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Luehn un Lönne

Manni kallt platt. Obwohl „Ärmoot“ im armen „Preussisch Sibirien“ keine Schande war, da es viele wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettete Zeitgenossen gab, standen Betteln („Kötte“) und Borgen („Li-ene“, „Lönne“, „Lenne“) in geringem gesellschaftlichen Ansehen. Im Gegensatz zum Besitzwechsel oder dem, wenn auch noch so geringen Entlohnen („Luehn“) für verrichtete Arbeiten.

So stellte der Schmied von Bleibuir nur einmal im Jahr – und zwar um Weihnachten – eine Rechnung aus. Die umfasste alle kleinen und größeren Reparaturen, den Pferdebeschlag, neue Grubbermesser, Kultivatorzinken und Pflugscharen sowie das eine oder andere Pfund Nägel und einige Mist- und Heugabelstiele, die man im Laufe des Jahres in dem kleinen zur Schmiede gehörenden Lädchen gekauft hatte.

Die Bauern gingen davon aus, dass die Rechnung stimmte, und der Schmied hoffte, dass er sein Geld vollzählig bekam. Es war ein Handel auf Treu und Glauben, aber es war ein Handel. „Lönne“ galt hingegen als anrüchiges Geschäft. Wer viel lieh, wurde schnell zum „Köttbroode“. Wer das Geliehene nicht zurückbrachte, dem sagte man eines Tages: „Nächstens kress de de Katz jelönnt, die kött von alleen wedde!“

Treffend ist ein Dialog, den der Mundartschriftsteller Fritz Koenn zwei Frauen führen lässt. Er beginnt damit, dass die eine zur anderen kommt, um sich diverse Zutaten zum Backen zu borgen: „Soot, könnt ihr mr jrad e Tässje Mellich unn zwei Eier liene? Unn häävt´r vlich och e paar Rosenge, e Kit Majerien, jätt Backpolleve unn e Blöösje Tortenjuss?“

Damit sind fast sämtliche Zutaten für den geplanten Kuchen beisammen, die Leihgeberin kommt sich nicht zu Unrecht ausgenutzt vor und rea- giert mit Zynismus: „Hat’r dann och nix verjeiße ze lönne? Hee hatt’r noch e Jlas Knüechelle, de Roll unn et Backbleich mom Enschmierpinsel. Soll ich üch och de Backofe lönne? Äve eiße könnt´r der Kooche doch seleve, wa?“

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