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Pop Art Legende stellt in Traben-Trarbach aus

Alter Bahnhof zeigt James Francis Gill

VG Traben-Trarbach. Als einer der Pioniere der amerikanischen Pop Art erlebte er in den 60er Jahren einen rasanten Aufschwung in der Kunstwelt: James Francis Gill. Zur Eröffnung der neuen Pop Art Ausstellung im Alten Bahnhof Traben-Trarbach kam er persönlich. Sein Fazit: »I like it very much«.

Neun Ausstellungen in fünf Wochen. Bundesweit. In Städten wie München oder Stuttgart, in drei Museen und sechs Galerien und jetzt in Traben-Trarbach. Die Jugendstilstadt ist die letzte Station der Europa-Reise der Pop Art Ikone James Francis Gill. Von hier ist der Künstler wieder zurück in seine Heimat nach Texas geflogen. 100 Grafiken und Unikate von Künstlern der Szene sind bis zum 18. Juni auf zwei Etagen im Alten Bahnhof zu sehen. Zu den Werken von Gill gesellen sich Grafiken und Unikate von Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Jim Dine, Andy Warhol, Alex Katz, Mel Ramos und anderen. Die Künstler schöpften die Motive ihrer Werke aus dem Alltag: aus der Reklame, Plakaten oder Comics und setzten sie im Stil der Werbegrafik auf großen Formaten um.  

Über 200 Mal Marilyn

Die Bilder von James Francis Gill stechen heraus: Sie sind plakativ, meist von knalliger Farbigkeit und beschäftigen sich unter anderem mit dem Massenkonsum und der Starkultur. Seine Monroe-Bilder sind berühmt, über 200 Mal bannte der Meister die Stil-Ikone des 20. Jahrhunderts auf Papier. Persönlich getroffen hat er sie zwar nie, aber er kennt jede Linie in ihrem faszinierenden Gesicht. „I love it“.  Bereits 1962 nahm das Museum of Modern Art New York Gills dreiteiliges »Marilyn Triptych« in seine ständige Sammlung auf.

"Politische Motive"

Was weniger bekannt ist: Im frühen Werk des Künstlers finden sich auch viele »politische« Motive. So malte James Francis Gill als einer der Wenigen gegen den Vietnam-Krieg an.   Quasi über Nacht berühmt geworden, hörte er auf dem Höhepunkt seiner Karriere 1970 auf. "Ich war damals fix und fertig durch den Ruhm, die vielen Cocktailpartys und das ausschweifende Leben in Hollywood,“ sagt er einmal in einem WochenSpiegel-Interview. Man bot Gill eine Gastprofessur an der University of Oregon an. Auf dem Weg dorthin fuhr er durch die Redwoods und war überwältigt von der Schönheit der Natur. James Francis Gill beschloss dem Smog von Los Angeles zu entfliehen und erwarb ein Stück Land mitten im Nirgendwo von Nordkalifornien. Er fällte Bäume, nutzte sie als Bauholz für sein eigenes Haus, schloss sich einer Künstlerkommune an und fühlte sich rundherum wohl. Die Kunst jedoch behielt immer ihren Stellenwert, aufgehört zu malen hat er nie.

In den 90ern wiederentdeckt

Wiederentdeckt wurde der 83-Jährige Mitte der 90er Jahre von einem Journalisten des Kunstmagazins „American Art“… Eigentlich wollte James Gill in jungen Jahren Cowboy werden, was auch den charakteristischen weißen Cowboy-Hut erklärt, ohne den er nie das Haus verlässt. Es kam für den gebürtigen Texaner, der von seiner Mutter immer ermutigt wurde Künstler zu werden, dann aber doch ganz anders. "Ich habe mehrere Jahre als Designer und Planer in einem Architekturbüro gearbeitet, dann traf ich auf den berühmten Architekten Bruce Goff, der mir dazu riet, meine Kunst weiterzuentwickeln. Das war der Punkt, an dem ich mich dazu entschied ein professioneller Künstler zu werden . . .“  

Durch persönliche Freundschaften und Bekanntschaften mit Tony Curtis, Kirk Douglas, John Wayne, Jim Morrison, Martin Luther King oder Marlon Brando ist Gill als Künstler Zeitzeuge einer ganzen Generation geworden. Diese Persönlichkeiten prägten auch inhaltlich sein Werk, das er durch verschiedene Techniken und Kompositionen vermittelt. Aktuell konzentriert er sich auf fröhliche und farbenfrohe Gemälde, fertigte gerade ein Bild des „Herkules“ für das Event 300 Jahre Museumslandschaft Kassel, das auch eine gleichnamige Ausstellung repräsentiert.  

Die Welt steht auf dem Kopf

Ob er künstlerisch noch mal politisch werden will, weiß James Gill auf Anhieb gar nicht. Und was sagt er zum neuen US-Präsidenten Donald Trump? „Ich finde es gar nicht so wichtig, was Trump macht. Die politische Situation weltweit steht auf dem Kopf“,  sagt der Texaner. „Ich denke noch darüber nach, wie ich das zu Papier bringen kann. Große Sorgen macht mir die Lage im Nahen Osten. Das ist eine tickende Zeitbombe. . .  Möglich gemacht hat die sehenswerte Ausstellung Pop Art Ausstellung an der Mosel die Trierer Galerie Kaschenbach. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr. Führungen werden samstags und sonntags ab 11 Uhr angeboten; Sonderführungen für Schulklassen oder Gruppen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach vorheriger Absprache möglich; Eintritt: Erwachsene: 7 €, Kinder bis zwölf Jahre 5 €. Die Ausstellung ist bis zum 18. Juni zu sehen. Info: Touristinformation Traben-Trarbach, Telefon 0 65 41 / 8 39 80.  

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