Christian Thielen

Uneinsichtiger Pädagoge vom Landgericht verurteilt

Cochem. Viele Zeit nahm sich die 7. Kleine Strafkammer des Landgerichts Koblenz vergangene Woche mit einem offenbar uneinsichtigen Lehrer aus dem Hunsrück. Der Pädagoge ging in der Berufungsverhandlung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Cochem vor, das ihn nach eigener Auffassung zu Unrecht zu einer Haftstrafe von zehn Monaten (Bewährung) verurteilt hatte.

Nach Auffassung des Amtsgerichts hatte der Familienvater aus dem Hunsrück am 28. Mai 2011 Bruchsteine auf eine Straße gelegt, um damit das dort veranstaltete Bergrennen zu stören. Der Familienvater ist offenbar ein ausgesprochener Gegner von Autorennen und insbesondere von dem Bergrennen, welches jährlich auf der Strecke zwischen Zell und Grenderich veranstaltet wird.  Er habe sich, so räumt er ein, sich auch bereits an Aktionen gegen den "sinnlosen CO²-Ausstoß" beteiligt. Freizügig räumte er ein, dass er Plakate an Bäume geklebt und Bänke mit Farbe beschmiert habe. Mit der angeklagten Aktion, bei der Steine auf die Fahrbahn gelegt wurden, will er jedoch nichts zu tun haben. Auch habe er den Vorsitzenden des Motorsportclubs "Idarwald" nicht in einem Schreiben genötigt.  

In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht sprach der 62-Jährige davon, dass er den wahren Täter kenne, ihn aber nicht verraten werde. Dass er mit dieser banalen Ausrede nicht für Begeisterung bei der Vorsitzenden Richterin Andrea Wild-Völpel sorgte, war zu erwarten. Die erfahrene Vorsitzende führte dem Angeklagten in der mehrstündigen Verhandlung mehr und mehr vor, dass diese "Theorie" nicht stimmen kann. Der Lehrer, der ohne Verteidiger vor Gericht erschienen war, verstrickte sich in seinen Aussagen immer mehr in Widersprüche. Spannend wurde es dann, als Zeugen aussagten, die den Angeklagten kurz nach seiner Tat und vor seiner Flucht gesehen hatten.  Eindeutig erkannten sie den Lehrer wieder.Besonders interessant war die Aussage eines Zeugen, der dem Gericht davon berichtete, dass er nach eigenen Angaben von dem Angeklagten seit der letzten Verhandlung beim Amtsgericht mehrfach belästigt und auch beleidigt worden sei. Er habe die Vorfälle auch bei der Polizei angezeigt, wo nun ein Ermittlungsverfahren laufen würde.  Der angeklagte Lehrer fand daran nichts Schlimmes, er habe nur die Wahrheit über den Zeugen gesagt. Nach seiner Meinung habe "er gelogen".

Auch andere Zeugen versuchte er durch seine "Befragung" unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Es blieb jedoch beim Versuch, denn die Zeugenaussagen waren allesamt schlüssig. Irgendwann reichten der Vorsitzenden Richterin Andrea Wild-Völpel die Versuche des Angeklagten, die Zeugen mit Fragen zu bombardieren: "Warum begreifen Sie nicht, da muss man kein Überflieger sein", so die Richterin genervt an die Adresse des Lehrers.

Für Staatsanwalt Dr. Matthias Saal sind die Äußerungen des Angeklagten nichts anders als eine "Räuberpistole".  Er forderte das Urteil des Amtsgerichtes zu bestätigen. Der Lehrer forderte selbstsicher in seinem "letzten Wort" einen Freispruch, der in diesem Verfahren so unwahrscheinlich erschien, wie die Tatsache, dass der ominöse zweite Mann der Täter sei. Die Kammer wies deshalb auch die Berufung des Täters als unbegründet zurück. Er muss nun wegen Nötigung und gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr  6 000 Euro Strafe zahlen. Die Haftstrafe von zehn Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt.  Eventuell könnte diese Bewährung schon bald widerrufen werden. Denn sollte der Lehrer in einem neuen Verfahren, welches nach den Beleidigungen gegen den Zeugen eingeleitet werden könnte, schuldig gesprochen werden, droht ein Widerruf der Bewährung. Dann müsste er die zehn Monate Haft absitzen! Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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