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Mieterin droht Obdachlosigkeit

Bad Münstereifel. »Ich werde von meiner Vermieterin terrorisiert, doch leider finde ich keine neue Wohnung«, sagt Christiane Hirsch. Sie und Hündin Julchen könnten deshalb bald wohnungslos sein.

In nur einem Monat könnten Christiane Hirsch und ihre Hündin Julchen auf der Straße stehen. Dabei zahle sie seit dem Einzug in eine Erdgeschosswohnung in Bad Münstereifel vor acht Monaten ihre Miete immer pünktlich. Auch die Zimmer der 45 Quadratmeter kleinen Bleibe halte sie - sofern es ihr kaputtes Knie zulässt - immer in Schuss. »Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen und trotzdem: meine Vermieterin terorrisiert mich und hat nun das Mietverhältnis gekündigt«, erzählt die 58-Jährige.

Angefangen habe das Dilemma schon wenige Wochen nach ihrem Einzug im Februar. »Meine Vermieterin wollte plötzlich, dass ich Arbeiten, wie das Aufhängen ihrer Wäsche für sie übernehme. Das habe ich natürlich verweigert, schließlich habe ich einen Miet- und keinen Arbeitsvertrag unterschrieben«, erzählt Christiane Hirsch. Zumal sie sowohl bei der Besichtigung als auch beim Einzug noch aufgrund eines Unfalls im Rollstuhl gesessen habe. Kurze Zeit später, von Mai bis August, habe die Vermieterin dann »Konsequenzen« gezogen und ihr das warme Wasser abgestellt. Kein Duschen, kein Spülen - Christiane Hirsch sei daraufhin zu ihrem Vater nach Zülpich gefahren. »Trotz allem habe ich nie meine Miete gekürzt. Ich wollte in Ruhe eine neue Wohnung suchen«.

Innerhalb von vier Tagen Wohnung verlassen

Die Ruhe war dann jedoch endgültig vorbei, als ihr die 87-jährige Vermieterin im September den Zugang zum Waschraum, in dem sie noch ihre Waschmaschine stehen hatte, verweigerte.

Ein paar Tage später dann der nächste Schock: Ende September flatterte Christiane Hirsch die Kündigung per E-Mail zu. »In dem Schreiben heißt es, dass sie mir das Mietverhältnis angeblich schon vor sechs Monaten - also zwei Monate nach Einzug - gekündigt hat und ich nun innerhalb von vier Tagen ausziehen soll«. Auch ein Anwaltsschreiben folgte. »Ich habe mir dann einen Pflichtverteidiger geholt. Einen eigenen Anwalt kann ich mir mit meiner Invalidenrente nicht leisten«. Der habe immerhin erreicht, dass sie noch bis Januar ein Dach über dem Kopf hat.

Seit Oktober sitzt Christiane Hirsch nun überwiegend im Kalten, da die Vermieterin jeden Monat für zwei Wochen in ihr Feriendomizil auf Teneriffa fliegt. »Für diese Zeit stellt sie dann ihre Heizung ab und meine gleich mit«. Warm hatte sie es - abgesehen von den Sommermonaten - aber grundsätzlich noch nie in ihrer Wohnung. »Die Heizung in der Küche war von vornherein eine Attrappe«.

Mittlerweile darf die Frührentnerin mit ihrem verletzten Knie auch nicht mehr auf dem von ihr gemieteten Parkplatz parken. Den Grund hat die Vermieterin auf ein großes Halteverbotsschild geklebt: »Erst Ölfleck beseitigen, dann Parken«. Die Mieterin habe daraufhin ihr Auto untersuchen lassen: »Es ölt nichts. Trotzdem parke ich jetzt lieber woanders«.

Seit Mai sucht Christiane Hirsch nun händeringend nach einer Erdgeschosswohnung, in die sie mit ihrer ruhigen Hündin Julchen einziehen kann. Sie kann maximal 400 Euro für die Warmmiete aufbringen. Ihre Telefonnumer gibt der WochenSpiegel auf Nachfrage weiter.

Die Vermieterin hat sich übrigens auf Nachfrage des WochenSpiegel nicht zu Wort gemeldet.

Fall Hirsch: Darf die Vermieterin das?

Hans Jörg Depel, Pressesprecher des Mietervereins Köln sagt: »Grundsätzlich gilt: gemietet, wie besichtigt. Wenn aber Heizkörper in der Wohnung vorhanden sind, darf der Mieter davon ausgehen, dass diese funktionieren. Alles andere sind versteckte Mängel, gegen die man rechtlich vorgehen kann. Im Fall von Frau Hirsch darf die Vermieterin auch die Nutzung des Parkplatzes nicht verweigern, so lange die Mieterin dafür zahlt. Die Ölflecken sind nur vor dem Auszug zu beseitigen«.

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Kommentar von Anke
Ich könnte zumindest für den Übergang eine Ferienwohnung in Zülpich anbieten, falls es eng wird, Email an die Redaktion ist raus. mfg Anke