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"Die Schmerzen vergehen, die Erinnerungen bleiben"

Klottener erfüllt sich sportlichen Lebenstraum

Klotten. Das Knie hat gezwickt und die Platte von den Radfahrschuhen ist vor der größten sportlichen Herausforderung von Timo Bertram (41) auch noch gebrochen. Das alles hat den Klottener aber nicht aus der Bahn geworfen. Nach 10:18:22 Stunden und nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathon hat er die Ziellinie der "Datev-Challenge Roth" überquert.

Drei Tage nach Roth läuft der frischgebackene "Eisenmann" noch etwas unrund. Die Belastung für den Körper war enorm, aber der Stolz die Ironman-Distanz bewältigt zu haben, wiegt alle Strapazen auf. Dass die Zeit unter seiner anvisierten lag, will er nicht zu hoch bewerten. Bei Timo Bertram ist Demut statt Hochmut zu spüren.

Das entbehrungsreiche Training mit seinen Kumpels vom "RSC Untermosel" hat sich gelohnt. Alle sieben Cochem-Zeller - David Simon, Oliver Beck, Matthias Zucchet, Michael Pillig, Nico Schnorpfeil, Hansi Theobald und er - haben die Ziellinie überquert: Bertram als Zweitbester des RSC-Teams. Da der Wettbewerb auch noch als "Firefighter World Championship" ausgeschrieben war und der Klottener für die Freiwillige Feuerwehr seiner Heimatgemeinde antrat, darf er sich in der Altersklasse 40 jetzt sogar Vize-Weltmeister nennen.


Bertrams Wettkampftag startete um 4.30 Uhr mit Honigbrötchen und einer Banane: Energie für das Schwimmen. "Es war am Start sehr hektisch und ich habe auch Wasser geschluckt, aber nach einem Kilometer war ich im Rhythmus", erzählt der 41-Jährige, der nach 1:15:23 Stunden aus dem Wasser steigt. Für die Radfahrdistanz hat er sich sechs Stunden vorgenommen. Er schafft es 33 Minuten schneller und das obwohl er zeitweise mit Krämpfen im Bauch zu kämpfen hat. "An einem Streckenabschnitt feuerten uns 30.000 Zuschauer an - darunter meine Familie. Da musste ich weinen. Und meine Frau sagt immer ich wäre emotionslos", lacht der Klottener. Dann wartete der Marathon und Bertram stellte sich die Frage, ob das Knie halten würde. "Das war letztlich kein Problem, aber ab Kilometer 38 musste ich kämpfen. Bis dahin war sogar eine Zeit unter zehn Stunden möglich. Als ich zwei Kilometer später schon die Stimmung im Stadion gehört habe, habe ich nur noch an die Kinder gedacht, die mit mir ins Ziel laufen wollten. Es war einfach Wahnsinn und ich kann es immer noch nicht richtig beschreiben. Eines weiß ich: Die Schmerzen vergehen, aber die Erinnerungen bleiben", erzählt er von der Gänsehaut, die ihn wieder überkommt.
Ob er nochmal starten will? "Irgendwann schon einmal, aber im kommenden Jahr eher als Zuschauer."

Foto und Video: Pauly

 

 

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