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Nach 18 Jahren ist Schluss

Ortsbürgermeister tritt aus CDU aus

Brieden. Brieden ist einer der kleinsten Orte im Landkreis Cochem-Zell. Wenn man die Gemeinde als kleines gallisches Dorf bezeichnen würde, wäre das nicht aus der Luft gegriffen. Ihr Ortsbürgermeister macht aus seinem Unmut über Verwaltungshandeln keinen Hehl. Nach 18 Jahren will Erwin Thönnes aus der CDU austreten - aus Enttäuschung.

Die Windenergie ist nicht unumstritten. Das macht sich auch in der Entwicklung der Landesplanung bemerkbar. Auf den Moselhöhen spielen die sogenannten Sichtbeziehungen zum Flusstal eine Rolle. Thönnes hat Frust, denn die Briedener hätten gerne eine Windenergieanlage auf ihrem Grund - in der Gemarkung Kail - errichtet.

Das hätte der kleinen Gemeinde jährliche Einnahmen von 40.000 bis 45.000 Euro gebracht, ist der Ortschef sicher. "Der Kreis soll doch froh sein, wenn eine Gemeinde finanziell unabhängiger wird", sagt der 63-jährige Landwirt. Eine Feststellung, die ihn nach dem Platzen der Windkraftträume in der vergangenen Woche wütend macht. Thönnes fühlt sich von der Kreisverwaltung und Landrat Manfred Schnur "zu keinem Zeitpunkt sachgemäß, fair und auch politisch korrekt" behandelt. Das Unternehmen "ABO-Wind", dass die Windenergieanlage bauen wollte, hat mittlerweile den Bauantrag zurückgezogen, da neue landesplanerische Vorgaben nicht erfüllt werden könnten, heißt es aus der Wiesbadener Firmenzentrale. "Ich ärgere mich, weil die Firma in zweiter Verwaltungsgerichtsinstanz erfolgreich war. Es hat sich alles viel zu lange hingezogen", so Thönnes, der sich in dieser Sache die Unterstützung der Cochem-Zeller CDU-Spitzen gewünscht hätte.

"Die CDU schreibt sich seit Monaten auf die Fahnen, die Partei zur Stärkung des ländlichen Raums sein zu wollen. Zum ländlichen Raum gehören jedoch auch die Gemeinden auf den Moselhöhen in Eifel und Hunsrück. Deren Interessen vertritt die CDU Cochem-Zell mitnichten", schreibt Thönnes in einem Brief an die Kreisvorsitzende Anke Beilstein, in dem er nach 18 Jahren seinen Austritt aus der Union erklärt. "Die Kreisverwaltung hat nach Recht und Gesetz und nicht nach Parteibuch zu handeln. Das darf man nicht verquicken. Die Verwaltung muss unabhängig handeln", entgegnet die Kreisvorsitzende.

Dass der angekündigte Austritt so kurz vor der Bundestagswahl ist lässt Thönnes kalt. "Ich habe mir den Zeitpunkt nicht ausgesucht, aber einen Rückzieher mache ich jetzt auch nicht." Dass er zudem die Klärung der Spendenflüsse vom Ex-Geheimagenten Mauss an die CDU als für nicht nachvollziehbar hält, sei ein weiterer Grund den Christdemokraten den Rücken zu kehren. "Der Vorhang ist politisch durchschnitten. Privat sieht das durchaus anders aus. Mir geht es in dieser Sache nur um die Ortsgemeinde", sagt Thönnes, der den Rat der Gemeinde hinter sich sieht.

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