Magdalena Bomba

Pulver-Kurt tauschte Mine gegen Bier

Bad Sobernheim. Einen zerknirschten Eindruck machte der Pulver-Kurt an seinem ersten Verhandlungstag vor der zweiten Strafkammer des Landgerichtes durchaus nicht. Der 64-jährige Rentner und leidenschaftliche Waffensammler reagierte nicht nur verständnislos auf das große Medieninteresse an seiner Person, er schien auch noch nicht so ganz begriffen zu haben, weshalb er auf der Anklagebank sitzt.

Insgesamt 84 Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz werden dem nicht vorbestraften gelernten Werkzeugmacher zur Last gelegt. Er sammelte über Jahre hinweg Maschinengewehre, Maschinenpistolen und sonstige Schusswaffen. Darüber hinaus stellten die Ermittler bei ihm etwa 50 Kilogramm Sprengstoff, Handgranaten, Panzerfäuste und eine Antipersonenmine ohne Zünder sicher. Außerdem fanden die Polizisten in seinem Wohnhaus eine Art Museumszimmer vor: ein Regal mit Stahlhelmen drapiert mit der Reichskriegsflagge. Er habe keine Verbindung dazu, das sei das Zimmer seines jüngeren Sohnes, erklärte Kurt N. vor Gericht. Auch seine Teilnahme an einem sogenannten WW-II-Reenacting ? der Nachstellung von Schlachten des Zweiten Weltkriegs ? 2006 in Baumholder habe keinen rechtsradikalen Hintergrund, beteuerte der Angeklagte, der damals in der Uniform eines SS-Generals aufgetreten war. Ein Verfahren in dieser Sache gegen seinen Mandanten sei  gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt worden, erklärte Verteidiger Dr. Ulrich Stange.

Nahezu aufgedrängt wurden ihm nach seiner Darstellung zahlreiche illegale Waffen. Den Sprengstoff habe er von einem ehemaligen Bundeswehrkameraden, der schwer alkoholkrank gewesen sei. "Der fuhr in der Gegend rum und verkaufte den Leuten Sprengstoff gegen Alkohol", so der Angeklagte. Gegen ein paar Bier habe er auch die Antipersonenmine von diesem Freund erworben, um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Kurt N. will offenbar glauben, dass er mit seiner Art der Sicherstellung von Waffen und Sprengstoff richtig gehandelt hat. Sein Vater habe ebenfalls nach seiner Heimkehr von der Front überall im Dorf Waffen eingesammelt und vergraben. Allerdings räumte der Rentner auch ein, dass ihm die Sache irgendwie über den Kopf gewachsen war: "Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte." Verbittert ist er darüber, dass man einem unbescholtenen, angesehenen Bürger wie ihm zumutet, für die Haftkaution ein Darlehen aufzunehmen und, dass er voraussichtlich auch noch die Kosten des spektakulären Einsatzes zur Räumung seiner Scheune in Becherbach tragen muss.

"War der Aufwand angemessen, war das so gefährlich?" Diese Frage richtete der Vorsitzende Richter Dr. Bruno Kremer an den Sprengstoff-Sachverständigen des LKA Mainz. Die Gefährlichkeit des Sprengstoffes, der jahrelang in einem Unimog in der Scheune lagerte, bestand vor allem in dem hohen Gefrierpunkt des Nitroglyzerins von plus 12 Grad Celsius, erläuterte der Sachverständige. Dabei tritt das Sprengöl aus, es bilden sich Eiskristalle und es kann zu Initialzündungen kommen. "Das heißt bei unvorsichtiger Handhabung, wenn es runterfällt, kann es explodieren", so der Sprengstoff-Experte weiter. Aus diesem Grund musste der Sprengstoff durch einen Roboter ins Freie geschafft werden. Vor Ort auf einem Feld wurde mit einem Sicherheitsabstand von 1000 Metern gesprengt. Trotzdem seien noch Scheiben kaputt gegangen und es gab eine beeindruckende Druckwelle.

 

Die Verteidigung hatte zunächst das Ziel verfolgt, eine Verurteilung in einem minder schweren Fall zu erreichen. Ein Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten verlief allerdings ohne Resultat. Rechtsanwalt Stange stellte zur Überraschung von Staatsanwaltschaft und Gericht einen Antrag auf psychiatrische Begutachtung des Angeklagten. Sein Mandant sei schuldunfähig, da er an einer psychiatrischen Erkrankung, an Objektophilie, leide, begründete der Verteidiger den Antrag, dem das Gericht stattgab. Das Verfahren wird am Mittwoch, 15. August um 9 Uhr fortgesetzt.

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