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Wer gewinnt? Rotenfels gegen den Grand Canyon

Duell der Sehenswürdigkeiten, Teil 2

Hunsrück/Nahe. Warum in die Ferne schweifen? Die Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele im Naheland müssen den internationalen Vergleich nicht scheuen. Im zweiten Teil unseres (augenzwinkernden) Zweikampfs der Wahrzeichen misst sich der Rotenfels mit dem Grand Canyon.

Auch vor den ganz großen Brocken muss das Naheland nicht zittern - selbst wenn wir weit hinüber auf die andere Seite des großen Teichs schauen, genauer: Bis in den US-Bundesstaat Arizona. Dort hat der Colorado River hartnäckig eine Schlucht in den Fels gegraben, die wir heute unter dem Namen "Grand Canyon" kennen. Dabei hat er ganze Arbeit geleistet: Auf einer Länge von rund 450 Kilometern hat sich das Wasser bis zu 2500 Meter tief ins Gestein gefressen.

Als Wanderer braucht man da schon eine Menge Geduld. Allein auf den drei bekanntesten Wander- "Trails" muss man auf insgesamt rund 50 Kilometern Länge bis zu 1500 Höhenmeter überwinden. Dafür kriegt man aber auch einiges geboten: Steine, Steine und nochmals Steine. Dazu Staub und vor allen Dingen brütende Hitze. Weil sie die Plackerei unter sengender Sonne nicht verkraften - oder sich von einer Klapperschlange beißen lassen - müssen jährlich hunderte von Wanderern von Rettungskräften aus den Schluchten geborgen werden. Kostenpflichtig, übrigens.

Auf dem Rotenfels geschieht das eher selten. Dort ist das Wandererlebnis nämlich deutlich kompakter: Die 1200 Meter entlang der Felskante lassen sich bequem an einem Nachmittag erwandern. So bleibt ausreichend Zeit für ausgiebige Pausen in den zahlreichen Bier- und Weingärten der näheren Umgebung. Natürlich kann das Felsmassiv deshalb nicht ganz mit der Gigantomanie auf der anderen Seite des Atlantiks mithalten. Aber mit seinen immerhin 202 Metern Höhe ist der Rotenfels auf Europas Festland immerhin die größte Steilwand nördlich der Alpen - und in den Staaten hat man's ja gerne etwas größer.

Dafür ist der Rotenfels mit seinen rund 270 Millionen Jahren aber auch deutlich älter. Außerdem müssen Wanderer zwischen Bad Münster und Norheim - anders als in Arizona - nicht unablässig auf Fels, Staub und Geröll starren. Da der Rotenfels praktischerweise keine Schlucht, sondern eine Felswand ist, gibt er zu Linken den bereits erwähnten Blick aufs satte Grün des Nahetals frei.

Und auch wenn Wassersportfreunde von spektakulären Raftingtouren auf dem Colorado schwärmen - die Wartelisten für dieses feucht-fröhliche Vergnügen sind mittlerweile so lang, dass man gerüchtehalber derzeit bis zu zehn Jahre auf seinen Termin wartet. Nein, danke! Da setzen wir doch lieber mit der Huttentalfähre über die Nahe. Oder steigen in Bad Münster ins Tretboot. Da sind erstens die Wartezeiten kürzer und zweitens wird man nicht so nass.

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