Christian Thielen

"Mobbing"-Vorwurf - Serieneinbrecherin stellt sich als Opfer vor Gericht dar

Cochem. Ein kurioser Prozess neigt sich dem Ende zu: Im Fall der Serieneinbrecherin soll am kommenden Dienstag das Urteil fallen. Doch zuvor ergriff die Angeklagte am Montag noch einmal die Gelegenheit, sich über die "schlampige Ermittlungsarbeit der Polizei" und über die schlechten Haftbedingungen auszulassen.

"Ich mache keinerlei Aussagen": Mit diesen Worten hatte Sandra R. (Name geändert) bereits zum Prozessauftakt auf stur geschaltet. Dabei blieb es. Mehr als 30 Zeugenaussagen später ergreift sie jedoch die Gelegenheit, sich zu äußern. Nicht zum Fall selbst, sondern zu den Umständen, die sie in Haft gebracht hätten. In einem Brief, den ihre Anwältin verließt, beschwert sie sich über die "schlampige Polizeiarbeit" und das "einseitige Ermittlungsverfahren".
Rückblick: Im November 2011 hatten Polizisten die 51-Jährige im Westerwald festgenommen.

 

Mit dabei hatte sie zu diesem Zeitpunkt auch eine Wasserrohrzange. Das Werkzeug konnte laut einem  Gutachter des Landeskriminalamtes drei Einbrüchen eindeutig zugeordnet werden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen jedoch davon aus, dass Sandra R. für mehr als 30 Einbrüche im Kreis Cochem-Zell verantwortlich sein soll. Immer wieder soll sie sich auf gleiche Weise Zutritt in verschiedene Einrichtungen und Firmen verschafft haben. Mit der Wasserrohrzange soll sie die Zylinderschlösser der Eingangstüren herausgehebelt haben. "Reiche Beute" wurde nicht gemacht: Mal waren es fünf Euro aus einem Kindergarten, mal 50 aus der Geldkassette einer Schule. Für Sandra R. ein weiteres Indiz für ihre Unschuld: Solch eine Vorgehensweise sei einfach "unwirtschaftlich". Ihre Anwältin argumentiert in ihrem Plädoyer: Es dürfe nicht nach dem Motto verfahren werden "was nicht passt, wird passend gemacht". Die Beweise seien lückenhaft. Sie beantragte Freispruch.
Ganz anders sieht das die Staatsanwältin: Sie forderte drei Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe und beruft sich vor allem auf das Gutachten des LKA - die Spurenlage sei eindeutig.
Das Urteil soll am kommenden Dienstag, 17. Juli, 10 Uhr, fallen. Sollte Sandra R. verurteilt werden, muss sie sich auf eine lange Haft einstellen. Am 13. April 2011 war die mehrfach Vorbestrafte vom Amtsgericht Bitburg wegen mehrerer Einbrüche bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, die dann zusätzlich "fällig" wäre. Im Falle dessen bleibt eine weitere Frage: Darf die 51-Jährige ihre Strafe in einer Vollzugsanstalt für Frauen absitzen? Denn Sandra R. war bis vor ein paar Jahren noch ein Mann. Die U-Haft sitzt sie jedenfalls derzeit in der Männerhaftanstalt ab. Bedingungen, die für Sandra R., so ließ sie das Gericht wissen, "Mobbing" seien. Bericht folgt.

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