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Minischweine lösen Kleinkrieg aus

Wichterich. Jeder Dorfbewohner kennt sie, die »frische Landluft«. Den etwas strengen Geruch nach Tierstall und Mist riechen die Bewohner der Jahnstraße angeblich täglich. Der Grund: Die Minischweine im Garten von Tamara Reinhold. »Einige Nachbarn haben sogar Unterschriften gesammelt, damit ich meine Tiere abgeben muss«, so die 41-Jährige. Zum Teil haben sie ihr Ziel nun erreicht.

Angefangen hat der Nachbarschaftsstreit in Wichterich vor rund vier Jahren, als Tamara Reinhold ein zweites Schwein zu sich nach Hause holte, um es vor einem schrecklichen Tod zu retten. »Sowohl meine erste Sau Piggy, die ich bereits vor fünf Jahren auf Facebook entdeckte, als auch mein zweites Tier, waren Notfälle«, rechtfertigt sie ihre Entscheidung. Sie habe sich die Bilder der verwahrlosten Tiere in dem sozialen Netzwerk nicht länger ansehen können.

Zur Unterbringung hat sie das Gartenhaus ihres Vaters kurzerhand zum Stall umfunktioniert und liebevoll mit Stroh und Futter ausgestattet. Vor drei Jahren befreite die Mutter von zwei Kindern dann zwei weitere Säue aus schlechter Haltung. »Zumindest dachte ich, es wären zwei Weibchen gewesen. Es war aber ein Eber dabei«. Und mit dem Nachwuchs - es waren fünf Würfe in den letzten drei Jahren mit jeweils 15 bis 20 Ferkeln - wuchs zwar kein Grashalm mehr auf dem Grundstück der Reinholds, der Ärger der Nachbarn allerdings umso mehr. »Ich hatte nie vor, Schweine zu züchten und habe deshalb auch einen Abnehmer für den Eber und die Säue gesucht«, so Tamara Reinhold.

Hintergangen

Auch als eines ihrer Borstentiere den Maschendrahtzaun zum Nachbarn durchbiss, ist sie für den Schaden aufgekommen und hat mit einem Stabgitterzaun aufgerüstet. »Ich bin sogar auf die Nachbarn zugegangen und habe gefragt, ob sie sich durch die Schweine gestört fühlen. Nie machte jemand den Mund auf«, ist die Minischwein-Liebhaberin jetzt umso mehr enttäuscht von ihren Mitmenschen. Plötzlich habe es geheißen, dass die Tiere stinken und Fliegen und Ratten anziehen. Steht man allerdings im Garten des Einfamilienhauses, riecht es in der Jahnstraße nicht anders als in anderen Straßen.

Unterschriftenaktion

Reinhold: »Vor kurzem erfuhr ich dann von einer Unterschriftenliste, auf der Menschen für die Abschaffung meiner Schweine unterzeichnen können«. Außerdem habe man ihr mehrfach das Veterinäramt auf den Hals gehetzt - erfolglos. »Ich halte meine Tiere artgerecht und es gibt nichts zu beanstanden. Sie sind bei der Tierseuchenkasse gemeldet und tragen eine Marke«.

Bußgeld

Doch ihre Nachbarn gaben trotzdem nicht auf: »Die Bauaufsichtsbehörde hat sich bei mir gemeldet und mir mitgeteilt, dass ich nun das Gartenhaus nicht weiter als Schweinestall nutzen darf«, erzählt Tamara Reinhold. Zudem sei die Haltung von Nutztieren in einem Wohngebiet untersagt. Minischweine gelten als solche, auch wenn sie bei Tamara Reinhold wie Haustiere behandelt werden. Jetzt soll die Wichtericherin 600 Euro Bußgeld zahlen und ihren Garten, der momentan einem Acker gleicht, wieder herrichten.

Klage eingereicht

»Ich setze mich weiter für das Wohl der Tiere ein«, sagt Tamara Reinhold und erzählt, dass sie Klage gegen den Beschluss vom Bauamt eingereicht hat. Dennoch haben die Nachbarn ihr Ziel insofern erreicht, dass sie bald von fünf Tieren nur noch eins besitzt. »Zwei von ihnen waren zu alt und gebrechlich für eine Umsiedlung und wurden eingeschläfert. Für zwei weitere habe ich einen Halter gefunden«. Das fünf Monate alte Schweinchen Mila lebt ab sofort im Haus. Im Frühjahr soll sie wieder draußen leben.

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