Katja Thönnes

Sechs Freunde, drei Autos und ein Kamel

Gevenich. Eigentlich war es eine "Schnapsidee". Das passt. Denn bei der Allgäu-Orient-Rallye sind "Schnapszahlen" ein wiederkehrendes Element: Zugelassen sind etwa nur Autos, die einen Wert von 1 111 Euro nicht überschreiten. Klingt verrückt? Ist es auch! Die sechs Eifeler, die einen der begehrten Startplätze ergattern konnten, nehmen ihre Teilnahme dennoch sehr ernst. Und das nicht nur, weil für das Siegerteam ein Kamel bereit steht.

Aus Büchel, Gevenich und Weiler zieht es im April 2013 sechs Männer von Oberstaufen/Allgäu bis nach Jordanien. Dazwischen liegen mindestens 6 000 Kilometer Landstraßen und Schotterpisten sowie zahlreiche "Spezialaufgaben". Marko Franzen, Michael Diederichs, Georg Hammes, Thorsten Klinkosch, Christian Fischer und Rüdiger Mohr treten mit ihrer Teilnahme in prominente Fußstapfen, beispielsweise in die von Comedian Bernhard Hoëcker. Der hat über seine Rallye-Erlebnisse das Buch  "Meilenweit für kein Kamel" geschrieben, das Michael Diederichs im Juni von einem Freund zum Geburtstag geschenkt bekam. "Da machen wir auch mit", sagte sein Freund Christian Fischer und einige Geburtstagsgäste stimmten schnell in die Idee mit ein. Dass dieser Einfall ernst zu nehmen war, glaubte Michael Diederichs lange nicht. Bis zu jenem Abend, als Marco Franzen ankündigte: "Heute Nacht melde ich uns an." Weniger als zwei Minuten blieben Franzen in der Nacht zum 7. Juli ab 3.33 Uhr, dann waren alle 111 Startplätze vergeben. Das Team aus der Eifel sicherte sich Platz Nummer 65. Sie überwiesen die 222,22 Euro Startgeld pro Teilnehmer und schon steckten sie mittendrin in den Vorbereitungen. Innerhalb kürzester Zeit kauften sie drei "124 Mercedes Kombis", und zwar aus gutem Grund: "Die Fahrzeuge gibt es in den meisten Ländern, die wir auf der Rallye durchfahren", erklärt Georg Hammes. Sollte also eines der Autos auf der Strecke "schlappmachen", könnten zumindest rein theoretisch Ersatzteile vorhanden sein.Ähnlich schnell war ein Teamname gefunden. Unter dem Titel "Mehari", ein arabisches Wort für schnelle Reit-Dromedare, möchten sie durchstarten. Das dazu passende Logo entwarf Andreas Lenzen aus Ulmen. Einmal in der Woche treffen sich die Eifeler inzwischen in Gevenich. In einem ausrangierten Bauwagen ist die Schaltzentrale der Vorbereitungen. Und es gibt noch viel zu erledigen. Die Männer möchten schließlich nicht nur Abenteuer erleben, sondern mit viel Engagement auch den humanitären Zweck der Tour unterstützen. Bis zu 125 000 Euro fuhr die Rallye in den vergangenen Jahren ein. Das Geld kam jeweils karitativen Projekten zugute. Auf der Suche nach Unterstützern hat für die Eifeler daher schon jetzt ein "Spendenmarathon" begonnen.

Klassischer "Start-Ziel"-Sieg für guten Zweck

Für humanitäre Projekte wird die Rallye ein klassischer "Start-Ziel"-Sieg. So standen beispielsweise in den vergangenen Jahren die Sonderprüfungen, die jedes Team ableisten muss, im Dienst der guten Tat. Mal waren es Hilfsgüter, die an bedürftige Frauen ausgeliefert wurden, mal war es der Besuch in einem Kinderheim. Am Ende gewinnt schließlich auch nicht der Schnellste, sondern das Team, das die Sonderaufgaben auf der Strecke am besten bewältigt hat.Selbst die Rallye-Autos dienen dem guten Zweck. Sie bleiben am Zielort und werden dort versteigert. "Uns reizt nicht nur die Herausforderung mit historischen Fahrzeugen eine Strecke von zirka 6 000 Kilometern zu meistern, sondern auch die Tatsache, dass wir mit unserer Teilnahme einem humanitären und sozialen Zweck dienen können", bekennt das "Mehari"-Team.Daher suchen die Teilnehmer nun Sponsoren. Ob Geld- oder Sachspenden - die Eifeler sind für jede Unterstützung dankbar. Von Gesellschaftsspielen für Kinder über Tankgutscheine bis hin zu T-Shirts und Werbeartikeln ist jede Spende willkommen. Einige Unternehmen aus der Region haben ihre Hilfe bereits zugesagt. Und wenn es nach den sechs Abenteurern geht, dürfen viele weitere folgen. Als "Gegenleistung" können die Firmen auf den Rallye-Autos etwa ihre Logos platzieren. Ausführliche Informationen, wie das Team unterstützt werden kann, gibt es auf der Internetseite: www.mehari.euAlles im allem bleibt für die Truppe noch viel zu tun. Zahlreiche Treffen werden nötig sein. In Planung ist bereits eine Teamvorstellung sowie eine Benefizveranstaltung. Über eine Sache herrscht jedoch jetzt schon Einigkeit: Sollte "Mehari" am Ende ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen, dann wird mit dem Gewinn "in guter alter Sitte" verfahren: Bisher haben die Gewinner ihr Kamel nämlich stets einem jungen Beduinen oder Farmer übergeben und somit einem armen Menschen eine Existenzgrundlage geschaffen. Mehr Info zur Rallye unter: www.allgaeu-orient.de

Foto: Hans-Werner Rach

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