Thorsten Wirtz

Abfalldeponie Strohn: Im Dorf kippt die Stimmung

Kreis Vulkaneifel. Buchstäblich um »fünf vor zwölf« ging am vergangenen Mittwoch eine Infoveranstaltung der Ortsgemeinde Strohn im rappelvollen Bürgersaal zu Ende. Fünf Stunden lang wurde über die geplante Abfalldeponie diskutiert. Die Mehrheit der rund 350 Anwesenden sah die Pläne des Investors und der Ortsgemeinde kritisch.

Eins wurde mehr als deutlich: Eine klare Mehrheit der Strohner Bürger sieht die Pläne von Jörg Scherer, in der Lavagrube am Wartgesberg eine Abfaldeponie der Deponieklasse (DK) I zu errichten, mehr als kritisch. Rund 350 Besucher aus dem Dorf und den Nachbargemeinden wollten ihre Fragen an den Lavagruben-Betreiber sowie Vertreter der Bürgerinitiative, der Ortsgemeinde und der Naturschutzverbände richten um zu erfahren, was wirklich geplant ist im Steinbruch am Wartgesberg. Viele Interessierte erhielten keinen Einlass mehr ins überfüllte Gemeindehaus, für sie wurden die Fenster geöffnet, damit sie die Diskussion von draußen mit verfolgen konnten.

 

Eindeutige Antworten blieb Jörg Scherer den Zuhörern jedoch immer wieder schuldig: Werden nur Abfälle aus dem Landkreis Vulkaneifel und den Nachbar-Landkreisen angeliefert? Kann ausgeschlossen werden, dass es zu Mülltourismus kommt? Wie gefährlich sind die »gefährlichen Stoffe«, die für die Deponie genehmigt werden sollen, wirklich für die Umwelt? ? Auch Ortsbürgermeister Alois Pohlen konnte die kritischen Stimmen nicht beruhigen. Es habe keine Heimlichtuerei rund um das Projekt gegeben, die Öffentlichkeit sei immer informiert worden, so der Orts-Chef.

Appelle an die Verantwortlichen

Viele forderten die Ortsgemeinderatsmitglieder auf, ihre Haltung zur Deponie noch einmal zu überdenken, oder am besten gleich die Bürger zu befragen.Viel Beifall erhielt Geologie-Professor Georg Büchel, der von der Einzigartigkeit der vulkanischen Erscheinungsformen rund um den Wartgesberg sprach. Auch Irene Sartoris, die das gemeindeeigene Vulkanmuseum leitet und regelmäßig Führungen anbietet, richtete einen eindringlichen Appell an Jörg Scherer: »Lassen Sie uns gemeinsam etwas anderes hier gestalten!« Im Geo-Tourismus sehen viele die Zukunft für Strohn. Und dieses zarte Pflänzchen könnte nach Ansicht der Kritiker durch die Deponie zerstört werden. ? Noch läuft das Genehmigungsverfahren für die Deponie. Doch das aktuelle Stimmungsbild der Strohner ist jetzt auch bei den Behörden angekommen. Am Freitag gibt es ein neues Treffen der Podiums-Teilnehmer unter Leitung des Mediators, Rechtsanwalt Ralf Herbener, der auch schon die Info-Veranstaltung moderiert hat.

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