den Jodtabletten auf sich? Das sind nur drei von vielen Fragen, die die Bevölkerung derzeit beschäftigen. Antworten darauf gibt jetzt die auf der EUREGIO-Wirtschaftsschau vorgestellte Informationsbroschüre. Herausgeber ist die StädteRegion Aachen gemeinsam mit der Stadt Aachen, den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg in Kooperation mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland-Pfalz. Die Broschüre, die in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit aller Partner entstanden ist, trägt den Titel »Informationen für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerks Tihange (B)«. Fachleute aus der ganzen Region haben die Informationen zusammen getragen. Städteregionsrat Helmut Etschenberg: »Die Broschüre ist die erste ihrer Art und nur der erste Baustein unserer Katastrophenschutzplanung.«Schwerpunkte sind die Kraftwerke in Belgien, die Wirkung von Radioaktivität und der Katastrophenschutz in NRW. Es wird geklärt, wie die Bevölkerung im Ernstfall gewarnt wird, und welche Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen beachtet werden müssen. Die Einnahme von Jodtabletten und das richtige Verhalten bei einem GAU in Tihange werden erläutert. »Das Medienhaus Weiss ist nicht nur der Klage gegen Tihange beigetreten, es hat uns auch bei der Produktion der Informationsbroschüre unterstützt«, dankt Etschenberg dafür, dass nicht nur Politiker und Institutionen, sondern auch Unternehmen für die »gemeinsame Sache« einstehen.36.000 Broschüren sind gedruckt worden. Die Exemplare sind in den Rathäusern sowie den Kreishäusern und im Haus der StädteRegion Aachen erhältlich. Mehr Informationen und die gesamte Broschüre als E-Paper gibt es unter www.staedteregion-aachen.de/tihange»Wir wollen keine Panik verbreiten - wir wollen, dass die Menschen wissen, was sie jetzt und in einem möglichen Katastrophenfall tun und wie sie sich schützen können.« Städteregionsrat Helmut Etschenberg kämpft wie kein Zweiter für die Abschaltung…

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