Menschen aus der Region

Eine Stadt, eine Kommune, ein Ort lebt von den Menschen, die dort wohnen. Und viele haben etwas zu erzählen: Ein besonderes Hobby, ein ergreifendes Schicksal oder eine scheinbare Belanglosigkeit, die auf großes Interesse stößt. Der WochenSpiegel zeigt Ihnen die „Köpfe“, die unsere Region so lebens- und liebenswert machen…

Oliver Röders Gerichte sind kulinarische Kunstwerke

Menschen aus der Region. Sternekoch mit pfiffigen Ideen Ein Jahr ist es her, dass über Oliver Röder, Küchenchef der »Landlust Burg Flamersheim«, ein Stern am Michelin-Himmel aufging. Kein Wunder, denn seine Gerichte sind essbare Kunstwerke, hinter denen viel mehr als ein Geschmackserlebnis steckt. Von der Zubereitung über das Anrichten der Speisen bis zum Namen auf der Speisekarte, hinter allem stecken eine Idee und das Ziel, Gesprächsstoff für die Gäste zu bieten. Bekannt wurde der 30-jährige Sternekoch mit seinem »Herrengedeck«: Einer Zigarre (Ochsenschwanzragout, eingewickelt in Blätterteig) im Aschenbecher (Asche aus Apfel und Sellerie) und dazu einem Cognacschwenker (Ochsenschwanzsuppe, abgeschmeckt mit Sherry und Madeira). In einer Weinlaune war die Idee zu diesem »Signature Dish« entstanden, das letztlich so erfolgreich war, dass das Küchenteam nun ein Pendant für die Dame entwerfen will. An Ideen fehlt es dem Küchenchef dabei nicht. »Ich habe eine Verantwortung meinen Mitarbeitern und Lieferanten gegenüber, das ist mir Inspiration genug.« Oliver Röder legt viel Wert auf die gemeinsame Arbeit, knapp 20 Personen gehören zum Team in der Gaststube »Eiflers Zeiten« und dem Restaurant »Bembergs Häuschen«. Bei einer neuen Idee gibt Röder zunächst die Komponenten vor und aus den unterschiedlichen Proben und Formen wird schließlich das Beste ausgewählt. »Mir ist es wichtig, dass auch die Köche zwischendurch mal mitservieren und ihre Gäste sehen«, erklärt der 30-Jährige. Im Service präsentiert Kathi Röder die einzelnen Gänge. Gemeinsam mit ihrem Mann wohnt sie auf dem Anwesen der Burg und erwartet demnächst ihr erstes Kind. Zu Hause halten es die beiden eher unkompliziert ? Brotzeit und Erbsensuppe stehen da auf dem Speiseplan. Schon während seiner Ausbildung hat Oliver Röder darauf hingearbeitet, einmal sein eigenes Restaurant führen zu können. Die Freundschaft mit Johannes von Bemberg spielte dabei eine große Rolle, denn dessen Familie ist auf Burg Flamersheim zu Hause. In dem zugehörigen ehemaligen Gutshof eröffneten Johannes von Bemberg, Oliver und Kathi Röder vor rund zweieinhalb Jahren die »Landlust«. »Die Anlage ist einfach der Hammer, aber als ich das erste Mal hierher kam, um die Umgebung zu erkunden, habe ich mir schon Gedanken gemacht, wo ich hier gelandet bin«, lacht der Küchenchef. Tatsächlich ist die Lage mit einem Einzugsgebiet bis nach Köln, Bonn und in den Rheinisch-Bergischen Kreis gar nicht schlecht, wie er schnell gemerkt hat. Während die Gäste auch schon mal von etwas weiter weg kommen, hatte das »Flamersheimer Lamm« noch kurz zuvor in Sichtweite auf der Weide gestanden. Oliver Röder setzt bei der Auswahl der Produkte auf Nachhaltigkeit und auf Lieferanten aus der Region. So steht das »Eifelrind« ebenso auf dem Speiseplan wie die Tomaten aus der Mechernicher Gärtnerei Frings, die rund ein Dutzend verschiedene Sorten züchtet. »Im ersten Jahr war es schwierig, die richtigen Lieferanten zu finden, aber mir ist es wichtig, solche Betriebe zu fördern, die mit Herzblut bei der Sache sind.« Neben einem guten Gefühl soll für die Gäste das Genießen im Vordergrund stehen. Dazu kann nach Oliver Röder auch gehören, dass nur eingedeckt wird, was für den einzelnen Gang notwendig ist. Wer lecker Essen gehen und einen schönen Abend verbringen möchte, dem sollte kein »Hoffentlich mache ich nichts verkehrt« im Kopf herumschwirren. So hat der 30-Jährige es sich zum Ziel gemacht, sein Gourmet-Restaurant auch für junge Leute attraktiv zu machen. Statt Anzug und Krawatte gehen dann auch Polo-Shirt und Jeans, während alles, was zum Essen dazu gehört, auf den Tisch gestellt anstatt bei Bedarf nachgelegt wird. Eine entspannte Atmosphäre eben. So kann man demnächst neue interessante Gerichte in »Bembergs Häuschen entdecken«. Etwa die geschmorte Kalbsschulter, die mit Fenchelsalat auf einem echten Schulterknochen serviert wird. »Ich muss nur erst noch ein paar Knochen kaufen«, scherzt der Küchenchef. Ein Hingucker sind auch die Garnelen, die in einem Porzellantopf über 400 Grad heißen Steinen mit einem Zitronengras-Limonen-Fond gegart werden. Oder auch das Kürbispüree, das über den Teller verkleckert ist, als ob der Kellner gestolpert wäre. »Der Teller ist wie eine Leinwand. Unseren Gästen soll er als Unterhaltungsstoff dienen.« Vor knapp drei Wochen konnte Oliver Röder mit dem Restaurant »Bembergs Häuschen« seinen Stern verteidigen. Auf dem erreichten Plateau will er sich aber nicht ausruhen. Stattdessen wird es bald wieder etwas Neues geben. Fünf Zimmer bietet ab Mitte 2014 das neu eingerichtete Boutique-Hotel auf dem Anwesen. Altes Flair trifft auf modernes Design im »Nachtquartier« (tuc) Zur Person OLIVER RÖDER Alter: 30 Jahre Familienstand: verheiratet mit Kathi Röder Beruf: Küchenchef in der »Landlust Burg Flamersheim« mit der Gaststube »Eiflers Zeiten« und dem Restaurant »Bembergs Häuschen« Ziel: Das Gourmet-Restaurant auch für junge Leute attraktiv zu machenwww.landlustburgflamersheim.de Sternekoch mit pfiffigen Ideen Ein Jahr ist es her, dass über Oliver Röder, Küchenchef der »Landlust Burg Flamersheim«, ein Stern am Michelin-Himmel aufging. Kein Wunder, denn seine Gerichte sind essbare Kunstwerke, hinter denen viel mehr als ein…

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