tn

Wer zu nah wohnt, muss selbst zahlen

Bad Münstereifel. In 2014 ist Stefanie Laubenthal aus dem Mechernicher Ortsteil Weyer nach Bad Münstereifel-Eicherscheid gezogen. »Nach der Trennung von meinem Mann sollten es meine Kinder näher zur Schule haben«, erzählt die Alleinerziehende. Hätte sie allerdings gewusst, dass sie für die Fahrtkosten ihrer drei Kinder zum nur zwei Kilometer entfernten St. Angela-Gymnasium so tief in die Tasche greifen muss, wäre die Wohnortwahl wahrscheinlich anders - auf einen weiter entfernten Ort - ausgefallen.

Denn  der Gesetzgeber hat festgelegt: Wenn ein Kind weniger als 3,5 Kilometer von der Schule entfernt wohnt, müssen die Fahrtkosten für den Bustransfer selbst gezahlt werden.
Im Fall von Stefanie Laubenthal, die momentan drei schulpflichtige Kinder hat, sind das 32 Euro pro Kind und pro Monat - aufs Jahr gerechnet also 1.152 Euro. Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg rechtfertigt den Preis für das Schülerticket, das ausschließlich für ein ganzes Schuljahr bezogen werden kann, mit folgendem Argument: »Zu diesem Preis kann das gesamte VRS-Netz rund um die Uhr und in den Ferien befahren werden«, sagt Benjamin Jeschor, stellvertretender Pressesprecher beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg. »Meine Kinder brauchen kein Ticket für das gesamte VRS-Gebiet, lediglich für eine Haltestelle in einem ohnehin überfüllten Bus«, klagt Stefanie Laubenthal. Zum Vergleich: Ein Kind, das weiter als 3,5 Kilometer von der Schule entfernt wohnt, zahlt aktuell  nur 12 Euro. In diesem Fall wird der Preis sogar noch einmal gestaffelt. Geschwisterkinder zahlen nur noch die Hälfte - also 6 Euro und das dritte Kind hat freie Fahrt. »Zumindest könnte der Preis für Selbstzahler auch gestaffelt werden«, so Laubenthal.
Auf diesen Missstand habe die Mutter auch schon die Schulleitung, das Busunternehmen und die Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian aufmerksam gemacht. »Die Verantwortung wird sich nur gegenseitig in die Schule geschoben«, sagt die Mutter. An der Schule ihrer Kinder gibt es zwar einen Förderverein, der sie finanziell unterstützen würde, aber »wäre das gerecht, Fördergelder für eine Ungerechtigkeit auszugeben?«.
Wenn es nicht gerade in Strömen regnet oder schneit, schickt sie ihre Kinder deshalb mit dem Fahrrad zur Schule. Die Kurzstrecke zu Fuß zurückzulegen, halte sie für unzumutbar. »Der Schulranzen meiner Töchter oder meines Sohnes wiegen zeitweise fast acht Kilogramm«. Zudem sei die Strecke neben einer Schnellstraße, die noch nicht einmal beleuchtet ist und im Winter auch nicht geräumt werde. »Da lasse ich meine Kinder mit Sicherheit nicht lang laufen«, beschwert sie sich.
Daher sieht sich Stefanie Laubenthal dazu gezwungen, ihre Kinder bei Unwetter und Eis oder Schnee mit dem Pkw zu fahren. Um pünktlich auf ihrer Arbeitsstelle im rheinland-pfälzischen Wershofen zu sein, muss sie die Kinder 50 Minuten vor Schulbeginn absetzen. Und auch nach Schulende müssen sie auf sie warten, weil Dienstende erst um 15 Uhr  ist.
Alternativ kaufen ihre Kinder tageweise Einzeltickets. »Meine beiden Töchter teilen sich dann ein Vier-Fahrten-Ticket für 5,20 Euro«. Hinzu komme die Fahrkarte für den Sohn. Auf Dauer sei das daher keine Lösung. »Ich möchte auch keine Bittstellerin sein, die bei den Nachbarn fragt, ob sie ihre drei Kinder mit in Richtung Schule nehmen können«, so die Zugezogene. Jedes Jahr im Herbst koche deshalb dieser Missstand wieder hoch. »Ich habe auch schon an eine Unterschriftensammlung gedacht. Ich weiß aber leider nicht, woher ich die Zeit nehmen soll«, sagt Stefanie Laubenthal.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.