Achtung Winterfrost: Das kann jetzt an Haus und Hof kaputtgehen

So romantisch ein winterliches Grundstück auch wirkt, dahinter verbergen sich viele Probleme, die man angehen muss.

Schnee, Frost und kein Ende in Sicht. Wer da nicht gewaltig aufpasst und gegensteuert, hat schnell Schäden, die in die Tausende gehen können.

Das neue Jahr brachte für die ganze Wochenspiegel-Region Bibberwetter par Excellence. Und glaubt man dem deutschen Wetterdienst, wird es damit auch noch weitergehen – die Zeichen stehen nach wie vor auf Frost. Für den Mensch ist das nur ein Bekleidungsproblem. Langes Unterhemd und –hosen, Parka, Schal und Mütze und schon kann uns die Kälte nichts mehr anhaben. Viel problematischer wirken jedoch Schnee und Frost bei Häusern, in Gärten, an Autos. Zeit also, sich nicht unter der Kuscheldecke auf der Couch zu verkriechen, sondern die folgenden Tipps zu beherzigen, damit aus der Frostperiode kein Zahl-Quartal wird.

1. Das Auto

 In wessen Garage nur ein alter VW Käfer oder ein Porsche 911er bis einschließlich Baureihe 993 stehen, der kann diesen ersten Punkt bereits überspringen, denn diese Fahrzeuge verfügen über luftgekühlte Motoren. Alle anderen sollten jedoch aufmerksam lesen. Ein normaler Motor wird von unzähligen wasserführenden Kanälen durchzogen. Die darin umlaufende Flüssigkeit sorgt dafür, dass die Hitze von den Brennräumen weggeleitet wird.

Normalerweise kreist in diesen Kanälen ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel, genauer gesagt Glykol. Das Problem ist jedoch, wenn durch zu häufiges Nachfüllen von Kühlerwasser der Verdünnungsgrad zu hoch wird, reicht der Frostschutz eventuell nicht mehr aus, um auch bei einer frostigen Nacht von -10°C zu gewährleisten, dass das Kühlwasser flüssig bleibt. Die Schäden, die dann auftreten können, sind die gleichen, wie sie uns im Lauf dieses Artikels noch häufiger begegnen werden. Das Wasser gefriert, dehnt sich aus und bringt im günstigsten Fall Schläuche zum Platzen. Mit etwas Pech reißen aber Kühlkanäle und dann ist oft ein neuer Motor fällig.

Damit es nicht soweit kommt, sollte die Motorhaube geöffnet und nach einem Schild mit Temperaturangabe und Datum gefahndet werden. Meist zu finden am Kühlmittelbehälter. Liegt das darauf notierte Datum mehr als ein Jahr in der Vergangenheit oder ist der gar kein Zettel vorhanden, heißt es ab in die Werkstatt. Den Frostschutzgehalt prüfen die Monteure oft für einige Euro in die Kaffeekasse und ein Liter des motorschützenden Elixiers gibt es für einstellige Euro-Beträge.

2. Wasserleitungen

Ob nun der Hahn im Garten oder die Zuleitung am Anbau. Wo Rohre dicht unter der Erdoberfläche oder dem Außenputz verlaufen, besteht zumindest an den Hähnen akute Frost- und somit Platzgefahr. Die einfachste Methode dagegen ist:

  • Den entsprechenden Absperrhahn im Keller finden und verschließen
  • Nach außen gehen und den Hahn aufdrehen
  • Das Wasser mindestens eine Minute ablaufen lassen, bis nur noch Tropfen kommen
  • Den Außenhahn wieder schließen
Bei solchen schutzlosen Standleitungen ist die Gefahr am größten. Hier hilft nur eine Isolierung wirklich dauerhaft gegen Frost-Angst.

Das Problem ist, solche Arbeiten sollte man normalerweise vor dem ersten Frost erledigen. Jetzt kann es dafür schon zu spät sein. Deshalb am besten direkt bei allen Hähnen prüfen. Kommt das Wasser ganz normal, kann wie oben beschrieben verfahren werden.

Lässt sich der Außenhahn jedoch zwar aufdrehen, es kommt aber kein Wasser oder ist der Hahn schon gänzlich unbeweglich, muss sofort gehandelt werden. Glücklicherweise sind die Leitungen in der Wand meist sicher, also reicht es in der Regel, wenn man den Hahn auftaut. Dazu zunächst ebenfalls das Ventil im Keller zudrehen und dann mit einem Heißluftfön (Baumarkt ca. 20 Euro) den (sofern möglich aufgedrehten) Hahn und die Rohrleitung, die aus der Wand ragt vorsichtig für mindestens zehn Minuten erwärmen bis der Wasserfluss wieder normal ist oder kein Schmelzwasser mehr austritt. Zum Auf- und Abdrehen des Hahns bitte Ofenhandschuhe verwenden, da der Heißluftfön ihn auf mehrere hundert Grad erhitzt.  

Selbst wenn dieses Erwärmen nicht reicht, um den gesamten Leitungsinhalt aufzutauen, kann damit wenigstens ein Volumen Luft im Rohr geschaffen werden, in das sich weiteres Eis ausdehnen kann. Um zu verhindern, dass der Hahn erneut einfriert, diesen nun dick mit Lappen o.Ä. umwickeln.

3. Elektrische Geräte

Ein typisches altes Bauernhäuschen irgendwo zwischen Trier und Saarburg. Die Waschküche wurde mit Wasser- und Abflussleitungen ausgestattet und bietet so auch heute noch eine Heimat für Waschmaschine und Trockner.

Wo Wasser benötigt wird, aber trotz Eisgefahr keine Heizung vorhanden ist, sollte ein Frostwächter zum Einsatz kommen.

In den allermeisten Fällen existiert hier jedoch keine Heizung. Und das kann bei Frost dafür sorgen, dass die Waschmaschine leidet. Zwar lassen sich daraus resultierende Schadensbilder wie eine kaputte Pumpe oder geplatzte Schläuche notfalls noch mit etwas Talent selbst beheben. Aber diesen Ärger kann man vermeiden. In einen solchen Raum, in dem man das Wasser nicht abdrehen kann, weil es benötigt wird, gehört deshalb ein sogenannter Frostwächter. Ein Heizgebläse, das sich nach Unterschreiten einer bestimmten Raumtemperatur selbstständig aktiviert und Einfrieren verhindert. Zudem kann es nützlich sein, die Waschmaschine mit alten Decken, Bettlaken etc. einzupacken. Übrigens muss der Wäscheknecht dazu nicht einmal in einem ungeheizten Anbau stehen. Auch im Keller oder dauer-belüfteten Badezimmern kann es so frostig werden, dass Schäden auftreten.

Doch ist das nicht das einzige Elektrogerät, das unter Frost leidet. Ebenso gilt das für Geräte, die akkubetrieben sind, also Elektrobohrer, Rasenmäher und alles andere, das man in Gartenhäuschen und Garagen lagert. Alle Akkus leiden aufgrund ihrer Konstruktion unter Kälte. Im besten Fall entladen sie sich nur, im schlimmsten Fall werden sie jedoch geschädigt.  Deshalb lautet die beste Lösung, die Akkus mit ins Haus zu nehmen. Wo sie dort gelagert werden, ist egal, Hauptsache die Temperatur hat Wohnzimmer-Qualität.

4. Gartenteich

Auf dem Teich bildet sich recht schnell eine Frostschicht – und weil ein solcher künstlicher See auch in den meisten Fällen nicht sonderlich tief ist, steigt mit jedem Frosttag das Risiko, dass er komplett einfriert. Die oft gebrauchte „Erstmaßnahme“, ein Loch ins Eis zu hacken, ist abzulehnen, denn durch die dabei entstehende Druckwelle können die Schwimmblasen der Fische platzen.

Jedoch muss die Eisschicht geöffnet werden, damit Sauerstoff ins Wasser gelangt und die durch die Fisch-Ausscheidungen und abgestorbenen Pflanzen entstehenden Faulgase keine erstickende Konzentration erreichen. Die korrekte Vorgehensweise lautet:

  1. Mit heißem Wasser zwei weit voneinander entfernte Löcher ins Eis schmelzen
  2. Einen Teichbelüfter (ab 25 Euro) kaufen und seinen Schlauch in eines der Löcher legen
  3. Das andere Loch mit einem Eisfreihalter, einem passenden Styroporstück oder Gummibällen füllen, damit es nicht mehr zufriert

Kombiniert mit einer täglichen Prüfung der Atemlöcher lässt sich so sicherstellen, dass die Tiere zumindest überleben. Und vor dem nächsten Winter sollte man überlegen, ob man nicht den Teich um ein gutes Stück vertieft und somit seine Bewohner besser vor Frost schützt.

5. Immergrüne Gewächse

Der Winter ist für die meisten immergrünen Pflanzen, selbst wenn sie keine Nadeln, sondern Blätter haben, kein größeres Problem. Was aber nicht heißen soll, dass man sie generell ignorieren könnte. Denn auch bei diesen Garten-Zierden lauert der Frost-Tod in Gefahr von unterkühlten Wurzeln. Nicht bei im Freiland sitzenden Gewächsen, dort ragen die Wurzeln bis in forstsichere Tiefen.

Pappschnee ist kritisch, denn ungleich dem Pulverschnee bleibt er auf Ästen liegen und biegt sie bis zum Bruch nach unten.

Aber bei Kübelpflanzen sieht es anders aus. Deren Töpfe sollten mindestens mit Luftpolsterfolie umwickelt werden – notfalls geht auch eine alte Decke gefolgt von einer wasserdichten Plane.

Alle immergrünen Gewächse leiden zudem unter winterlicher Trockenheit – das Gießen sollte deshalb auch bei diesem Wetter nicht eingestellt werden. Aber bitte niemals mit warmem Wasser, sonst bekommen die Pflanzen einen Temperaturschock. Und es sollte nur an frostfreien Tagen gegossen werden – vor dem nächsten Winter dann vor den ersten Frösten ausreichend wässern.

Kommt jedoch Pappschnee hinzu, ist Eile geboten. Denn vor allem Blatt- und in geringerem Umfang auch Nadelgewächse leiden unter dem Gewicht der Schneemassen, das sie nach unten drückt und im Extremfall abbricht. Die Liste der Maßnahmen ist kurz aber effektiv:

  • Niemals den Schnee abschütteln, das kann Äste erst recht brechen
  • Mit einem Handfeger immergrüne Blattgewächse grob abkehren
  • Hochwachsende Sträucher, die vom Schnee auseinandergedrückt werden, zusammenbinden
  • Vlies oder Jutematerial über die Krone stülpen, um ein Dach zu errichten

Bricht dennoch ein Ast, einige Zentimeter vor der Bruchstelle komplett absägen und die Stelle mit Baumwunden-Pflegemittel aus dem Garten-Fachhandel versiegeln.

6. Dächer

Ob auf Haus, Anbau, Garage oder Gartenhaus, Schneelasten können durch ihr immenses Gewicht gewaltige Schäden anrichten. Grundsätzlich werden alle in Deutschland errichteten Gebäudedächer zwar so geplant, dass sie auch mit extremen Schneemassen zurechtkommen. Das gilt aber nicht unbedingt für mehrere Jahrzehnte oder noch ältere Häuser. Bei diesen kann auch noch hinzukommen, dass die tragenden Elemente des Dachstuhls durch den Zahn der Zeit viel von ihrer Tragfähigkeit eingebüßt haben.

Wenn kein Schnee liegt, sollte man deshalb die entsprechenden Dächer einfach rasch mit der Handykamera von innen und außen fotografieren. Fällt dann Schnee, kann verglichen werden. Sollten sich am Haus- oder Anbaudach auffällige Durchbiegungen oder Ähnliches zeigen, sollte in jedem Fall ein Dachdecker herangezogen werden.

Auf PV-Anlagen können schon geringe Schneedichten die Stromerzeugung zum Erliegen bringen – bei mehr Gewicht können auch Schäden entstehen.

Gleiches gilt natürlich auch für Photovoltaikanlagen auf moderneren Dächern, die durch Schnee genauso beschädigt werden können. Sagt der Wetterbericht weiteren Schnee voraus oder rät der Dachdecker dazu, muss zudem die Feuerwehr alarmiert werden, die das Dach räumt, bevor es zu einer Katastrophe kommt. Allerdings rücken die Wehren nur bei „echten“ Gefahren aus, also auf Wohnhäusern oder großen Stallungen. Nicht aber bei Gartenhäuschen und Co.

Da diese aber wesentlich schwächer konstruiert sind, obliegt es dem Besitzer, gegenzusteuern. Deshalb hier vorsichtig mit einem Besen oder einem speziellen Dachräumer abkehren. Aber niemals selbst auf das Dach klettern – das Gewicht kann nämlich zum berühmten „Tropfen“ werden, der das Fass zum überlaufen bzw. das Dach zum Einbrechen bringt. Experimente mit heißem Wasser sollte man indes unterlassen, weil es einerseits ebenfalls das Dachgewicht erhöht und andererseits für unkontrollierbare Dachlawinen sorgen kann. Gleiches gilt auch für Streusalz – wo das daraus entstehende Schmelzwasser in den Garten gelangt, wächst nämlich so schnell nichts mehr.

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