Menschen aus dem Ahrkreis

Eine Stadt, eine Kommune, ein Ort lebt von den Menschen, die dort wohnen. Und viele haben etwas zu erzählen: Ein besonderes Hobby, ein ergreifendes Schicksal oder eine scheinbare Belanglosigkeit, die auf großes Interesse stößt. Der WochenSpiegel zeigt Ihnen die „Köpfe“, die den Kreis Ahrweiler so lebens- und liebenswert machen…

»Nicht in der Opferrolle festsitzen«

Ahrweiler. Dr. Susanna Smolenski hat sich mehr als drei Jahrzehnte lang für die Verbesserung der psychatrischen, psychotherapeutischen und psychosomatischen Versorgung in Rheinland-Pfalz eingesetzt. Dieser Einsatz ging jedoch weit über das berufliche Wirken hinaus. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde sie jetzt von Bundespräsident Joachim Gauck persönlich mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. »Die psychische Stabilisierung von Menschen nach traumatischen Erlebnissen war mir bei meiner Arbeit als Ärztin immer besonders wichtig. Die Menschen sollten nicht in der Opferrolle festsitzen, sondern erfahren, dass es auch Auswege aus ihrer scheinbar ausweglosen Situation gibt«, erklärt Dr. Susanna Smolenski. Gemeinsam mit ihrem Team begann sie 1991 mit der Erstellung eines Traumatherapiekonzeptes. 2011 initierte Malu Dreyer, damals noch rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin die Traumaambulanz als Pilotprojekt. Heute ist aus dem Projekt ein fester Bestandteil des Therapieangebotes der Dr. von Ehrenwall‘schen Klinik geworden. »In der Traumaambulanz bekommen akut traumatisierte Menschen sofort psychotherapeutische Hilfe – beispielsweise nach einer Vergewaltigung. In einer solchen Situation ist es wichtig, dass die Betroffenen schnellstmöglich psychisch stabilisiert werden. Da kann man nicht auf die oft langwierige Bewilligung einer Therapie warten«, erklärt Susanna Smolenski. Finanziert wird die Traumaambulanz durch das Opfer-Entschädigungsgesetz. Der Bewilligungsantrag wird dann während des ersten Termins gestellt. Die Dauer der ambulanten Therapie beträgt zwischen fünf und 15 Sitzungen. »Viele Menschen haben sich danach schon so stabilisiert, dass sie gar keine längere Psychotherapie mehr benötigen«, sagt die Ärztin, die seit 2015 im Ruhestand ist. Engagement gegen häusliche Gewalt Ehrenamtlich hat sich Susanna Smolenski unter anderem für Initiativen zum Thema Häusliche Gewalt engagiert. So war sie Mitglied des Runden Tischs gegen Häusliche Gewalt. Gemeinsam mit der Frauenbeauftragten des Kreises, Politikern, Polizei, Staatsanwaltschaft, dem Weissen Ring und dem Frauenhaus Ahrweiler rief sie verschiedene Projekte ins Leben. Unter anderem bildete sie Care-Teams (deutsch: Betreuungs-Mannschaft), bestehend aus freiwilligen Helferinnen, aus. »In Fällen von Häuslicher Gewalt kann die Polizei diese Care-Teams dann sofort hinzurufen. Oft stehen die Betroffenen noch unter Schock. Im Gegensatz zu den Polizisten, die meistens als Respektspersonen gesehen werden, sehen die Opfer die Care-Teams eher als Vertrauenspersonen. Nach einem traumatischen Erlebnis ist es unglaublich wichtig, dass die ersten Personen, mit denen das Opfer zu tun hat, wissen was sie tun. Man kann viel falsch machen. Die ausgebildeten Teams können das Opfer in einer solchen Situation auffangen«, erklärt Smolenski. Auch die Vernetzung des Runden Tisches mit den niedergelassenen Ärzten hat sie vorangetrieben. Als Dozentin in Seminaren für Polizeibeamte und Feuerwehrleute engagierte sich Susanna Smolenski ebenfalls. »In ihrem Beruf können Polizisten in traumatisierende Situationen geraten. Beispielsweise bei der Bergung von Unfallopfern oder wenn sich ein Mensch das Leben genommen hat. Bei den Schulungen lernten die Teilnehmer, wie sie sich in solchen extremen Situationen gegenseitig unterstützen können. Vor allem den männlichen Teilnehmern musste ich vermitteln, dass es keine Schande ist, wenn man mit einem Kollegen über das erlebte spricht. Bei den Frauen war die Hemmschwelle da niedriger«, erklärt die Ärztin. Während ihrer letzten Jahre als Chefärztin der Ehren‘wallschen Klinik schulte Susanna Smolenski auch nicht-therapeutisches Personal in der Klinik. »Auch Raumpflegerinnen kommen mit den Patienten in Kontakt. Da hilft es, wenn sie wissen, wie sie mit bestimmten Situationen umgehen können«, erklärt die 68-Jährige. Verdienstkreuz Für ihr ehrenamtliches und berufliches Wirken wurde Dr. Susanna Smolenski mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet – und das just am Weltfrauentag im Schloss Bellevue in Berlin. »Das war ein ganz tolles Erlebnis. Die herzliche Art von Herrn Gauck und die Gespräche auf Augenhöhe haben mich sehr beeindruckt«, sagt Smolenski. Zur Person Dr. Susanna Smolenski, Jahrgang 1948, war seit 1983 als Fachärztin für Psychatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Dr. von Ehrenwall‘schen Klinik in Ahrweiler tätig. Seit 1987 war sie Oberärztin, seit 1996 Chefärztin. Heute ist sie im Ruhestand. Verheiratet ist sie seit 1973 mit Dr. Christoph Smolenski, dem Direktor der Klinik. Sie ist außerdem Schirmherrin des Fördervereins Frauenhaus Ahrweiler.Dr. Susanna Smolenski hat sich mehr als drei Jahrzehnte lang für die Verbesserung der psychatrischen, psychotherapeutischen und psychosomatischen Versorgung in Rheinland-Pfalz eingesetzt. Dieser Einsatz ging jedoch weit über das berufliche Wirken…

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Spürnasen für entlaufene Tiere

Adenau. Monika Wirfs und Susanne Lehmann helfen mit ihren Hunden Trusty und Jimmy Haltern dabei, ihre entlaufenen Haustiere wieder zu finden. Ihre Hilfe wird oft in Anspruch genommen. Wie Susanne Lehmann und ihr Hund Trusty zusammen gekommen sind, ist eigentlich schon eine Geschichte für sich. Lehmann hörte von einem Tier, das offenbar herrenlos im Wald bei Adenau herumlief. »Als ich davon hörte, wollte ich dem Hund helfen«, erzählt Lehmann. Über drei Monate hinweg machte sie sich auf die Suche nach dem herrenlosen Hund. Während dieser Zeit lernte sie Monika Wirfs und ihren Suchhund Jimmy kennen. »Als wird den Hund schließlich gefunden hatten, habe ich ihn aufgenommen«, so Lehmann. Sonst wäre Trusty im Tierheim gelandet. Diesen Hund hat Lehmann nun zum Suchhund ausgebildet und gemeinsam mit Wirfs beschlossen, die Talente der Tiere für einen sinnvollen Zweck zu nutzen. Hunde suchen Tiere Die beiden Damen gründeten ein Suchhundeteam – aber eines das nicht nach Menschen sondern nach entlaufenen Tieren sucht. »Die Hunde könnten auch Menschen finden«, erklärt Wirfs. Aber ihre Tiere haben die beiden privat und ohne offizielles Zertifikat ausgebildet. »Das braucht man für die Tiersuche ja auch nicht«, sagt Wirfs. Anfangs haben sie ihr Angebot einfach privat verbreitet und ausgeholfen, wenn jemand um Unterstützung bat. Vor einem Jahr jedoch haben die beiden mit ihrem Team eine Homepage eröffnet und ihre Arbeit vorgestellt. 29 Mal wurden Wirfs und Lehmann in 2016 angerufen, um nach entlaufenen Haustieren zu suchen. Ihr Team ist mittlerweile auf vier Frauen mit fünf Suchhunden angewachsen. Katzen, Pferde und vor allem Hunde mussten Trusty und Jimmy und ihre neuen Kameraden bereits aufspüren. »27 Tiere sind mittlerweile wieder zuhause«, sagt Lehmann. Die richtige Spur Die Formulierung ist mit Bedacht gewählt, denn nicht in allen Fällen finden die Hunde die Tiere selber. »Bei Katzen sind es zu viele Spuren«, erklärt Wirfs. Was die Hunde allerdings tun können, ist die Besitzer auf die richtige Spur bringen und das Gebiet eingrenzen, in denen die Katze sein könnte. So geschehen an Silvester, als eine kranke Katze entlaufen war. Da war das Team mit vier Hunden vor Ort und konnte ein Waldgebiet ausmachen, in dem die Katze sich wohlmöglich versteckte. »Wir haben den Besitzern dann gesagt, sie sollen mehrmals zwischen dem Waldgebiet und ihrem zuhause hin und her gehen«, sagte Wirfs. So wurde eine Geruchsspur gelegt, der die Katze nach Hause folgen konnte. »Am Abend dann ist sie zurückgekehrt«, erzählte Lehmann. Für Susanne Lehmann ist es eine besondere Freude, die Tiere aus der misslichen Lage zu befreien und wieder mit ihren Herrchen zu vereinen. »Es ist Wahnsinn zu sehen, wie froh die Tiere dann sind«, sagt sie. Haustiere, die sich verlaufen haben, womöglich mit der Leine noch irgendwo hängen geblieben sind, schalten nämlich auf einen Überlebensmodus. »Die Tiere geben keinen Mucks von sich«, sagt Lehmann. Sie hätten Angst, Feinde auf sich aufmerksam zu machen. Selbst wenn die Bezugsperson nach ihnen rufen würde, gäben sie aus Angst keinen Laut von sich. Kontakt Susanne Lehmann (01 71 / 2 05 02 06) und Monika Wirfs (01 51/ 41 20 35 92) helfen bei der Suche nach entlaufenen Haustieren. www.tiersuchhunde.com Monika Wirfs und Susanne Lehmann helfen mit ihren Hunden Trusty und Jimmy Haltern dabei, ihre entlaufenen Haustiere wieder zu finden. Ihre Hilfe wird oft in Anspruch genommen. Wie Susanne Lehmann und ihr Hund Trusty zusammen gekommen sind, ist…

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