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Schwanger, ein Geschenk Gottes - oder . . . ?

Diakonisches Werk bietet Beratung bei Problemen

Hunsrück/Nahe. „Ein Kind ist eine sichtbar gewordene Liebe“, schrieb einst der Schriftsteller und Philosoph Novalis. Doch was, wenn die Schwangerschaft ungewollt ist, weder geplant noch erwünscht? Was, wenn die Verhältnisse, zwischenmenschlich wie finanziell, kein Kind vorsehen? An wen kann eine betroffene Frau oder das Paar sich wenden, um in dieser emotionalen Situation ausreichend Beratung und auch Unterstützung zu bekommen?

 

 

Bei Fragen rund um die Themen Schwangerschaft und Schwangerschaftskonflikt, Geburt, Sexualität und Familienplanung bietet das Diakonische Werk im Evangelischen Kirchenkreis An Nahe und Glan in der Kurhausstraße 8 in Bad Kreuznach Beratungshilfen für Jugendliche, Frauen, Männer und Paare sowie Lehrkräfte, Erzieher und pädagogische Fachkräfte. Beraten wird rund um die Themen Kinderwunsch und Berufstätigkeit, wobei auch die Betreuungsangebote eine gewichtige Rolle spielen. Eine stabile Partnerschaft, die materielle Situation, gesundheitliche, finanzielle oder familiäre Krisen oder eben auch die Sexualität und Verhütung werden einfühlsam thematisiert.

Jeder kann sich beraten lassen

„Wichtig ist, dass die Hilfesuchenden wissen, dass es uns gibt, und dass hier jeder eine anonyme, kostenfreie und vertrauliche Beratung in Anspruch nehmen kann – egal, welches Alter, Geschlecht, Nationalität oder Religion“, betont Eckard Acker, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Bad Kreuznach. Circa 20 Fachkräfte stehen als Ansprechpartner für verschiedenste Lebensbereiche bereit und ermöglichen eine zeitnahe Reaktion, damit für die Hilfesuchenden keine langen Wartezeiten entstehen.

Die vom Land Rheinland-Pfalz anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle verzeichnet im Jahr durchschnittlich 400 Beratungsfälle und 956 Fälle von Beratungen an Schulen, in Kindertagesstätten oder auch bei Elternabenden. Laut bundesweiter Studie gibt es Beratungswünsche und Hilfsanfragen aus allen gebärfähigen Altersgruppen und Schichten.

Jugendlichen fehlt oft Ansprechpartner

„Viele Jugendliche nehmen das Angebot der Beratungsstelle in Anspruch, weil ihnen zu Hause einfach die Vertrauensperson fehlt“, erzählt Sozialpädagogin Birgit Mengel. „Wir übernehmen dann die Vermittlerrolle zwischen Eltern und Jugendlicher.“ 

Schwangere in verzweifelten Lebenssituationen werden bei einer „vertraulichen Geburt“ begleitet. "Frauen in extremen Notlagen müssen den Konflikt nicht alleine durchstehen", betont die Sozialpädagogin. Der volle Schutz der Anonymität sei gewährleistet. Bereits beim Erstkontakt bestimmt die Schwangere einen neutralen Treffpunkt. „Es ist wichtig, zuerst einmal eine Vertrauensbasis aufzubauen“, erzählt Mengel, denn meist sei die Hilfe suchende Frau bereits voller Angst. Doch welche Gründe auch immer für einen Kontakt oder gar die vertrauliche Geburt vorliegen, so garantiert diese, dass Kind und Mutter medizinisch bestens versorgt sind. Ein Berater steht begleitend und unterstützend zur Seite und stellt Kontakte zu Frauenarzt, Klinik oder Ämter her.

Vertrauliche Geburt: Alternative zur Babyklappe

Als erste wesentliche Frage steht im Raum, ob die Möglichkeit besteht, das die leibliche Mutter ihr Kind annehmen kann. Diese Frage sollte bis zur Geburt geklärt sein, denn nach der Geburt wird das Kind direkt an Adoptiveltern vermittelt. Anders jedoch als bei der „Babyklappe“, hat das Kind später die Möglichkeit, mit seinen leiblichen Eltern Kontakt aufzunehmen. 

Der Bereich der Prävention ist ein weiterer Schwerpunkt. Damit es vor allem bei jungen Paaren gar nicht erst zu ungewollten Schwangerschaften kommt, bietet das Diakonische Werk eine breite Palette von Aufklärungsveranstaltungen für Schulklassen und Jugendgruppen an. „Authentizität ist hier besonders wichtig“, betont Birgit Mengel. Sozialpädagogin Meike Steinert weist auf die großen Wissensdefizite bei den Themen Sexualität und Verhütung hin. „Ich erfahre immer wieder ein erschreckendes Halbwissen“, erzählt die Sozialpädagogin ihre Erfahrungen, die sich ihr bei den Veranstaltungen und Informationsabenden zeigen. Und dabei spielen die Schultypen keine große Rolle, denn dieses Halbwissen herrscht bei vielen Schülern, häufig begleitet durch Verunsicherungen und Ängste.

„Wir versuchen Wege zu finden, um Jugendliche zu erreichen, ohne dabei unnötig Ängste aufkommen zu lassen“, erklärt Steinert. Erschwerend sei auch, dass der Erwartungsdruck der Gesellschaft gestiegen sei, findet die Sozialpädagogin. Dies sei vor allem bei den männlichen Jugendlichen immer deutlicher zu spüren.    

Die Beratungsstelle des Diakonischen Werkes in Bad Kreuznach, Kurhausstraße 8, ist von Montag bis Donnerstag von 8 Uhr bis 17 Uhr, am Freitag von 8 Uhr bis 16 Uhr. Telefon: 06 71 / 84 25 10, E-Mail: dw.nahe-glan@ekir.de.

 

 

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