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13 Monate im bolivianischen Hochland

Maifelder als "Friedensarbeiter" in Südamerika

Münstermaifeld. Bolivien ist ein plurinationaler Staat. Neben 40 indigenen Völkern - vor der Eroberung der Conquistatores waren es 400 - gibt es viele Spanischstämmige und auch "Gringos". Paul Berens aus Münstermaifeld war 13 Monate mittendrin.

Paul Berens (20) ist seit drei Monaten wieder in seiner Heimat. 2015 traf er die Entscheidung bei der kirchlichen Organisation "Soziale Friedensdienste im Ausland" (SoFiA) ein freiwilliges Jahr in der Friedensarbeit zu absolvieren. Ende des Jahres wusste er, dass es mit nach Bolivien gehen würde. Fünf Vorbereitungsseminare später ist es soweit. Von August 2016 bis zum September 2017 war er "Friedensarbeiter" in Bolivien. Vor der Arbeit stand aber zunächst ein Sprachkurs in La Paz an. Der Regierungssitz liegt bis zu 4.100 Meter über dem Meeresspiegel. "Ganz schön dünne Luft, aber die habe ich gut verkraftet. eine Woche war mir etwas übel und ich hatte etwas Kopfschmerzen", lacht er heute. Drei Wochen lernt er zusammen mit sieben weiteren jungen Menschen spanisch. Dann geht es für den Münstermaifelder zu seinem Einsatzort in das Departamento Cochabamba. Hier ist der bekennende Pfadfinder, der seit sechs Jahren bei den "Maifeld Scouts" aktiv ist, der Distriktleitung der dortigen Pfadfinder zugeteilt, die rund 3.500 junge Menschen betreut.

Paul der Pfadfinder

Paul arbeitet mit dem Stamm "Murray Dickson", der vor 50 Jahren rund um das American Institute gegründet wurde. "In Deutschland sind die Pfadfinder eine katholische Organisation, in Bolivien gibt es keine konfessionelle Bindung. Sie sehen ihre Aufgabe unter anderem in der ehrenamtlichen Umweltarbeit, der Umweltaufklärung und in der Betreuung sozialer Projekte, beispielsweise in Kinderheimen", erklärt der Maifelder, der den Einsatz der Bolivianer sehr intensiv empfand, obwohl sie mit einfacheren Mitteln auskommen müssen. "Ein Beispiel sind recycelte Mülleimer", führt er an. Paul Berens findet sich in seiner neuen Welt schnell zurecht. "Es war auch kein Kulturschock, denn mir war ja früh klar, dass ich nach Bolivien gehe. Und wenn es in Deutschland heißt, dass es die Südamerikaner nicht so mit der Pünktlichkeit haben, dann kann ich nur den Erzbischof von La Paz zitieren, der gesagt hat, dass die Zeit für den Menschen da ist und nicht der Mensch für die Zeit", schmunzelt der 20-Jährige, der sein Ziel für das Leben zu lernen voll und ganz erreicht sieht.

200 Euro Taschengeld

Mit 200 Euro Taschengeld im Monat - 100 Euro von »SoFia«, 100 Euro von der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg - kommt Paul Berens gut klar. "Abends sind wir immer in eine Straßenküche essen gegangen. Für zehn Bolivianos - das entspricht einem Euro - kann man nicht selbst kochen. Da war auch immer Fleisch dabei, sogar Lama. Für Vegetarier ist Bolivien wohl kein optimales Land", erzählt der Münstermaifelder. Und dann ist da noch die digitale Welt, die den Kontakt in die Heimat und heute nach Bolivien sichert. "Das Internet ist schneller als in Münstermaifeld", so Berens, der demnächst ein Studium der Sozialwissenschaften aufnehmen und im kommenden Sommer noch einmal nach Bolivien reisen will. "Mein Herz schlägt schon ein bisschen für dieses Land", ist seine einfache und lapidare Erklärung.

Soziale Friedensdienste im Ausland (SoFiA)

Der Freiwilligendienst im Ausland beginnt nicht erst mit der Ausreise, sondern schon fast ein Jahr vorher. Er ist auch mit der Rückkehr nach Deutschland noch lange nicht zu Ende. Damit das gelingt, gibt es ein umfangreiches Seminarprogramm, das vom Orientierungswochenende über die Vorbereitungsseminare, Begleitseminare und das Rückkehrerseminar bis zum Engagementseminar reicht. 

Fotos: Pauly(1)/privat(3)

www.sofia-trier.de

 

 

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