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Alf, Zell

Die Odyssee um die Geburt von Greta

zen | 27.12.2012
Die kleine Greta ist der ganze Stolz von Patricia und Ehemann René B.. Dass das kleine Mädchen wohlauf ist, grenzt für die Eltern schon fast an ein Wunder. Denn was sie nach eigenen Angaben bei der Geburt durchgemacht haben, ist fast unglaublich und wird möglicherweise in Kürze die Justiz beschäftigen.

Eigentlich sollte Greta am Nikolaustag das Licht der Welt erblicken. Die Eltern hatten alles vorbereitet, liebevoll das kleine Babybett im Wohnzimmer aufgestellt. Doch die Kleine hatte es offenbar eilig. Am Abend des 2. Dezember, kurz vor Mitternacht, als Mutter Patricia (36) sich schlafengelegt hatte, platze die Fruchtblase.

Sie rief ihre Hebamme an und besprach mit ihr, dass sie ins Krankenhaus nach Traben-Trarbach kommen würde. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen: »Plötzlich hatte ich starke Schmerzen und ging ins Bad«.

Mit ihrem Ehemann war sie sich einig, dass sie es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen würde. René B.: »Um 0.11 Uhr rief ich den Notruf 112 an. Man sagte mir dort, dass ein Rettungswagen von Zell aus losgeschickt werde.« Währenddessen kamen bei seiner Ehefrau immer stärkere Wehen. Als der Rettungswagen um 0.30 Uhr immer noch nicht eingetroffen war, rief René B. erneut den Notruf an. »Wieder wurde mir erklärt, dass ein Rettungswagen vom Zeller Krankenhaus aus unterwegs sei«. Doch auch dieser ließ auf sich warten. »Für mich war das wie eine Ewigkeit, ich hatte Angst, dass etwas mit meinem Kind passiert«, so Patricia W. im Gespräch mit dem WochenSpiegel.

Als um 0.45 Uhr immer noch kein Rettungswagen in Alf erschienen war, alarmierte René B. erneut den Notruf und machte deutlich, dass dringend Hilfe benötigt werde. »Meine Frau schrie vor Schmerzen, wir wussten gar nicht, was wir tun sollten.« Wenige Minuten später kommt die kleine Greta im Badezimmer der Wohnung in Alf zur Welt. Sofort wird sie ihrer Mutter in den Arm gelegt. Sicherlich hatte Patricia B. in diesem Moment alle Schmerzen vergessen. Was sie nicht ahnen konnte, war die »Tortur«, die sie nach eigenen Angaben anschließend erwartete.

»Gegen ein Uhr kam der Rettungswagen. Die beiden Sanitäter waren hilfsbereit und sehr freundlich, haben sich toll um mich gekümmert«. Wenige Minuten später, und somit fast eine Stunde nach dem ersten Anruf, sei dann auch der Notarztwagen eingetroffen. »Der Notarzt begrüßte mich nicht, fragte nicht, wie es mir geht. Er führte auch keinerlei Untersuchungen durch. Er hob nur kurz das Handtuch und stellte fest, dass die Nachgeburt ja noch drin sei. Diese musste ich anschließend mit meiner Mutter selbst herausnehmen.« Der Arzt half nach Angaben von Patricia B. dabei nicht. Ehemann René B.: »Plötzlich verlangte der Notarzt nach einer Schere. Ich dachte, er benötige diese, um Stoffwindeln zurecht zu schneiden«, so der 34-Jährige. Deshalb übergab er ihm seine Haushaltsschere. Wie sich wenig später herausstelle, wurde mit dieser Schere die Nabelschnur des Kindes durchtrennt. Als Rene B. nachfragte, warum dies damit geschehen sei, wurde ihm mitgeteilt, dass keine ausreichend scharfe Schere beim Notarztteam vorhanden sei. Für den Ehemann völlig unverständlich. »Die Schere war zuvor bei Renovierungsarbeiten eingesetzt worden und sie war alles andere als sauber. Es hafteten noch Dachpappe-Reste an den Klingen.«

Nachdem die Nabelschnur durchtrennt war, wurde die junge Mutter und das Kind ins Krankenhaus nach Traben-Trarbach gebracht.

Dort musste die 36-Jährige, die bei der Geburt viel Blut verloren hatte, umfassend versorgt werden, da sie erhebliche Verletzungen davontrug. Nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ist sie nun glücklich, dass es ihrer kleinen Greta gesundheitlich gut geht. »Wenn ich aber daran denke, was alles hätte passieren können, wird es mir ganz anders.«

Nach reiflicher Überlegung hat sie sich dazu entschieden gegen die Verantwortlichen vorzugehen. »Ich möchte damit erreichen, dass es anderen Frauen nicht auch so ergeht«. Familie B. hat nun die Zeller Anwaltskanzlei »Wohlleben und Partner« beauftragt, sich um den Fall zu kümmern. Für den Juristen Oleg Trusow ist der Ablauf an jenem Abend ein Skandal: »Zum unverantwortlichen und einem völlig gleichgültigen Verhalten des Notarztes kommt erschwerend hinzu, dass die Mandantin die Blutgruppe Rhesus negativ aufweist. Im unmittelbaren Zusammenhang mit der Geburt waren deshalb ärztliche Maßnahmen erforderlich. Diese ärztlichen Maßnahmen dienen im Ergebnis dazu, Komplikationen bei einer nachfolgenden Schwangerschaft für das nachfolgende Baby und/oder die Mutter aufgrund einer sogenannten Rhesus-Inkompatibilität zu verhindern. Außerdem hat die Mandantin durch die unbegleitete Geburt und die damit verbundene Stresssituation erhebliche Risse im Intimbereich erlitten. Diese hätten bei einer begleiteten Geburt vermieden werden können.«

Der Rechtsanwalt hat im Auftrag seiner Mandanten nun bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Koblenz Strafanzeige wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung gegen den eingesetzten Notarzt und Mitarbeiter der Rettungszentrale gestellt.

Auf Anfrage des WochenSpiegel wollte sich der betreffende Notarzt nicht zu dem Fall äußern. Interessant ist, was der Mediziner in den knappen Einsatz-Bericht jener Nacht geschrieben hat, Zitat: »Mutter und Kind sind wohlauf«. Bericht folgt!

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Marlies Packbiers

00:07 | 30.12.2012
Schrecklich,das sowas passieren kann, der notartzt sollte entlassen werden, den sein benehmen hätte mutter und kind das leben kossten können,und auf sojemanden soll mann sich verlassen wenn mann ihm braucht

Helmut Wagner

22:15 | 28.12.2012
Ich bin selbst über 20 Jahre als Krankenpfleger im Op gewesen aber das da ist eine riesengroße Schweinerei.Dieser Notarzt ist hoffentlich beurlaubt und praktiziert nicht mehr.Man sollte Ihm die Approbation sofort in einer einstweiligen Verfügung entziehen!
Auch ist es mir unverständlich wie ein Rettungswagen von Zell bis Alf 1 Stunde braucht.Mit meinem PKW brauche ich ohne Sondersignal und unter Beachtung der Verkehrsregeln höchstens 20 Min.