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Aufstehen und gehen

Ulmen. Dirk Schmitz ist seit 1998 nach einem Autounfall vom dritten Brustwirbel abwärts an gelähmt. Jetzt lernt der Lutzerather wieder "laufen".

Das Fitnessstudio von Thomas Gessler in Ulmen unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von anderen. Hier wird geschwitzt und etwas für die Kondition getan. Viermal in der Woche ändert sich das Bild. Dann trainiert Dirk Schmitz (42) mit Gessler. Der Technische Zeichner ist seit einem Autounfall vor 20 Jahren querschnittgelähmt. Schmitz nahm die Situation an und blieb aktiv. 15 Jahre spielte er in Koblenz und Trier in der Rollstuhl-Basketball-Bundesliga. Hier lernte er auch die Firma "ReWalk" kennen, die als Sponsor den Sport unterstützte. Ihr Exoskelett "ermöglicht gelähmten Menschen nicht nur aufrecht zu stehen, sondern tatsächlich auch zu laufen. Allerdings bedarf es einiger Übung", heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Das Versprechen begeisterte den Lutzerather, der das Exoskelett bei seiner Krankenversicherung beantragte.

Panik statt Glücksgefühle

Das Hilfsmittel kostet rund 75.000 Euro und mit allen spezifischen Einstellungen sowie einem geschulten Physio- und Sporttherapeuten können es leicht über 100.000 Euro sein. Da galt es Überzeugungsarbeit zu leisten, die letztlich fruchtete. An Schmitz‘ Seite der Physiotherapeut Thomas Gessler, der sich dieser "Mission impossible" mit stellte. "Ich sitze seit 20 Jahren im Rollstuhl und jetzt stehe ich auf einmal. Zunächst waren es auch keine Glücksgefühle, sondern eher Panik", berichtet der 42-Jährige von seinen ersten Erfahrungen. Die ersten sechs Wochen seien hart gewesen. Da galt es zunächst die individuellen Einstellungen beispielsweise in puncto Schrittgeschwindigkeit, Bewegungswinkel und Fußstellung zu finden. Seit vier Monaten trainieren Dirk Schmitz und er jetzt das Aufstehen und Gehen. "Die Knochendichte, die Nierenfunktion und die Durchblutung sind besser geworden", ist der Lutzerather von dem Exokelett überzeugt.

Der Kopf muss mitspielen

30.864 Schritte hat er bis Ende Januar auf seinem weg in die "Normalität" bereits gemacht. Gesteuert wird die "Lego-Technik für Menschen" über eine Uhr und der Akku hält vier Stunden. Der Höhepunkt: ein Besuch im "Löhr-Center" in Koblenz. "Das Ziel war in diesem Sommer dort ein Eis zu essen und dann hat mich Thomas ins Auto gepackt und wir sind hingefahren", schmunzelt Schmitz. Und hier gab es weitere Überraschungen, denn der Aufzug schloss sich bereits bevor er sich in Bewegung setzen konnte. "Die Menschen haben sich auch erst umgedreht, als ich vorbei war", erzählt Schmitz, der sich der körperlichen Herausforderung stellt, aber einen anderen Parameter höher einschätzt: "Viel wichtiger ist der Kopf. Der muss mitspielen!" 

Fotos: Pauly

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