FS

»Schon immer verrückt nach Obst«

Helmut Krüger sucht einen Pfleger – für eine Streuobstwiese

Ahrbrück. Helmut Krüger aus Ahrbrück ist schon seit früher Kindheit leidenschaftlicher Obstliebhaber. Bis zu dessen Auflösung war er zweiter Vorsitzender des Gartenbauvereins Ahrbrück und bewirtschafte gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern eine große Streuobstwiese im Ortsteil Pützfeld. Jetzt sucht er einen Nachfolger für diese Aufgabe.

»In meinem Alter fällt es mir schwer die Bäume noch richtig zu pflegen. Für den Baumschnitt muss man schließlich in den Baum klettern«, erklärt Helmut Krüger. Seit 1975 war der heute 81-Jährige zweiter Vorsitzender des Gartenbauvereins Ahrbrück. Bis dieser 2014 aufgelöst wurde. Die meisten werden Helmut Krüger allerdings in anderer Funktion kennen. Er amtierte von 1994 bis 2004 als Ortsbürgermeister der Gemeinde Ahrbrück. Bekannt ist er allerdings auch für seinen selbstgemachten Apfel- und Holundersaft. Die Rohstoffe dafür stammen aus eigenem Anbau.

Leidenschaftlicher Obstliebhaber

Seine Leidenschaft für Früchte entdeckte Helmut Krüger in frühester Kindheit. »Ich war schon immer verrückt nach Obst«, erzählt er mit einem Lächeln. Geboren wurde Krüger 1936 in Hinterpommern (im heutigen Polen) in einem Ort nahe Danzig. »Im Wald habe ich als Kind immer Früchte und Beeren gesammelt und zum Bäcker gebracht. Das war manchmal so viel, dass sie es gar nicht verarbeiten konnten«, sagt Krüger schmunzelnd. Nach Kriegsende 1945 flohen seine Mutter, sein Bruder und er nach Mecklenburg, wo sie auf einem Bauernhof unterkamen. Auch aus dieser Zeit weiß Helmut Krüger eine Anekdote über Obst zu berichten. »Ich war mit einigen größeren Jungs auf ‚Streifzug‘ durch den Ort. Auf einem benachbarten Bauernhof stand ein Apfelbaum. Die Großen haben mich ‚Hungerhaken‘ über den Zaun gehoben, damit ich ihnen die Äpfel anreichen konnte. Leider fielen wir auf. Die großen Jungs rannten weg, ich kam nicht über den Zaun aber stattdessen eine Abreibung von den Söhnen des Bauern«, erzählt Krüger. Zu allem Überfluss sei dann auch noch der Dorfpolizist aufgetaucht. »Ich habe mich geschämt und dachte, dass ich richtig Ärger bekomme. Stattdessen gab mit der Polizist mit einem Augenzwinkernd den Rat, beim nächsten Mal alleine Äpfel klauen zu gehen. Das wäre unauffälliger«, berichtet Krüger aus seiner Vergangenheit.

Obst und Milch halfen durch schwere Jahre

»Im Nachhinein muss ich sagen, dass uns das Obst und die Milch, die meine Mutter, die zeitweise in einer Molkerei arbeitete, immer mitbrachte, durch die schweren Zeiten geholfen haben«, sagt Krüger und erklärt damit auch, warum Obst in seinem Leben eine solche Rolle gespielt hat und immer noch spielt. Mit 19 Jahren schloss Krüger in Demmin in der damaligen DDR seine Ausbildung zum Forstfacharbeiter ab. Ein Jahr später, 1956, wurde er über die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in den Kreis Ahrweiler verwiesen. Hier nahm er einen Job in der Papierfabrik Ahrbrück an. Mutter und Bruder, die durch seine Erzählungen vom besseren Leben in der Bundesrepublik erfahren hatten, flohen an Weihnachten 1960 über Berlin nach Westdeutschland – kurz vor dem Bau der Mauer.

1978 machte Helmut Krüger, der noch immer für die Brohl-Wellpappenfabrik in Ahrbrück tätig war, eine Umschulung und wurde Schichtleiter. Als er 1994 in den Ruhestand ging war er bis zum Abteilungsleiter der Produktion aufgestiegen. Im gleichen Jahr noch kandidierte er für den Bürgerverein Ahrbrück als Bürgermeister und gewann die Wahl. Bis 2004 leitete er die Geschicke der Gemeinde. Auch wenn seine berufliche und sein kommunalpolitische Karriere schön länger vorbei sind, seine Leidenschaft für Obst und Bäume hat er nie verloren. Umso härter haben ihn die jüngsten Wetterkapriolen getroffen (wir berichteten). Der Frost hat den Blüten seiner Lieblings-Apfelbäume zugesetzt und die Ernte wird voraussichtlich sehr gering ausfallen. Noch mehr bedrückt ihn allerdings wenn er an »seine« Streuobstwiese denkt. »Seit den 70er-Jahren haben wir viel Arbeit und Herzblut in die Bewirtschaftung der Apfelbäume gesteckt. Es wäre schade, wenn das alles umsonst war. Wer sich gerne der Streuobstwiese annehmen möchte, kann sich gerne bei mir melden«, erklärt der 81-Jährige.

Nachfolger gesucht

Die Streuobstwiese des ehemaligen Gartenbauvereins Ahrbrück beherbergt mehrere Sorten von Apfelbäumen, darunter Rheinischer Winterrambour, Ontario, Boskopp Grün und Belle Fleur. Wer sich für die Bewirtschaftung der Apfelbäume interessiert kann sich telefonisch unter 02643/6976 mit Helmut Krüger in Verbindung setzen.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.