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Bad Kreuznach

Schwangerenberatung des Diakonischen Werks ist gefragt

aw | 19.04.2013
284 schwangere Frauen haben im vergangenen Jahr Rat und Hilfe bei der Beratungsstelle für Schwangerschaft, Sexualität und Familienplanung im Diakonischen Werk (DW) gesucht.

284 schwangere Frauen suchten 2012 Rat und Hilfe bei der Beratungsstelle für Schwangerschaft, Sexualität und Familienplanung im Diakonischen Werk (DW) des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan. Diese Zahl gab DW-Geschäftsführer Eckart Acker in einem Pressegespräch bekannt. 143 der Frauen kamen in einem Schwangerschaftskonflikt in die Beratungsstelle. Sie ist die einzige Institution im Kreis Bad Kreuznach, die den gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsschein ausstellen darf, die Voraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch.

Erstmals Schwangere, die ein behindertes Kind erwarten, unter den Ratsuchenden

Unter den Ratsuchenden waren erstmals vier Frauen, die aufgrund einer pränatalen Diagnostik, einer speziellen Untersuchung des Ungeborenen, ein Kind mit Behinderung erwarteten. „Das ist eine besondere Problematik und große Herausforderung für unsere Beraterinnen“, erklärt Eckart Acker. Hier arbeite das DW eng mit dem Krankenhaus der Stiftung kreuznacher diakonie zusammen. „Eine solche Diagnose ist für die Frauen ein großer Schock, der ihnen den Boden unter den Füßen zu entziehen scheint“, berichtet Birgit Mengel. Von einer Minute zur anderen verändere sich deren Leben. Die Diplom-Sozialpädagogin und ihre Kolleginnen versuchen, den Druck zu mindern, den Prozess von der Diagnose bis zu einem möglichen Abbruch der Schwangerschaft zu entschleunigen und Platz für Trauer zu geben.

427 Beratungen insgesamt

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 427 Menschen zur Beratung ins DW. Die Schwangerenberatung nahmen in der Hauptsache Frauen im Alter zwischen 22 und 34 Jahren in Anspruch. Bei der Schwangerschaftskonfliktberatung lag der Schwerpunkt auf den Altersgruppen von 18 bis 21 und von 27 bis 34 Jahren. Unter den Ratsuchenden waren nur fünf junge Frauen unter 18 Jahren.

Drei Beraterinnen kümmern sich um vielfältige Probleme

Die drei Beraterinnen, die sich im DW auf 2,6 Personalstellen aufteilen, sehen sich täglich mit einer Vielzahl von Problemlagen konfrontiert. „Es sind vor allem ungesicherte Arbeitsverhältnisse, die den Frauen die Entscheidung für ein Kind schwer machen“, berichtet Birgit Mengel. Sie müssten befürchten, arbeitslos zu werden, wenn der Arbeitgeber von der Schwangerschaft erfährt. Wenn dann der Partner nicht zu der Frau und dem Kind steht, sehen sie oft keine Möglichkeit, allein für den Nachwuchs zu sorgen. In finanzielle Nöte bringt eine unerwartete Schwangerschaft aber nicht nur unverheiratete Frauen, sondern auch Familien, die bereits mehrere Kinder haben. Nicht wenige Väter verdienen ihr Geld bei Zeitarbeitsfirmen oder in anderen prekären Arbeitsverhältnissen. Hier versuchen die Beraterinnen Wege aus dem Dilemma aufzuzeigen und individuelle Unterstützung anzubieten.

Konkrete Hilfen, Informationen und Unterstützung

Das können ganz konkrete Hilfen sein, vom Zuschuss für die Baby-Erstausstattung über Informationen zu Mutterschutz und Hebammenleistung, zu Kindergeld, Elternzeit, Arbeitslosengeld und Grundsicherung bis zur Krankenversicherung. Wenn zum Beispiel eine Familie mit zwei Kindern, die mit einem Gehalt gerade über die Runden kommt, wegen des erwarteten Zuwachses dringend eine neue Wohnung braucht, stellen eine Kaution oder die Finanzierung eines Umzugs scheinbar unüberwindliche Hürden dar. Hier helfen die Beraterinnen des DW beim Antrag auf Mittel, die von kirchlichen oder staatlichen Stellen gewährt werden.

Von den 42 000 Euro, die im vergangenen Jahr als sehr individuell auf die Bedürfnisse von Frauen und Familien abgestimmten Hilfen ausgezahlt wurden, stammten rund 39 000 von Bundes- und Landesstiftungen und etwa 3 000 aus dem Härtefonds der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Dadurch wird viel Druck von den Familien genommen und das verbessert auch die Situation der Kinder“, betont Eckart Acker.

Engagement in Aufklärung und Vorbeugung

Sehr stark engagiert sich das DW auch im Bereich von Aufklärung und Vorbeugung vor allem bei Jugendlichen. So liefen im vergangenen Jahr 60 sexualpädagogische  Veranstaltungen mit mehr als 600 Teilnehmern in Schulklassen und Konfirmandengruppen. Sie finden Ergänzung durch einen Eltern-Kind-Treff sowie eine Hebammensprechstunde, die vor einem halben Jahr eingerichtet wurde und großen Zulauf findet.

Die Beratungsstelle des Diakonischen Werkes in Bad Kreuznach, Kurhausstraße 8, ist von Montag bis Donnerstag von 9 Uhr bis 17 Uhr, am Freitag von 9 Uhr bis 16 Uhr erreichbar. Telefon: 06 71 / 84 25 10, E-Mail dw.nahe-glan@ekir.de

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