Thorsten Wirtz

Ein Ferientraum aus Lehm und Stroh

Kreis Vulkaneifel. Seit Jahrtausenden nutzen Menschen die Baustoffe Stroh und Lehm, um sich im Sommer vor Hitze und im Winter vor Kälte zu schützen. Auch beim Bau der Eifeler Fachwerkhäusern kamen die Stoffe aus der Natur zum Einsatz. Bei einem außergewöhnlichen Ferienhaus-Projekt am Pulvermaar bei Gillenfeld erleben die traditionellen Baustoffe jetzt eine Renaissance.

Wer vor einigen Wochen an der Baustelle oberhalb des Pulvermaars vorbeikam und die Arbeiter beim Aufschichten herkömmlicher Strohballen beobachtete, der konnte sich vielleicht gar nicht vorstellen, dass hier ein Ferienhaus entsteht, in dem schon bald Touristen erholsame Tage in der Vulkaneifel verbringen sollen. Mittlerweile ist das Dach gedeckt und die Wände sind verputzt, und auf den ersten Blick sieht man dem Neubau seine Außergewöhnlichkeit gar nicht direkt an.

 

Investor Bernd Hein aus Daun jedenfalls ist begeistert: »Dieses Haus passt einfach wunderbar ins Gesundland Vulkaneifel, denn die natürliche Bauweise mit Stroh und Lehm sorgt für ein ganz gesundes Raumklima.« Die Besonderheit des neuen Hauses liegt allerdings unter dem Lehmputz, denn die Wände bestehen komplett aus großen Strohballen. Und obwohl die verwendeten Baustoffe in der Menschheitsgeschichte eine lange Tradition haben, ist das Haus auf dem Gelände des Ferienparks am Pulvermaar ein bislang einmaliges Unikat, jedenfalls in der Vulkaneifel: Anders als bei anderen Öko-Häusern, bei denen Stroh als Dämmung in einer Holzständerkonstruktion zum Einsatz kommt, wird das Ferienhaus von Bernd Hein in »lasttragender Bauweise« errichtet. Ein umlaufender Ringanker, der über Gewindestangen mit dem Beton-Fundament des Hauses verbunden ist, sorgt für zusätzliche Stabilität.  Die Dämmung der 1,25 Meter dicken Wände liegt auf dem Niveau eines Passivhauses, eine Heizung ist also überflüssig, selbst im kalten Eifelwinter, wie Hein betont. Soviel Nachhaltigkeit und Innovationskraft kamen auch bei der Leader-Region Vulkaneifel gut an, die für die Realisierung des Prototyps Fördermittel in fünfstelliger Euro-Höhe bereitstellte. »Wenn das Haus gut bei den Gästen ankommt, soll es natürlich kein Einzelstück bleiben«, so Bauherr Bernd Hein zu seinen weiteren Plänen als Ferienhaus-Betreiber. Ideen für weitere Häuser hat der 75-Jährige bereits in der Schublade. Bei der Realisierung setzt er auf Know-how aus der Region: Architekt Johannes Pflüger aus Daun hat sich intensiv in die Materie eingearbeitet, und Bauunternehmer Albert Bauer aus Nohn war vom Baustoff Stroh so begeistert, dass er mittlerweile ebenfalls groß ins »Strohbaugeschäft« eingestiegen ist. Noch in der Wintersaison 2014/2015 sollen die ersten Feriengäste ins erste »lasttragende Strohballenhus der Vulkaneifel« einziehen.

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