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"Wir sind stinksauer"

Lieg. Wer in diesen Tagen den Lieger Ortsbürgermeister Heinz Zilles und den Elternsprecher der Lieger Grundschule, Ralf Lauxen, nach ihrem Befinden befragt, der erhält eine eindeutige Antwort: "Wir sind stinksauer".

Alleine die Tatsache, dass die Öffentlichkeit von der möglichen Schließung der Lieger Grundschule durch die Medien informiert wurde, treibt Zilles und Lauxen die Zornesröte ins Gesicht. Die Grundschule soll im Sommer des kommenden Jahres mit acht weiteren im Land geschlossen werden. Im Landkreis Cochem-Zell betrifft es noch die Grundschule in Pünderich, die in Klotten wurde bereits in diesem Sommer geschlossen (der WochenSpiegel berichtete).

Kein Erörterungsgespräch

"Die Akzeptanz der Bevölkerung für unsere Schule war und ist riesengroß", so der Ortsbürgermeister, der zusammen mit seinen Mitstreitern einen 50-seitigen Katalog zusammengestellt hat, der von der pädagogischen Ausrichtung über das Engagement von Eltern und ehrenamtlichen Helfern bis zur Bedeutung des Nachwuchses für die Gemeinde Gründe hervorhebt, die den Fortbestand der Schule sichern sollten. "Wir haben den Eindruck, dass das alles überhaupt keine Rolle spielte. Ein Erörterungsgespräch hat es in jedem Fall nicht gegeben. Wir wollen auch keine andere Schule herunterziehen, sondern einfach nur gleich behandelt werden", so Lauxen. Hier hätten das Bildungsministerium und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) wohl ihre Vorgaben nicht berücksichtigt.

Grundschulstandort ist existentiell

Zu den Fakten: Zurzeit besuchen 14 Schülerinnen und Schüler die Grundschule in Lieg. Für das neue Schuljahr sind elf neu angemeldet und zwei werden die Schule wechseln. "In den kommenden fünf Jahren würden die Schülerzahlen stetig anwachsen. Im Schnitt können wir mit 25 rechnen", sagt Heinz Zilles. Für den Ortsbürgermeister ist die Schule existentiell. "Der Standort wird von jungen Familien aus diesem Grund angenommen. Wenn das nicht mehr der Fall ist, sinken unsere Entwicklungsmöglichkeiten ebenfalls. Wir können die Menschen nur mit der Schule halten. Mittelfristig würde dann auch der Kindergarten auf der Kippe stehen", mutmaßt Zilles. In welche Grundschule die Kinder im Sommer gehen sollen, sei, so Zilles, noch absolut unklar. In Treis werde beispielsweise eine Sanierung durchgeführt und es sei kein Platz mehr. "Ein Fünkchen Hoffnung ist noch da und das wollen wir nutzen", geben sich Zilles und Lauxen kämpferisch.

Foto: Archiv/Pauly

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